Was ist eine Psychose? Welche unterschiedlichen Erscheinungsformen gibt es?

Protokoll des Psychoseseminars vom 18.09.19

Anwesend: ca. 16 Personen, darunter Frau Schulz (Dipl. Psychologin)
Moderation: Herr Schmidt, Frau Schulz
Protokoll: Frau Elsässer

Vorstellung des Psychoseseminars

Teil 1: Frage wird in den Raum gestellt:


Welche Erscheinungsformen von Psychosen kennen Sie? Wie sehen Ihre Erfahrungen aus?

Ein Teilnehmer berichtet, der selbst nicht erkrankt ist, dass das Verliebtsein eine Art Psychose ist: Sie ist zum einen zeitlich begrenzt und zum anderen realitätsfern sprich man sieht alles durch eine rosarote Brille. Es werden Energien frei, zum Beispiel mit dem Rauchen aufzuhören. Plussymptomatik nennt man, wenn zum normalen Erleben etwas dazukommt wie zum Beispiel:
Verkennung der Realität, Halluzinationen, Wahnsysteme. Minussymptomatik bedeutet, dass Eigenschaften wegbrechen, die man vorher hatte wie zum Beispiel, wenn man Antrieb verliert oder apathisch wirkt, was nicht gleichzeitig bedeutet, dass man keine Gefühle hinter der Fassade hat.

Eine Betroffene berichtet, dass Sie keinen „Filter“ mehr in der Wahrnehmung hatte. Die Erfahrungen und Ängste, die sie nachher therapeutisch aufgearbeitet hat, haben viel mit ihr selber zu tun. Sie ist seit Jahren symptomfrei und führt das darauf zurück, dass sie gut auf sich aufpasst.

Eine Psychose wird mit einem Traum verglichen, aus dem man nicht richtig wach wird.

Die klassische Psychose gibt es nicht. Eine Frau berichtet von mangelnder Aufklärung seitens des Neurologen über die Wirkung der Antidepressiva. So geschah es, dass sie nach wenigen Wochen zwar Antrieb hatte, aber einen „schlechten“ Antrieb, Suizidgedanken, die sehr massiv waren.

Die Kommunikation zwischen sogenannten Normalen und psychotischen Menschen ändert sich: „Ich habe den Schlüssel verloren“ Antwort: „Ich war früher auch Schlüsselkind“.

Frau Schulz berichtet von einer möglichen Wirkungsweise von Medikation inder Akutphase einer Schizophrenie, Neuroleptika:

  1. Phase: Minussymptomatik, Antriebsschwäche, Apathie.
  2. Phase: Antrieb kommt langsam zurück.
  3. Phase: Einsicht in die Krankheit

Das soll aber nicht heißen, dass jeder so reagiert. Eine Genesung kann sehr lange dauern. Mitunter kann die Krankheit chronisch werden. Zum Beispiel wenn der Drogendealer als seriös und der Arzt als unseriös angesehen wird.

Das Verhältnis zwischen Arzt und Patient sollte vertrauensvoll sein im Idealfall. Doch wie oft gibt es Menschen, die eine Behandlung mit Medikamenten ablehnen und einige dieser Menschen landen in der Obdachlosigkeit, weil sie in unserem System nicht „funktionieren“.

Ein Besucher berichtet von einer Mieterin, die vermutlich eine Psychose hat und für Chaos im Mietshaus sorgt mit Ruhestörung, zotigen Bemerkungen und Unterstellungen. Was kann man dagegen tun? Ein weiterer Besucher sagt, dass die Polizei und das Ordnungsamt oft überfordert sind. Im Ernstfall sollte man die 112 wählen. Ansonsten ist das Gesundheitsamt in Düren geeignet. Frau Dr. Kraus macht Besuche und spricht mit der Mieterin, ob sie Hilfe anehmen will oder kann. Wichtig wäre auch ein Protokoll zu führen über die Vorfälle. Falls ein juristischer Weg erforderlich ist. Dieser kann mitunter lange dauern.

Es ist so, dass man in Deutschland nicht so schnell zwangseingewiesen wird. Es wird stark geprüft, ob Eigen- und Fremdgefährdung vorliegt.

Frau Schulz erzählt, dass jeder Mensch ein unterschiedliches Maß an Stress ertragen kann. Eine mögliche Reaktion auf Stress kann eine Psychose sein.

Es wird auch von Teilnehmern erzählt, dass genetische Faktoren und kranke Familiensysteme, „die Schizophrene Familie“, eine Erkrankung befördern kann.

Kommt eine Psychose schleichend oder plötzlich? Das ist von Fall zu Fall verschieden. Es wird darüber disktutiert, wie es gelingen kann, den Stresspegel zu reduzieren.

Pause

Anknüpfen an das Thema Stress:
Auch das ist individuell. Der eine macht sich dem Ärger Luft an der Supermarktkasse, der andere kann sich selbst regulieren und beruhigen. Was besser und gesünder ist, konnte nicht abschließend geklärt werden.

Ein Tipp lautet: Nicht allen Stress wegnehmen, sondern auch positiven Stress zulassen wie zum Beispiel Musizieren oder Sport, der zu guten Gefühlen führt.

Es hilft auch, wenn den Erkrankten auf Augenhöhe begegnet wird. Dies erfordert jedoch eine starke Persönlichkeit des Behandlers, damit es nicht zu Distanzlosigkeit ausartet und auch der Gesundheit des Therapeuten schadet. Am besten wäre es nach Meinung eines Therapeuten, wenn der Betroffene die Behandlung fast nicht merkt.

Erziehen sollte man Kinder und nicht Erwachsene.

Man kann lernen, was einem gut tut zu tun und das andere zu unterlassen.

Der Begriff: „Toxische Themen“ wurde gebraucht. Das sind angstbesetzte Themen, die einem Krankheitsausbruch förderlich sind. Zum Beispiel Verschwörungstheorien.

Im Gegensatz dazu können „Trigger“, die eine Krankheit auslösen simple Gerüche, Geräusche oder Anspielungen sein.

In der heutigen Gesellschaft ist es immer wichtiger, die Quellen der Journalisten zu prüfen, da die Qualität der Information immer weiter abnimmt. Besonders, was das Internet betrifft.

Derjenige Mensch, der gefährdet ist, an einer Psychose zu erkranken, sollte gesunde Themen suchen, Sport treiben und „normale“ Leute aufsuchen.

In Anbetracht der Zeit, wurde die Diskussion hier beendet.

Ein Steinengel wird in die Runde gegeben mit der Frage:
Wie hat Ihnen die Veranstaltung gefallen? Was nehmen Sie mit? Was lassen Sie hier?

Menschen, die mit folgenden Diagnosen leben müssen: Schizophrenie, Paranoia, Borderline, Bipolare Störung, Depression u. ä. mit psychotischen Symptomen tauschen sich mit Angehörigen, Interessierten und in der Psychiatrie Tätigen aus.