Welche Hilfen gibt es für die Angehörigen von psychisch erkrankten Menschen?

Protokoll des Psychoseseminars vom 17.11.2010 von 19.00 – 20.45 Uhr

Moderation und Protokoll: Fr. Kinzel

Zunächst erfolgt die Begrüßung des Auditoriums und der Gäste: Frau Dr. Kördel (Rheinische Kliniken, Düren), Frau Matzanke (Selbsthilfegruppe „Angehörige psychisch Kranker“)

1. Um zu erfahren, wo Angehörige von psychisch erkrankten Menschen Hilfe bekommen können, wurde zunächst in die Runde gefragt, welche Erfahrungen es gibt, für die anwesenden:

1.a. Angehörigen: Wo haben Sie Hilfe erfahren? 1.b. Betroffenen: Wo haben ihre Angehörigen Hilfe bekommen? 1.c. Gäste/Professionelle: Welche Hilfen bieten Sie an bzw. welche Hilfen empfehlen sie?

mit der Bitte entsprechende Begriffe auf Karten zu schreiben, die dann als Diskussionsgrundlage dienten:

Folgende Begriffe/Erfahrungen/mögliche Hilfen für Angehörige wurden benannt:

  • Gruppen bzw. Paartherapie, (Angehörige mit in Sitzungen einbeziehen)
  • Psychoseseminar
  • Atemtherapie
  • Selbsthilfe-Kontaktstelle
  • Selbsthilfegruppen
  • darüber sprechen
  • Literatur/Internet (wurde gehäuft genannt)
  • Seminare
  • Austausch mit weiteren Angehörigen oder mit weiteren Patienten
  • Gespräch mit „Behandler“, Arzt, in der Klinik (wurde gehäuft genannt)
  • Lernen zu verstehen
  • Verständnis der Krankheit
  • Hilfen???
  • Hilflosigkeit (wurde sehr häufig benannt)

2. In der nachfolgenden Diskussion wurden verschiedene der genannten Aspekte noch vertieft bzw. weitere benannt:

Die Hilflosigkeit wurde noch einmal dahingehend diskutiert, dass sie massiver ist, als dies der Fall ist, wenn ein Angehöriger körperlich erkrankt ist, weil das Verständnis für psychische Erkrankungen immer noch geringer sei.

Außerdem wurde diskutiert, dass es sehr belastend für Angehörige ist, wenn der Betroffene in die Klinik kommt (gerade, wenn es der erste Klinikaufenthalt ist) und sie gar nicht wissen, wo sie selbst Hilfe finden können oder auch Hemmungen haben, dies zu tun, weil erst einmal die Hilfe für den Betroffenen im Vordergrund steht.

Es wird berichtet, dass es zusätzlich zur eigenen Situation als Angehörige belastet, dass entfernte Verwandte und Bekannte, Berührungsängste mit der Erkrankung haben und den Betroffenen nicht in der Klinik besuchen, wie in ihrem Fall ihre Schwester den Neffen nie besuchte.

Krankheitsverständnis bzgl. dem Angehörigen besteht nach Schilderung einer Teilnehmerin eher, wenn jemand depressiv erkrankt ist, als wenn eine Psychose vorliegt.

Es wird benannt, dass Selbsthilfegruppen für Angehörige oftmals nur kurzfristig besucht oder unterstützt werden; es wäre nach Aussage einer Teilnehmerin wichtig, dass das eigene Erleben und der Umgang mit der Erkrankung längerfristig an andere betroffene Angehörige weiter gegeben würde.

Es wird diskutiert, dass es schwieriger für einen psychisch kranken Menschen ist, als für einen Menschen, der eine körperliche Erkrankung hat, eine Schwerbehinderung anerkannt zu bekommen, was wiederum für alle Angehörigen eine zusätzlich Belastung ist.

Eine Angehörige merkt an, dass die Betroffenen immer mehr Raum einnehmen, als die Angehörigen und dass ihr das selbst in diesem Seminar so vorkommt.

Es wird benannt, dass man als Angehöriger in der Psychiatrie auch positive Erfahrungen machen kann, dort sei alles offener und es gäbe keine Fassaden.

Es wird die Idee benannt, dass es für Angehörige hilfreich sein könnte, wenn auf den Stationen der Klinik z.B. 1 x pro Woche statt der Kaffeerunde für Patienten eine Runde zum Austausch nur für die Angehörigen stattfinden würde.

Es wird gewünscht, dass es mehr Antistigmatisierungskampagnen gibt, damit mit der Erkrankung von Seiten der Betroffenen und der Angehörigen besser umgegangen werden kann.

