Wohnen und Arbeiten nach dem Klinikaufenthalt – Welche Nachsorgeeinrichtungen gibt es?

Protokoll des Psychoseseminars vom 17.12.2008 von 19.00 – 21.15 Uhr

Protokollant/in: Fr. Mischke

Zunächst erfolgt die Begrüßung des Auditoriums sowie der anwesenden Gäste, Dr. Grassnack (RKD); Fr. Grab (RKD), Fr. Dr. Freisen (RKD); Fr. Dr. Weikl (RKD), Hr. Bürger (Tagesstätte die Kette e.V.)

1.Welche Nachsorgeeinrichtungen kennen Sie?

Es wurden folgende Einrichtungen zusammengetragen:

  • Agentur für Arbeit
  • IFD (Integrationsfachdienst)
  • Wohnheime, Wohngemeinschaften, „Übergangswohnheime“
  • Tagesklinik
  • Tagesstätte
  • Gesetzliche Betreuer
  • Fachärzte, Ambulanzen
  • Selbsthilfe
  • Soziales Umfeld
  • Ehrenamtliche Arbeit
  • Therapeutische Hilfen
  • Ambulant betreutes Wohnen (BeWo)
  • Kontakt-u. Beratungsstelle (KoBs)
  • Berufsförderungswerk
  • Werkstätten (Rurtec, WfB´s)
  • Jobcom
  • Gesundheitsamt, Versorgungsamt
  • Rentenversicherungsträger
  • Spezialkliniken (z.B. für Doppeldiagnosen)

2.Hr. Bürger stellt die Tagesstätte Jülich vor:

Die Tagesstätte ist eine teilstationäre Einrichtung, die die Klienten von morgens bis nachmittags besuchen und die Ihnen somit hilft ihren Tagesablauf zu strukturieren. Durch tägliche Kontakte wird die Lebensqualität, und damit auch die Bewältigung der eigenen Erkrankung verbessert. Dort werden verschiedene Angebote für die Klienten gemacht, von der klassischen Beschäftigungstherapie über Freizeitgestaltung bis hin zur gemeinsamen Essenszubereitung. Gemeinsam mit dem Klienten werden Ziele festgelegt, die in regelmäßigen Abständen überprüft und überarbeitet werden. Ein mögliches Ziel könnte z.B. der Wiedereinstieg in das Arbeitsleben ein. Voraussetzung für den Besuch der Tagesstätte ist eine Erwerbsunfähigkeit aufgrund einer psychischen Erkrankung (das heißt, dass attestiert ist, dass man weniger als drei Stunden pro Tag arbeiten kann), und eine fachärztliche Stellungnahme, die die Notwendigkeit des Besuchs der Tagesstätte belegt. Kostenträger dieser Einrichtung ist der LVR, Dezernat 7, und bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze (liegt zurzeit bei 700 € zzgl. Miete und Nebenkosten) ist der Besuch der Tagesstätte kostenlos. Drei Tage in der Woche muß die Tagesstätte mindestens besucht werden, um eine Regelmäßigkeit zu entwickeln – der Zeitpunkt des Besuchs wird individuell mit den Klienten abgestimmt. Weitere Unterstützung z. B. Weckanrufe durch die Mitarbeiter können bei Bedarf in Anspruch genommen werden.

Hr. Schmidt erzählt von seinen Erfahrungen mit dem Berufsförderungswerk:

Das Berufsförderungswerk tritt in Aktion, wenn ein Mensch einen bestimmten Beruf gelernt hat und aus gesundheitlichen Gründen in diesem aber nicht mehr tätig sein kann. Wenn man aus diesem Grund arbeitslos wird prüft das Arbeitsamt, welcher Träger zuständig ist und aus Erfahrung wurde berichtet, dass dieser Prozess längere Zeit in Anspruch nehmen kann. In der sog. „Berufsfindung“ wird geprüft, welche Fähigkeiten man hat um einen den Fähigkeiten und Neigungen entsprechenden Umschulungsberuf/Ausbildungsberuf zu finden. Ist dieser Prozess abgeschlossen, wird die eigentliche Ausbildung/Umschulung begonnen. Die Ausbildung ist sehr theoretisch aufgebaut und man macht wenig praktische Erfahrungen. Deshalb wird berichtet, sei diese Ausbildung/Umschulung oft nicht so anerkannt wie eine „übliche“ Ausbildung. Viele Menschen erkranken durch den Arbeitsstress in oder nach der Ausbildung/Umschulung erneut und werden dann z.B. in die Rurtec vermittelt.

Dr. Freiser stellt die Tagesklinik vor:

Die Tagesklinik soll Menschen erreichen, die eine intensivere Behandlung benötigen, für die jedoch eine vollstationäre Behandlung nicht notwendig ist. Sie wird von 8.00 bis 16.00 Uhr besucht. Ziel ist, dass die Klienten in ihrer häuslichen und sozialen Umgebung wieder mit den täglichen Anforderungen zurechtkommen. Tätigkeitsschwerpunkt liegt in verschiedenen Einzel- und Gruppengesprächen, an denen die Klienten teilnehmen z.B. Sozialkompetenzgruppen, tiefenpsychologische Gruppen, verhaltentherapeutische Gruppen die von Ärzten, Therapeuten und Sozialarbeitern betreut werden. Auch Beschäftigungs-, Bewegungs-, und Musiktherapie, sowie Entspannungsverfahren sind Bestandteil der Tagesklinik. Die zuständigen Krankenkassen zahlen den Aufenthalt in der Tagesklinik. Auch längere Aufenthalte sind möglich, da es sich um eine teilstationäre Einrichtung handelt.

Zusammenfassend wurde gesagt, dass es eine massive Unterversorgung an psychiatrischen Fachärzten im Dürener Raum gibt, was die Klienten sehr unzufrieden macht, da sie dadurch genötigt sind auf andere Kreise auszuweichen um eine fachärztliche Versorgung zu erhalten. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Zahl der Nachsorgeeinrichtungen zeigt, dass sich viele Institutionen mit der Versorgung der Klienten nach dem Klinikaufenthalt beschäftigen und bereits eine gute Vernetzung existiert.

Menschen, die mit folgenden Diagnosen leben müssen: Schizophrenie, Paranoia, Borderline, Bipolare Störung, Depression u. ä. mit psychotischen Symptomen tauschen sich mit Angehörigen, Interessierten und in der Psychiatrie Tätigen aus.