Wie bleibe ich als Angehöriger trotz der Belastung gesund?

Protokoll des Psychoseseminars vom 20.06.2012 von 19.00 – 20:45 Uhr

Moderation und Protokoll: Frau Dangel

Zunächst erfolgt die Begrüßung des Auditoriums und der anwesenden Gäste, insbesondere Herrn Keutgen (Leiter der Selbsthilfegruppe Angehöriger psychisch Kranker) und der Vorbereitungsgruppe

Anschließend wird das Psychoseseminar vorgestellt und Hintergründe dazu werden erläutert.

Einstieg:

Zu Beginn haben wir die Frage gestellt: „Welche Belastungen haben Angehörige?“

Es werden Karten und Stifte ausgegeben. Pro Karte wird eine Nennung aufgeschrieben. Die Karten werden dann im Sinnzusammenhang auf dem Boden sortiert. Die Anwesenden haben ihren „Geschichten“ zu den Karten in der Seminarrunde erzählt, so dass ein Austausch stattfinden konnte.

Herr Keutgen von der Selbsthilfegruppe für Angehörige psychisch Kranker hat die Nennungen aus Sicht der Selbsthilfe ergänzt.

Hier ist die Aufzählung der Aussagen, bzw. der Nennungen auf den Karten:

  • Eine Frau (Betroffenen und Angehörige) erzählt: „Mein Sohn hat ADHS. Er ist 17 Jahre alt und wohnt nicht mehr zuhause. Es soll jetzt in einer betreuten Wohngemeinschaft mit Unterstützung des Jugendamtes leben. Ich habe Angst, dass mein Sohn „verkommt“.
  • Wenn mein Mann seine Schübe bekommt belastet mich das sehr.
  • Es besteht Unsicherheit im Umgang mit der/dem Erkranktem.
  • Als Angehörige/r muss man oftmals alles alleine machen, denn der/die Betroffenen fällt ja krankheitsbedingt aus (im Haushalt, im Haus, beruflich).
  • Es gibt zu wenig Information für Angehörige, z. B. über die Erkrankung.
  • Es muss eine Auseinandersetzung mit der medizinischen Fachsprache stattfinden.
  • Angehörige fühlen sich hilflos.
  • Angehörige vergessen sich selbst.
  • Angehörige reagieren mit Rückzug.
  • Die Angehörigen finden wenig Anerkennung.
  • Es ist schwer loszulassen (schlechtes Gewissen).
  • Manchmal könnte ein humorvoller Umgang hilfreich sein.
  • Medikamente verändern den/die Betroffene/n.
  • Angehörige stehen ständig unter Druck, helfen zu müssen.
  • Es ist schwer Gefühl und Verstand in Einklang zu bringen.
  • Angehörige werden zu Kontrolleuren über die Medikamenteneinnahme gemacht.
  • Die Traurigkeit über die Erkrankung ist belastend.
  • Das Verhalten von Erkrankten ist (oft) nicht berechenbar.
  • Die gesamte Familie wird durch die Erkrankung stigmatisiert.
  • Sozial Kontakte gehen verloren.
  • Es besteht die Angst, dass Erkrankte früh versterben.
  • Im akuten Schub erfolgt im Zusammenleben eine Übernahme der Verantwortung für den/die Erkrankte/n, die dann (später) wieder abgegeben wird.
  • Es verändern sich durch die Erkrankung oftmals die Rollen in der Familie, z. B. dass minderjährige Kinder für ihre erkrankten Eltern sorgen. Dadurch entstehen Brüche in der Beziehung der Familienangehörigen.
  • Angehörige haben Angst, nicht mehr allem gerecht werden zu können.
  • Bei einer zusätzlichen Erkrankung nimmt die Belastung zu, z. B. wenn die Eltern krank werden (Schlaganfall).
  • Es entstehen Schuldzuweisungen.
  • Angehörige brauchen viel Geduld.
  • Die Erkrankungen und Handlungen der Betroffenen sind individuell; ebenso die Unterstützungen.
  • Wichtig ist gegenüber der/dem Erkrankten authentisch zu sein.
  • Die Erkrankung gehört zum Leben des Angehörigen wie zum Leben des Betroffenen.
  • Es können auch positive Entwicklungen stattfinden.

Herr Keutgen von der Selbsthilfegruppe erklärt:

Zunächst findet eine emotionale Auseinandersetzung mit der Erkrankung des Angehörigen statt. Der „Verstand“ greift in diesem Moment nicht. Es müssen viele Fragen Klärung finden. Alles ist unbekannt. Erst seit dem die erkrankte Angehörige auf sich alleine gestellt ist, setzte sie sich mit der Erkrankung auseinander. Jetzt ist sie auf einem guten Weg. Ein offener Umgang mit der Erkrankung ist wichtig, auch wenn dann (viele) Freundschaften nicht standhalten. Es finden sich auch neue Beziehungen.

Eine Angehörige ergänzt, ihre Tochter hat mit 15 Jahren begonnen, Drogen zu nehmen. Sie hat ihr dann verdeutlicht, dass sie erst Unterstützung bekommen kann, wenn sie bereit ist einen Entzug zu machen.

Eine Angehörige berichtet:

Man wächst in die Situation hinein. Gut wäre zu wissen, wo Angehörige konkret nachfragen können, wie sie mit der Erkrankung umgehen können. Ein Training für Angehörige wäre gut.