Es wird auch gewünscht, dass es in der Klinik mehr Einzelkontakte mit Angehörigen gibt und dass Ärzte den Angehörigen z.B. Flyer mitgeben, wo sie sich Hilfe suchen können.

Es wird mehr präventive Aufklärung, sowohl für Betroffene als auch für Angehörige gewünscht.

Ein Teilnehmer berichtet, dass er und seine Frau Hilfe bekommen hätten bei Ihrer Krankenkasse (in diesem Fall die AOK, Jülich), dort gäbe es speziell einen Ansprechpartner bzgl. Hilfen für Betroffene und Angehörige bei psychischen Erkrankungen).

Es wird speziell von einer Teilnehmerin nach Hilfen für ihre 13-jährige Tochter als Angehörige erfragt (siehe unten Teil 3 und Literaturhinweise).

3. Im folgenden Teil des Seminars wurden verschiedene Hilfen für Angehörige vorgestellt, an der Flip-Chart gesammelt und entsprechende Flyer dazu verteilt:

  • Selbsthilfegruppen: Hierzu stellt Frau Matzanke von der Selbsthilfegruppe „Angehörige psychisch Kranker“ diese vor. Sie findet monatlich statt. Nähere Informationen hierzu kann man telefonisch bei H. Keutgen (Tel. 02421-52384) oder Frau Matzanke (Tel. 02429-3633) erhalten.
  • Im Internet: z.B. unter: www.psychoseseminar.info
  • Institutionen: z.B. bei der Kontakt- und Beratungsstelle der Kette e.V. (Tel. 02421-14731 Frau Dangel oder Frau Kinzel)

oder/und

Gesundheitsamt des Kreises Düren

Sozialpsychiatrischer Dienst

Bismarckstr. 16 Zimmer 29-33 A

Telef. 02421-22-0 Sozialpsychiatrischer Dienst erfragen

Oder Sekretariat Telef. 02421- 22-2210

22-2209

22-2204

  • Ambulanz der Rheinischen Kliniken Düren, Sozialdienst (wenn der Betroffene an die Ambulanz angebunden ist) – offene Sprechstunde (ohne Voranmeldung): jeden Donnerstag von 9-11 Uhr (für Betroffene und Angehörige – außerdem gibt es auch die Möglichkeit Termine speziell für Kinder psychisch kranker Eltern zu vereinbaren – Familiengespräche, Psychoedukation für Kinder)
  • Rheinische Kliniken Düren (wenn sich der Angehörige in der Klinik befindet): Arztgespräch für Angehörige erfragen lt. Fr. Dr. Kördel
  • Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie des St. Marien-Hospitals Düren gGmbH – hier gibt es Gruppenangebote für Kinder (ab ca. 8 Jahre) von psychisch kranken Eltern (Infos unter: Telef. 02421-805-0 Frau Wühl (Dipl.Psych.) oder Herr Dr. Müller, Bodo (Chefarzt) oder unter www.marien-hospital-dueren.de)
  • Angebot für Kinder – und Jugendliche in Aachen: „AKISIA – Auch Kinder sind Angehörige“ (Infos unter Telef. 02421/94994-0 oder vera.magolei@kinderschutzbund-aachen.de – Ansprechpartner: Vera Magolei)

Abschlussrunde – ein Stein wird in die Runde gegeben: Was hat Ihnen diese Veranstaltung gebracht? (Was nehmen Sie mit? Was lassen Sie hier?) Verabschiedung und Bedanken bei den Gästen.

Literaturhinweise:

Bäuml, Josef: „Psychosen aus dem Schizophrenen Formenkreis – Ein Ratgeber für Patienten und Angehörige“, Springer-Verlag, 1994

Dörner, K., Egetmeyer, A., Koenning, K. (Hg.): “Freispruch der Familie – Wie Angehörige psychiatrischer Patienten sich in Grupen von Not und Einsamkeit , von Schuld und Last frei – sprechen“, Psychiatrie-Verlag, 1997

Homeier, Schirin: „Sonnige Traurigtage“ – Illustriertes Kinderfachbuch für Kinder psychisch kranker Eltern und deren Bezugspersonen, Mabuse-Verlag, 2006

Jungbauer, Johannes (Hrsg.:): „Familien mit einem psychisch kranken Elternteil“, Budrich-Verlag, 2010

Menschen, die mit folgenden Diagnosen leben müssen: Schizophrenie, Paranoia, Borderline, Bipolare Störung, Depression u. ä. mit psychotischen Symptomen tauschen sich mit Angehörigen, Interessierten und in der Psychiatrie Tätigen aus.