Was ist Psychose?- Erkennung und Frühwarnsymptome

Protokoll des Psychoseseminars vom 21.09 2011 von 19.00 – 20:45 Uhr

Moderation und Protokoll: Frau Kinzel

Zunächst erfolgt die Begrüßung des Auditoriums und des Gastes, Fr. Dr. Kördel (LVR-Klinik Düren)

1. Zum Einstieg in das Thema wird in die Runde gefragt, was für die Teilnehmer Psychose bedeutet, wie sie diese erklären würden:

  • psychische Erkrankung
  • Stimmen hören
  • sich bedroht fühlen – bis hin zum Verfolgungswahn
  • Gereiztheit
  • Aus Sicht einer Angehörigen wird benannt, dass Psychose lästig sei, Arbeit bedeute, es unwahrscheinlich anstrengend für die Angehörigen sei
  • Antriebslos sein
  • Rückzug
  • „Immer an einem Thema hängen bleiben“ – das Thema, was denjenigen im Wahn beschäftigt
  • Nicht mehr reden wollen
  • „Realitätsrisse“ / Realitätsverlust
  • Bestimmte Gruppe von seelischen Erkrankungen
  • „Man muss ins Krankenhaus – kann nicht mehr alleine sein“, meint ein Teilnehmer
  • Hierauf gibt es das Gegenargument eines anderen Teilnehmers, dass Menschen, die es gewöhnt sind, Stimmen zu hören dies aushalten und auch häufig gar nicht ins Krankenhaus möchten
  • Es folgt eine weitere Diskussion darüber, ob Suizidgedanken aus einer „Eingebung“ (befehlende Stimmen) kommen und somit Teil der Erkrankung seien
  • Des weiteren wird eine Störung der „Ich-Grenze“ benannt (z.B. meinen manche Menschen in der Psychose, das was im Radio gesagt wird, sei auf sie bezogen)

Zusammenfassend kann eine Psychose als Realitätsverlust unterschiedicher Stärke und Ausformung bezeichnet werden

1 a.) Bei welchen Krankheitsbildern kommen psychotische Symptome vor?

Schizophrenie

Bestimmte Kriterien müssen lt. Fr. Dr. Kördel erfüllt sein: z.B. Wahnwahrnehmungen, Stimmen hören (dialogische oder Befehle erteilende), das Denken ist zerfahren, nicht mehr geordnet

Ein Teilnehmer bringt den Begriff der „Bewusstseinsspaltung“ ein – lt. Fr. Dr. Kördel spricht man heute eher von einem Realitätsverlust, der mindestens 2 Wochen anhält

Hier wird von einem Teilnehmer nach Paranoia gefragt:

Lt. Fr. Dr. Kördel ist zu unterscheiden zwischen:

Paranoider Schizophrenie (einer Unterform der Schizophrenie) und

Paranoia (Ebenfalls eine psychotische Störung, die aber die Kriterien der Schizophrenie nicht erfüllt)

Depression (mit psychotischen Symptomen)

Diese spezielle Form der Depression geht mit psychotischen Symptomen einher. Lt. Fr. Dr. Kördel kann dies z.B. an einem Verarmungswahn deutlich werden.

Ein Teilnehmer berichtet, dass er lange Zeit dachte, dass er Depressionen habe – bis er die Diagnose erhielt:

Bipolare Affektive Störung

Bei dieser Erkrankung gibt es einen Wechsel von Depression und Manie

Manie (mit psychotischen Symptomen)

Extrem gehobene Stimmung, Selbstüberschätzung (so berichtet ein Teilnehmer gemeint zu haben, ganz viele Dinge auf einmal machen zu können)

Größenideen, die in Wahn münden können

Schizoaffektive Störung

Deutlich depressive oder manische Symptome treten zeitgleich mit schizophrenen Symptomen auf.

Borderline Persönlichkeitsstörung (mit kurzen psychotischen Phasen)

Im Rahmen dieser Erkrankung können lt. Fr. Dr. Kördel eher selten kurze Psychosen auftreten (sogenannte Mikropsychosen).Ein Betroffener berichtet, dass einer seiner Arbeitskollegen dies manchmal für wenige Sekunden habe und sich später an nichts mehr erinnere – lt. Fr. Dr. Kördel kann dies auch schon mal mehrere Tage andauern, jedoch keine 2 Wochen.

Des Weiteren werden noch benannt:

Drogeninduzierte Psychose:

Drogenkonsum (z.B. Cannabis) hat lt. Fr. Dr. Kördel einen hohen Risikofaktor, allerdings kommen weitere Faktoren hinzu, wie beispielsweise Vulnerabilität / genetische Veranlagung, Lebenskrisen, Stress etc.

