Was hilft Angehörigen bei psychischer Erkrankung ihrer Familienmitglieder?

Protokoll des Psychoseseminars vom 16 Dezember 2016 von 19.00 – 20:45Uhr

Moderation: Herr Schmidt, Protokoll: Frau Sieburg

Einstieg mit der Frage:

Wie geht es Ihnen als Angehörige/r mit ihren betroffenen Familienmitgliedern? Wie schätzen Sie als Profi oder Betroffene/r die Situation Ihrer betroffenen Angehörigen ein?

Karten werden ausgegeben.

Die Karten werden vorgelesen, erläutert und dann in die Mitte gelegt. Wer wollte, konnte sich als Profi, Angehörige/r oder Betroffene/r durch die Wahl der Karten „outen“.

Karten und Erläuterungen:

Angehörige (grüne Karten)

  • Ratlos/hilflos,
    • vor allem im Umgang mit den Betroffenen, da die Denkweise der Erkrankten nur schwer nachvollziehbar ist
    • fehlendes Verständnis für den Erkrankten,
    • Wie packt man es an?
    • Es ist nicht zu verstehen.
    • Alles wird mehrfach „durchgekaut“ und es wird zugeredet, aber es ändert sich nichts. Alles wiederholt sich.
  • Überfordert, das Leben ist außer Kontrolle
  • Ängstlich
  • Alleine gelassen
  • Schuldgefühle
  • Verärgerung
  • Man kann die Krankheit nicht nachvollziehen.
  • Was ist Krankheit und was nicht? Verärgerung über die Krankheit.
  • Man fühlt sich verletzt.
  • Man ist besorgt.
  • Man erhält zu wenige Informationen von Ärzten und Therapeuten, wie mit der Situation umzugehen ist.
  • Es ist ein Manko, dass Angehörige nicht betreut werden.
  • Angehörige sind erschöpft.
  • Es ist schwierig, es nicht persönlich zu nehmen.
  • Verständnisprobleme untereinander (Angehörige – Betroffene, Angehörige – Ärzte) Unterschiedliche Beurteilung über die Vorgehensweise
  • Krankheit wird zum Mittelpunkt des Lebens, auch der Gesunden
  • Alleine gelassen, man kann sich mit Freunden nur schlecht über die Erfahrungen mit den Betroffenen austauschen.
  • Manchmal fühlt man sich ausgenutzt.
  • Innerhalb der Familie sitzt man oft „zwischen den Stühlen“.
  • Es ist eine starke Last, die ermüdend ist.
  • Es gibt Vorwürfe in alle Richtungen.
  • Nach 28 Jahren Zusammenleben mit dem Erkrankten, zurzeit entspannt.
  • In akuten Situationen bin ich genervt, weil es Zeit und Kraft kostet sich zu kümmern.
  • Bin an den Aufgaben gewachsen. Fühle mich stärker als vorher.

Profis (blaue Karten)

  • Wissen über die Krankheit fehlt. Der Austausch mit anderen Angehörigen wird gesucht.
  • Allein gelassen
  • Unsicher
  • Hilflosigkeit
  • Nehmen Stimmungen des Betroffenen persönlich
  • Gradwanderung zwischen Forderung und Überforderung,
  • Überfordert
  • Ohnmächtig
  • Ausgegrenzt
  • Unwissend/ uninformiert
  • Überforderung, z. B. wenn sie nur die einzigen Verantwortlichen sind
  • Angst
  • Werden nicht genug in Therapie und Behandlung einbezogen

Betroffene (gelbe Karten)

  • Sehr belastet
  • Traurig
  • Verzweifelt
  • Fachlich nicht ausreichend informiert
  • Überfordert
  • Hilflos, vor allem in akuten Situationen

Neutral (weiße Karte)

  • „Du bist eine Belastung für die ganze Familie!“
  • Vorwürfe
  • Sind ohnmächtig
  • Mangelnder Respekt
  • Abwehr
  • Ausschluss
  • Zurückweisung
  • Erniedrigung
  • Schuld , Scham und übertriebene Höflichkeit
  • Nur der Betroffene kann dies ändern durch seine Genesung.

Pause

Nach der Pause wird auf weißen Karten (Flipchart leer) festgehalten, was Angehörigen helfen kann:

  • Selbsthilfe der Betroffenen hilft
  • Andere kann man nicht ändern, man muss selbst etwas ändern
  • Unterstützung suchen
  • Informationen besorgen (Internet, Psychoseseminar, Selbsthilfegruppen,…)
  • Recht auf ein eigenes Leben
  • Von der Information zur Umsetzung gelangen
  • Den Kranken nicht alles abnehmen
  • Netzwerk aufbauen
  • Genesung ist ein langer Weg. Es kann Rückschläge geben.
  • Rückzugsmöglichkeit für Angehörige und Betroffene finden
  • Deeskalation
  • Im akuten Fall evtl. aus der Situation heraus gehen.
  • Jeder muss seinen Weg finden!

Abschlussrunde: Ein Stein wird in die Runde gegeben mit der Frage: Was hat Ihnen diese Veranstaltung gebracht (was nehmen Sie mit? Was lassen Sie hier?) und Verabschiedung.

Das Psychoseseminar geht in die Winterpause. Im März 2016 geht es weiter. Die neuen Termine werden spätestens im Februar veröffentlicht.

Menschen, die mit folgenden Diagnosen leben müssen: Schizophrenie, Paranoia, Borderline, Bipolare Störung, Depression u. ä. mit psychotischen Symptomen tauschen sich mit Angehörigen, Interessierten und in der Psychiatrie Tätigen aus.