Nach der Pause wird die Frage diskutiert:

„Worauf müssen Angehörige achten, um gesund zu bleiben. Was können Betroffene, Profis wie z. B. Ärzte, Berater, und Angehörige dazu beitragen?“

Herr Keutgen, der die Selbsthilfegruppe für Angehörige psychisch Erkrankter seit acht Jahren leitet, gibt an, dass es sehr wichtig ist, miteinander zu reden. Dies führt zur Entlastung. Auch können in der Selbsthilfegruppe Erfahrungen ausgetauscht werden. Hilfreich ist, den Kontakt zum behandelnden Arzt der/des Angehörigen zu bekommen

Manchmal ist es für Angehörige auch notwendig selber eine Therapie zu machen und/oder eine Reha- Kurmaßnahme.

Einen Königsweg gibt es nicht.

Die Selbsthilfegruppe für Angehörige psychisch Erkrankter trifft sich regelmäßig einmal im Monat, jeden 4ten Donnerstag um 18.30 Uhr in den Räumen der Selbsthilfe Kontaktstelle, Paradiesbenden 24 in Düren.

Weitere Aspekte, was für Angehörige wichtig ist um gesund zu bleiben sind:

  • Freiräume schaffen
  • Hobbys suchen
  • Loslassen
  • Vertrauen können
  • Balance zwischen Nähe und Distanz finden
  • Weniger Druck auf den Kranken ausüben
  • „Nutzen“ der Erkrankung sehen
  • Humor zulassen

Frau Dangel von der Kontakt- und Beratungsstelle der Kette e. V. stellt Hilfsangebot für Angehörige vor, die auch als Informationsmaterial ausgelegt sind. Es kommt die Frage auf, ob Angehörige einen Flyer mit allen wichtigen Kontakten benötigen bzw. ob es eine Information für Angehörige seitens der LVR Klinik gibt. Herr Caspers – Kiock erklärt, dass Angehörigen keine schriftliche Information ausgehändigt wird, sie werden auf die Möglichkeit eines Beratungsgesprächs in der Kette e. V. aufmerksam gemacht. Eine Angehörige berichtet, dass es ihr geholfen habe, dass in der Aufnahmestation der LVR Klinik Aushänge zum Psychoseseminar zu finden waren.

Das Erstellen einer schriftlichen Information für Angehörige wird von den Seminarteilnehmern als sinnvoll angesehen.

Abschlussrunde – ein Stein wird in die Runde gegeben: Was hat Ihnen diese Veranstaltung gebracht? (Was nehmen Sie mit? Was lassen Sie hier?) Verabschiedung und Bedanken bei den Gästen.

In der Abschlussrunde wird noch einmal verdeutlicht, wie wichtig die Selbsthilfe ist und dass ein Faltblatt für Angehörige eine hilfreiche Unterstützung darstellen könnte. Auch das Interesse an Fortbildungen für Angehörige wird bekundet.

Literatur / Infomaterial:

Raum 4070, Psychosen verstehen, DVD

Psychosen aus dem Schizophrenen Formenkreis Josef Bäuml, Springer Verlag ISBN 3-540-57916-8

Schluss mit dem Eiertanz Paul T. Mason, Randi Kreger Ein Ratgeber für Angehörige von Menschen mit Borderline Psychiatrie Verlag ISBN 3-867-39005-3

Freispruch der Familie Klaus Dörner, Albrecht Egetmeyer, Konstanze Könning Wie Angehörige psychiatrischer Patienten sich in Gruppen von Not und Einsamkeit, Schuld und Last frei – sprechen. Psychiatrie – Verlag ISBN 3-884-14168-6

Irre Menschlich Verständnis und Behandlung von Psychosen Vertrieb u. a. Irre Menschlich Hamburg e. V. info (at )irremenschlich.de www.irremeschlich.de Tel.: 040 / 42803-9259 Schutzgebühr

Weiterhin wurde ausgelegt:

  • Betreuungsstelle der Stadt Düren

Hilfe für Erwachsene nach dem Betreuungsgesetz Tel.: 02421 / 251319, Herr Isbanner und 251314 Frau Steffens – Overhoff

  • Integrationsfachdienst, Pletzerturm 1, 52349 Düren

Für Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben Tel.: 02421 / 20306-0 info (at) ifd-dueren.de www.ifd-dueren.de

  • Sozialpsychiatrischer Dienst, Kreis Düren, Gesundheitsamt

Bismarkstr. 16, 52351 Düren Kostenlose Beratung auch für Angehörige psychisch Erkrankter. Tel.: 02421 / 22 – 2210, 22 – 2209, 22 – 2204

  • Flyer Selbsthilfegruppe für Angehörige psychisch Erkrankter
  • Behandlungsvereinbarung aus:

www.lv-nrw-apk.de

  • Psychoseseminar / Protokolle, zu finden unter:

www.psychose-seminar.info. Die Protokolle liegen auch im offenen Treff der Kontakt- und Beratungsstelle der Kette e. V. aus.

  • Psychoedukation auch für Angehörige,

im Alexianer Aachen zu fidnen unter: www.alexianer-aachen.de

  • Ansprechpartner LVR und Kreis Düren

Zu finden unter: www.lvr.de

  • Rat und Tat e. V. Köln

Hilfsgemeinschaft von Angehörigen von psychisch Kranken u.a. Freizeitangebote für Angehörige und Gäste Zu finden unter: www.rat-und-tat-koeln.de

  • Selbsthilfeverzeichnis

zu bekommen in der Selbsthilfekontaktstelle Düren

Menschen, die mit folgenden Diagnosen leben müssen: Schizophrenie, Paranoia, Borderline, Bipolare Störung, Depression u. ä. mit psychotischen Symptomen tauschen sich mit Angehörigen, Interessierten und in der Psychiatrie Tätigen aus.