Organische Erkrankung:

Beispielsweise bei einer Hirnerkrankung / Tumor können psychotische Symptome entstehen

Demenz

Alkoholdelir oder bei Alkoholentzug

Von einem Teilnehmer wird nachgefragt, woher der Begriff Psychose stammt:


Der Begriff wurde 1845 von Ernst von Feuchtersleben erstmals verwendet. Das Wort Psychose kam ins Deutsche nach Art französischer Fachwörter mit französischer Endung vom griechischen ψύχωσις, psýchōsis, ursprünglich „Beseeltheit“, von ψυχή, psyché, „Seele“, „Geist“ und Endung -οσις, -osis, „[krankhafter] Zustand“; jeweils altgriechische Aussprache. Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Psychose


2. Verlauf von Psychosen

Der Verlauf von Psychosen ist sehr unterschiedlich:

  • einmalige Psychose
  • mehrmalige psychotische Schübe im Laufe des Lebens
  • Chronifizierung

Ein Teilnehmer berichtet, dass er schon mehrmals eine Psychose gehabt habe, die Abstände dazwischen aber immer größer werden. Lt. Fr. Dr. Kördel hängt dies vom Umgang mit der Erkrankung ab, der sehr wichtig sei und benennt:

  • Stressvermeidung
  • Medikamentöse Einstellung
  • Selbsthilfegruppen
  • Austausch/Information wie bspw. Psychoseseminar
  • Ein Betroffener ergänzt: kleine Schritte/Geduld,
  • Hilfe bei Psychologen/Psychotherapeuten suchen

Im Zusammenhang mit dem Umgang mit der Erkrankung ist es ganz wesentlich, auf Frühwarnsymptome zu achten.

Klassische Frühwarnsymptome:

  • Schlafstörungen (z.B. 2 Nächte nicht schlafen können)
  • Konzentrationsschwäche
  • Denkstörungen (z.B. sprunghaftes Denken)
  • Rückzug (v.a. auch bei Depression)
  • Antriebslosigkeit (bei Manie nicht)
  • Totale Interessenslosigkeit (v.a. bei Depression, aber auch bei Schizophrenie)

Es gibt noch eine Diskussion / Beiträge dazu, dass Frühwarnsymptome sehr individuell sein können. Aus Sicht einer Angehörigen war es für sie ein Warnzeichen, wenn der Partner nicht mehr rauchte, kein Bier mehr trank, besonders „lieb“ war, und damit dem Verfolgungswahn ausweichen wollte.

Im Plenum wird versucht, die Symptome den zuvor unter 1. genannten Krankheitsbildern, bei denen Psychosen vorkommen zuzuordnen.

Versuch einer Zuordnung von Frühwarnsymptomen bei folgenden Krankheitsbildern:

Schizophrenie:

  • Schlafstörungen
  • Konzentrationsstörungen
  • Subjektiv schnelleres Denken
  • Gereizte/gehobene Stimmung
  • Wahrnehmungsstörungen
  • Verstummen (Misstrauen) oder Rededrang
  • Ichbezogenheit
  • Fremdheitsgefühl
  • Gedankenrisse / Assoziationsketten
  • Gesprochene Wörter verdrehen

Depression (mit psychotischen Symptomen):

  • Schlafstörungen
  • Konzentrationsstörungen
  • Gleichgültigkeit
  • Interessenlosigkeit
  • Vermehrte Ängstlichkeit
  • Sprachlosigkeit (keine Lust zu reden)
  • Rückzug
  • Fremdheitsgefühl der Umgebung gegenüber

Manie (mit psychotischen Symptomen):

  • Schlafstörungen (wenig Schlaf)
  • Konzentrationsstörungen
  • Gereizte Stimmung / extrem gehobene Stimmung
  • Rededrang

Bipolare affektive Störung:

  • siehe Depression und Manie

Schizoaffektive Störung:

  • siehe Schizophrenie in Kombination mit Depression oder Manie

Borderline Persönlichkeitsstörung (mit kurzen psychotischen Phasen):

  • Schlafstörungen
  • Konzentratiosstörungen

Abschlussrunde – ein Stein wird in die Runde gegeben: Was hat Ihnen diese Veranstaltung gebracht? (Was nehmen Sie mit? Was lassen Sie hier?) Verabschiedung und Bedanken bei den Gästen.

Menschen, die mit folgenden Diagnosen leben müssen: Schizophrenie, Paranoia, Borderline, Bipolare Störung, Depression u. ä. mit psychotischen Symptomen tauschen sich mit Angehörigen, Interessierten und in der Psychiatrie Tätigen aus.