Was ist eine Psychose – Informationsaustausch zwischen Erfahrenen, Angehörigen und psychiatrisch Tätigen

Protokoll des Psychoseseminars vom 19.09.2007 von 19.00 – 21.00 Uhr

Zunächst erfolgt die Begrüßung des Auditoriums. Es ist Frau Doktor Souvignier zugegen. Sie arbeitet auf Station 1b der RKD.

Vorstellung des Psychoseseminars und der Person der Moderator

1. Warm up: Kleines Impulsreferat: „Was ist das Psychoseseminar?

(im Anhang wieder zu finden; dazu die Erklärung am Schaubild siehe „Materialien der Vor-bereitungsgruppe“ am Flip-Chart).

2. Kartenabfrage: „Was ist für Sie eine Psychose?“

Jede Interessengruppe soll ihren Buchstaben auf der Karte vermerken (A= Angehörige, E = Erfahrene/r, P = psychiatrisch Tätige) und das aufschreiben was dazu einfällt.

3 Tische mit 3 Buchstaben werden vorbereitet auf denen nach dem Ausfüllen die Karten zugeordnet werden. Danach werden die BesucherInnen dazu eingeladen, aufzustehen und die Karten auf den Tischen zu lesen.

Arbeitsergebnisse Angehörige

  • Eine seelische Erkrankung
  • Wahnvorstellungen
  • Sinnestäuschungen
  • Stimmen hören
  • Aggressivität
  • Tobanfälle
  • Verrückt spielen
  • Psychosen sind Träume, bei denen der Erfahrene nicht merkt, dass er im Wachen träumt.
  • Er/Sie hat evtl. Halluzinationen.
  • Ist eine Krankheit, „Fehlschaltung im Gehirn“
  • Die Folgen dieser Krankheit sind z. B. ein psychisch diffuses Verhalten, Zwänge, Angstzustände, depressive Stimmungen und im besonders schlimmen Falle schizophrene Wahnvorstellungen bis hin zu Suizidversuchen
  • Erfahrungen mit einem an Psychose erkrankten Angehörigen:
    • anfangs Ratlosigkeit und Sorge
    • lernen sich ein zu denken und Wege zu suchen, das Richtige zu tun (Gespräch m Profis)
    • Erkenntnis und Wunsch, dem Angehörigen soviel wie möglich Hilfe zu sein und zu ihm zu stehen.
    • Wunsch, dass die Umwelt diese Krankheit kennen lernt.
  • Eine Psychose ist ein Wegtreten aus der Wirklichkeit. Es ist manchmal schwer an einen Kranken heran zu kommen. Die Kranken haben oft eine eigene Gedankenwelt.
  • Es ist eine Stoffwechselkrankheit.
  • Psychosen sind lästig
  • Die Realität verschwimmt
  • Der Erfahrene glaubt im Schub an Sachen, die es nicht gibt

Arbeitsergebnisse Profis

  • Eine körperliche Erkrankung
  • Verwirrte Persönlichkeit, die nicht mehr persönlich und zeitlich orientiert ist
  • Konzentration auf Zusammenhänge ist nicht mehr da
  • Nicht mehr schlafen können
  • Phantasien über Beziehungen z. B. alle können die Gedanken lesen.
  • Aggressionen
  • Ängste, Depressionen, Ausweglosigkeit
  • Weniger Krankheitseinsicht, viel Geld ausgeben
  • Schwankende Gefühle
  • Die Wahrnehmung einer Realität, die ausschließlich dem Betroffenen zugänglich ist,
  • Z. B. das Hören einer Stimme, die zu dem, der Betroffenen spricht
  • Z. B. das Gefühl, von „fremden Mächten“ verfolgt oder/ und beobachtet zu werden.
  • Z. B. das Sehen von Dingen, die außer dem (der Betroffenen keiner sieht)
  • Eine Stoffwechselstörung im Gehirn („kaputter Filter“)
  • Vielfalt von Erscheinungsformen mit einer Ursache
  • Mit weitreichenden Folgen für Betroffene und ihr Umfeld (Familie, Freunde, Arbeit) verbunden.
  • In der Häufigkeit und Stärke des Auftretens durch Betroffene zu beeinflussen.

Arbeitsergebnisse der Erfahrenen

  • Angstpsychose
  • Wohnpsychose
  • Halluzinogene Psychosen
  • Drogeninduzierte Psychose
  • Bakterielle Infektion
  • Psychose ist ein Realitätsverlust, in dem die erkrankte Wirklichkeit nicht mit der der Allgemeinheit übereinstimmt.
  • Psychose ist eine psychische Störung. Sie kann geheilt werden. Oft mit Hilfe von Medikamenten. Psychosen können u. a. durch Alkohol- und Drogenmissbrauch ausgelöst werden.
  • Wahnvorstellungen
  • Halluzinationen
  • Ängste
  • „Ver- rückte“ gedankliche Welt. Die Folgen davon sind gesellschaftlicher Ausschluss, gesellschaftliches Abseits, Existenzängste, Depressionen.
  • Psychose ist eine Stoffwechselerkrankung im Hirn, wo ein Überschuss des Botenträgers Dopamin vorhanden ist. Das Dopamin sorgt für Überreaktionen im Zusammenleben. Man wirkt gereizter, unkonzentrierter, zeitweise geistig abwesend.
  • Extrem unterschiedliche Perspektive von der Beurteilung eines eventuellen Krank-heitsbildes eines Menschen in einer Krise mit sehr starren Positionsverteilungen (Arzt – Gesundheit – Kranker)
  • Sehr autoritäres Positionsschema
  • Realitätsverkehrung in meinem Fall
  • Ich habe eine manische –depressive Psychose. Unter Manie verstehe ich, dass es mir immer sehr gut geht. Ich fühle mich sehr gut und gebe zuviel Geld aus. Oder ich rauche gern Zigaretten, obwohl ich Nichtraucherin bin. Unter Psychose verstehe ich, dass ich all das mache, was ich sonst nie tue.
  • Spaltung des Seins
  • Veränderung der Gefühle und des Denkens
  • Stoffwechselerkrankung?
  • Psychose ist eine Überreaktion des Gehirns
  • Macht sich durch Reizüberflutung bemerkbar
  • Gedanken werden wirr
  • Psychose kann anfänglich Kreativität steigern
  • bei einem Erfahrenen dauert es 2 1/2 Tage bis zum Ausbruch der Psychose. In der Zwischenzeit muss er handeln. Ärzte können einem nicht wirklich helfen, da man selbst die Mechanik herausfinden muss.

