Zeichnet sich eine Psychose schon in der Jugend ab? – Kann man vorbeugend etwas dagegen tun?

Protokoll des Psychoseseminars vom 16.04.2008 von 19.00 – 21.15 Uhr

Protokollantin: Fr. Mischke

Zunächst erfolgt die Begrüßung des Auditoriums. Vorstellung des Psychoseseminars und der Person der Moderatorin, Begrüßung von Herr Kilian (Psychologe und Psychotherapeut in den RKD) und Fr. Grab (Pfarrerin/Krankenhausseelsorge in den RKD).

1.Warm-Up: Welches Verhalten von Kindern und Jugendlichen erinnert uns an psychotische Episoden bei Erwachsenen?

Es wurde folgendes Verhalten aufgezählt:

  • „imaginäre“ Freunde zu haben
  • auffällige Kleidung/Styling
  • etwas sehen, was nicht da ist → bei Kindern sagt man sie haben eine blühende Fantasie

2.Als „Provokation“ wurde die Frage in den Raum gestellt, ab wann kindliches Verhalten psychotisch ist und ob die Anwesenden eigene Beobachtungen gemacht haben und wie sie damit umgegangen sind.

3.Anschließende Information von Hr.Kilian

Es wurde von Angehörigen geäußert, dass es für sie zuerst nicht ersichtlich war welches Verhalten pubertär und welches eventuell schon psychotisch gewesen sein könnte. Hr. Kilian informierte, dass es auch für Profis ein oft langwieriger Prozess sei eine sichere Diagnose stellen zu können. Eltern und Angehörige sollten sich deshalb keine Vorwürfe machen, dass sie es hätten früher erkennen müssen. Außerdem ist umstritten, ob man heute noch von einer Psychose sprechen kann, es wird eher der Begriff der Entwicklungsstörung verwendet. Eine Psychose bricht frühestens in der Pubertät aus, eines der ersten Anzeichen sind ein sog. „Wirr Warr“ im Kopf und sozialer Rückzug. Eine Liste mit weiteren Früherkennungszeichen und ein Informationsblatt eines Kölner Früherkennungszentrums wurden von Hr. Kilian ausgehändigt. Als Beispiel wurde genannt, dass es sicherlich in der Pubertät vorkommt, dass die Jugendlichen weniger Lust auf Hausaufgaben haben und stattdessen lieber mit ihren Freunden zusammen sind. Auffällig wird es, wenn der Jugendliche z. B. selbst die Texte seiner Lieblingsband nicht mehr mitsingen kann, keinen Kontakt mehr zu Freunden pflegt, keine Musik mehr hört etc. Grundsätzlich kann man sagen je mehr Symptome der Früherkennungszeichen auffallen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer vorliegenden Erkrankung.

Früherkennungszeichen einer Psychose – erstellt von Hr. Kilian

Denken AffektVerhalten
Keine Konzentration

Gedanken können nicht mehr geordnet werden

Wirr Warr im Kopf

Unfähigkeit Gesprächen zu folgen

Äusserungen anderer werden nicht mehr verstanden

Der eigene Körper wird als fremd/taub erlebt

Fühle mich wie im falschen Film

Zerfahrenheit

Wortsalat

Depersonalisations-/ Derealisationserlebnisse
Gleichgültigkeit

Affektlabilität

Läppisch, Dysphorisch - gereizt

Mangelnde Ausgeglichenheit

Affektive Versandung

Ambivalenz

Gefühlsleere

Begräbnis-Witz
Rückzug (Familie, Freunde)

Unsicherheit im Kontakt

Gestörter Tag-Nacht-Rhythmus

Misstrauen

Kein Antrieb

Keine Interessen

Schulschwierigkeiten

Schul-Ausbildungsabbrüche

Völlige Gleichgültigkeit

Grimassieren

Austismus

Unruhe

Nervosität

Schlaflosigkeit

Fehlende Spontaneität

PAUSE

4.Wie werden Kinder und Jugendliche psychiatrisch behandelt? Wie sind die Erfolge – Misserfolge?

Bevor überhaupt eine Therapie begonnen wird, werden viele Gespräche geführt um Informationen über mögliche Symptome und Auslöser der Erkrankung zu sammeln. In gemeinsamen Gesprächen der Ärzte wird über eine mögliche Diagnose diskutiert. Nach Festlegung der Diagnose werden Medikamente und ein Therapieplan erstellt, der auf das Krankheitsbild des Betroffenen zugeschnitten wird. Bestandteile des Therapieplans sind u. a.: Akkupunktur, Ergotherapie, Bewegungs- und Sporttherapie, Aromatherapie, Snoezeln. Der Zeitgeist bei der Behandlung und im Ungang mit psychisch Erkrankten hat sich geändert und die Menschen sind offener geworden über ihre Erkrankung zu reden. Es gibt nach dem Klinikaufenthalt weitere Betreuung und Versorgung und es ist möglich in der eigenen Wohnung betreut zu werden. Zu vielen Krankheitsbildern gibt es eigene Selbsthilfegruppen und Informationsmaterial ist leicht zugänglich.

5.Kann man vorbeugend etwas tun? Was brauchen Kinder, Jugendliche aber auch Erwachsene um gar nicht erst psychotisch zu werden?

Als Ergebnisse wurden zusammengefasst:

  • Auf die Bedürfnisse eingehen
  • Gemeinsame Aktivitäten
  • Im Gespräch bleiben
  • In Kontakt/Beziehung bleiben (z.B. bei Auszug des Kindes)
  • Natur erleben (als Kontrast zum PC – Spiel)
  • Cannabis/Drogen meiden
  • PC-Spiele, Internet, TV eingrenzen
  • Gemeinsames Familienleben fördern
  • Sich abgrenzen
  • Sich informieren

Menschen, die mit folgenden Diagnosen leben müssen: Schizophrenie, Paranoia, Borderline, Bipolare Störung, Depression u. ä. mit psychotischen Symptomen tauschen sich mit Angehörigen, Interessierten und in der Psychiatrie Tätigen aus.