Wo bleiben die Angehörigen von Psychose – Erfahrenen im Laufe der Krankheitsgeschichte?

Protokoll des Psychoseseminars vom 18.03.2009 von 19.00 – 20.45 Uhr

Protokollant/in: Hr. Schmidt/Fr. Mischke

Zunächst erfolgt die Begrüßung des Auditoriums sowie der anwesenden Gäste Fr. Dr. Freisen (RKD), Fr. Matzanke (Selbsthilfegruppe für Angehörige)

1.Welche Erfahrungen haben Sie als Angehöriger bei der Behandlung im Krankheitsverlauf von Psychose – Erfahrenen gemacht?

Es wurden folgende persönliche Eindrücke und Erfahrungen zusammengetragen:

  • Gefühl von Hilflosigkeit
  • Überforderung
  • Welches Verhalten gegenüber dem psychisch erkrankten Familienmitglied ist richtig?
  • Verunsicherung
  • zu frühe Entlassungen – aus Sicht der Angehörigen
  • Schockzustand
  • Gespräche sind teilweise nicht möglich durch eine Kontaktsperre
  • Angehörige fühlten sich „benutzt“, um Informationen über den Patient zu bekommen und dann selbst kaum noch informiert
  • Eine Einweisung gestaltet sich aus Sicht der Angehörigen schwierig, da sie merken, dass bei ihrem Familienmitglied erste Frühwarnzeichen auftreten, aus Sicht der Ärzte besteht aber noch kein Handlungsbedarf

2.Was wird in der Klinik getan, um Angehörige in den Prozess der Behandlung und Genesung einzubeziehen?

  • Es gibt ein gemeinsames Gespräch mit Familienangehörigen
  • Verweis auf Selbsthilfegruppen für Angehörige und weitere psychiatrische Dienste
  • Es gab eine Gruppe für Angehörige in der Klinik, die aber aufgrund mangelnder Teilnahme eingestellt wurde

3.Welche Änderungs-/Verbesserungsvorschläge gibt es?

  • Angehörige aufklären und auf mögliche schwierige Situationen vorbereiten
  • Das Klinikpersonal offensiv ansprechen und „am Ball bleiben“
  • Im Vorfeld Regelungen treffen durch Vollmachten, gesetzliche Betreuung oder Behandlungsvereinbarung damit man als Angehöriger Auskünfte bekommen kann
  • Eine Angehörigensprechstunde/Informationsgruppe zu Krankheitsbildern einrichten
  • Betreuungsmaßnahmen für Angehörige über die Selbsthilfe hinaus mit professioneller Begleitung

4.Was können Angehörige für sich selbst tun, um mit der Situation besser umgehen zu können?

  • an sich selbst denken, da man nur anderen Menschen Hilfe leisten kann, wenn man selbst stabil ist und genug Kraft hat
  • Distanz gewinnen
  • Nachsorgeeinrichtungen nutzen
  • Grenzen erkennen und setzen
  • Versuchen Emotionen aus der Situation raus zu nehmen und die Dinge objektiver zu betrachten
  • Loslassen
  • Vertrauen haben
  • Hilfe annehmen können

Als weitere Information wurde von einem Teilnehmer gesagt, dass ca. 10.000 psychisch erkrankte Menschen im Kreis Düren leben und es erstaunt, dass Angebote für Angehörige kaum wahrgenommen werden. Die Selbsthilfegruppe für Angehörige psychisch erkrankter Menschen in Düren hat wenige Besuchszahlen vorzuweisen. Es ist wichtig auch als Angehöriger Angebote zu nutzen und dass es Menschen gibt, die solche Angebote initiieren und aktiv daran arbeiten.

Menschen, die mit folgenden Diagnosen leben müssen: Schizophrenie, Paranoia, Borderline, Bipolare Störung, Depression u. ä. mit psychotischen Symptomen tauschen sich mit Angehörigen, Interessierten und in der Psychiatrie Tätigen aus.