Frage: Was ist Ihnen beim Lesen der Karten aufgefallen? (Gab es Unterschiede?)

Zu der Gruppe der Angehörigen wurde festgestellt:

  • Die Angehörigen sind den Betroffenen nah
  • Man fühlt sich manchmal auch ver- rückt
  • Wir sind alle ver- rückt
  • Der Maßstab der Normalität ist besonders bei Ersterkrankten wichtig, was gehört zur Krankheit und was nicht.

Zu der Gruppe der Erfahrenen wurde festgestellt:

  • Sie können eine differenzierte Eigendiagnose von sich geben
  • Die Darstellungen sind sehr subjektiv gehalten
  • Erkrankte übernehmen die Begriffe der Profis
  • Schübe und körperliche Zusammenbrüche, bei denen es keine Erklärung für den Ursprung gibt. Es werden aber immer gleich Medikamente verabreicht.
  • Ich schlief wenig, machte mehr. Die Reizüberflutung wurde mehr und die Kreativität wurde diffus.

Zu der Gruppe der Profis wurde festgestellt:

  • die Profis bleiben im Ausdruck unklar
  • spezifisches Jargon, welches z. T. auch von den Erfahrenen benutzt wird
  • Man könnte das, was die Profis geschrieben haben nicht in einem Buch veröffentlichen, da es wenig mit Gefühlen zu tun hat
  • Bei den Beschreibungen der Professionellen fühlen sich die Gruppen der Erfahrenen und die der Angehörigen nicht eingebunden.
  • Ein humorvollerer Umgang mit der Materie könnte manchmal besser weiter helfen
  • Frage: Treibt es einen Keil zwischen Erfahrenen und Angehörigen, wenn der Arzt dem Angehörigen nur begrenzt Informationen zukommen lässt? Diese Frage wird dahingehend beantwortet, dass es für die Erfahrene sehr wichtig ist, im Krisenfall mit Klinikeinweisung sicher zu sein, dass der/die Angehörige kaum Informationen vom Arzt bekommt. Darüber spiegelt sich die Autonomie der betroffenen Person.
  • Profis haben durch „die Wahrnehmungsbrille“ keinen differenzierten Zugang zum Individuum mit seinen Charakteristika und Krankheitssymptomen.

Nach der kurzen Pause wird besonders die Ärztin Fr. Dr. Souvignier zum Thema: Was ist Psychose und Wie wird sie ausgelöst? (Auslöser, Heilbarkeit, Systematik) befragt.

Medizinische Erkenntnisse wodurch Psychose ausgelöst werden kann:

  • Disposition (Anfälligkeit) sind Erbanlagen und Umweltfaktoren
  • Durch Drogen z. B. LSD und Alkohol
  • Überlastung (besonders bei Disposition)
  • Dauerstress und Überforderung
  • Sprache bleibt undeutlich bei Psychose

Heilbarkeit

ca. ein Drittel aller ersterkrankten Psychose-Betroffenen werden mit medikamentöser Unterstützung geheilt. Am besten hilft eine Psychotherapie in Zusammenhang mit Medikamenten.

Systematik

  • 1. Paranoid – halluzinatorische Schizophrenie (die einen starken emotionalen Anteil haben können)
  • 2.
    • Schizo-manisch (sehr betriebsam)
    • Schizo-depressiv (antriebsarm)
  • 3. affektive Psychose
    • rein gefühlsmäßige Psychosen wie: manisch-depressive Psychose

Was ist Psychose?

  • Optische Halluzinationen (etwas sehen was nicht da ist)
  • Akustische Halluzinationen (etwas hören, was für andere nicht hörbar ist)
  • Denkabläufe sind gestört (Gedanken brechen ab)
  • Denkabläufe werden schneller (Gedankenrasen)
  • Gefühl, dass Gedanken „gelesen“ werden können
  • Gedankenhöhle: sich hineinsteigern ist Denk-Gedanken-Strukturen bringt die Psychose näher
  • Im Schub laufen die Gedankenabläufe anders ab

Zum Abschluss wird der Wunsch nach einem „Psychose-Netzwerk“ für Düren zum Ausdruck gebracht.

Danach Abschlussrunde (Was nehmen Sie mit?)

Menschen, die mit folgenden Diagnosen leben müssen: Schizophrenie, Paranoia, Borderline, Bipolare Störung, Depression u. ä. mit psychotischen Symptomen tauschen sich mit Angehörigen, Interessierten und in der Psychiatrie Tätigen aus.