Was hindert Betroffene, Hilfe anzunehmen?

Anwesend: 14 Interessierte, Herr Lange Arzt der LVR-Klinik

Moderation: Herr Schmidt


Stichwortprotokoll: Frau Elsässer


Erster Teil:


Frage in die Runde:


Was hindert Sie daran, Hilfe anzunehmen?


Viele Betroffene haben Probleme damit, Medikamente einzunehmen. Einige befinden sich gerade im Schub und haben keine Krankheitseinsicht. Andere sind per se Medikamenten gegenüber skeptisch. Nebenwirkungen werden befürchtet.

Die Psychiatrie selbst löst Ängste aus.

Angst, bestraft zu werden.

Wichtig ist es, Vertrauen zum behandelnden Arzt zu haben.

Wichtig ist zu wissen, dass Zwangsmedikation nur bei Eigen- und
Fremdgefährdung angewendet wird.

Angst und Scham aufgrund der Erkrankung. Sorge, sich rechtfertigen zu
müssen. Zum Beispiel, wenn es einem mal gut geht.

Vorurteile und falsche Vorstellungen über die Erkrankung zum Beispiel, dass man nur faul ist. Das ist begründet durch das fehlende Wissen und fehlende Öffentlichkeitsarbeit.

In unserer Leistungsgesellschaft besteht die Ansicht, als schwach zu gelten,
wenn man um Hilfe bittet. Das gilt auch für Angehörige.

Manche Hausärzte haben kein Wissen über Psychosen. Oder sie verschreiben zu schnell Antidepressiva. Die Diagnose ist notwendig für die
Kassenabrechnung. Daher ist die Zeit zu knapp bemessen für eine
ausreichende Diagnosestellung.

Scham bei Verwahrlosung in der Wohnung oder bei persönlicher Hygiene. (Der Bewo-Anbieter kann Wohnung besuchen und Pflegegrad 0 beantragen). Die Hilfe im Haushalt sollte zeitlich begrenzt sein und für den Betroffenen Hilfe zurSelbsthilfe darstellen.

Die Frage wird gestellt, wie es zu einer Psychose kommt und warum man sie so schwer behandeln kann. Bei einer Psychose ist de Gehirnstoffwechsel
beeinträchtigt. Da das Gehirn ein sehr komplexes Organ ist, das zu erforschen noch andauert, ist sie so schwer zu behandeln. Anders als bei Diabetes, wo mit Insulin in einem Wirkungszusammenhang einfacher zu behandeln ist.

Auch ist es so, dass es günstig ist, eine Psychose früh zu erkennen und zu
behandeln, um einer Chronifizierung entgegen zu wirken. Hier ist Geduld nicht gefragt, während der Behandlung jedoch schon. Sie erfolgt mit Medikamenten und Therapien.

Zweiter Teil:

Lösungsansätze für Betroffene und Helfer sowie Angehörige.

Einrichten einer gesetzlichen Betreuung durch das Amtsgericht.

Zwangseinweisung mit Hilfe von Ordnungsamt oder Notarzt.

Leider können Angehörige im Akutfall wenig tun. Sie sind angewiesen auf
Außenstehende. Sie befinden sich in einem Dilemma und fühlen sich hilflos. Sie müssen sich oft eingestehen, das Problem nicht lösen zu können. Bei der ersten Psychose haben sie wenig oder gar kein Wissen, was sie tun können.

Es ist besser, den Notarzt zu rufen, wenn der Betroffene randaliert. Die Polizei hat manchmal wenig Ahnung von der Materie.

Für den Betroffenen ist es hilfreich, sich selbst immer besser kennen zu lernen. Der Betroffene kann Hinweise an das Umfeld geben, wenn etwas nicht stimmt. Dafür ist es gut, einen Raum zu haben, um offen erzählen zu können. Therapie und Selbsthilfegruppe sind Beispiele.Die Angehörigen und Vertrauenspersonen im Umfeld helfen oft durch ihr Dasein und Zuhören. Die Angehörigen brauchen auch Hilfen. Zum Beispiel in Selbsthilfegruppen oder Beratungsstellen.

Alltagsbegleitung, nicht bedauern oder überversorgen.

Wissen über die Erkrankung

Öffentlichkeitsarbeit wäre wünschenswert.

Sprechstunden für Angehörige gibt es in der LVR-Klinik je nach Station. Man sollte das Angebot ausweiten.

Hinweis auf die nächste Veranstaltung mit dem Thema: Angehörige und
Psychiatrie.Abschlussrunde: Ein Stein wird herumgereicht mit der Frage: „Was hat Ihnen diese Veranstaltung gebracht? Was nehmen sie mit? Was lassen Sie hier?

Menschen, die mit folgenden Diagnosen leben müssen: Schizophrenie, Paranoia, Borderline, Bipolare Störung, Depression u. ä. mit psychotischen Symptomen tauschen sich mit Angehörigen, Interessierten und in der Psychiatrie Tätigen aus.