Von der virtuellen Welt in die Psychose?

Protokoll des Psychoseseminars vom 15.04.2009 von 19.00 – 21.15 Uhr

Protokollant/in: Fr. Mischke

Zunächst erfolgt die Begrüßung des Auditoriums sowie der anwesenden Gäste Fr. Dr. Weikl (RKD) und Pof. Dr. Löhrer

Frage an das Auditorium:

1.Gibt es virtuelle Welten in die Sie schon einmal abtauchen?

Es wurden genannt: Bücher, Kinofilme, PC-Spiele, Traumwelten, Tagträume
2.Frage an Prof. Löhrer und Fr. Dr. Freisen, Fr. Dr. Weikl gerichtet:

Kann man durch das Eintauchen in virtuelle Welten psychotisch werden?

Hr. Prof. Löhrer konnte bis jetzt keine direkten Beispiele sammeln über den Zusammenhang von virtuellen Welten und psychotischem Erleben. Er behauptet aber in diesem Zusammenhang, dass man in der virtuellen Welt das Verlieren des Tagesrhythmus als psychotisches Erleben (Schub) beobachten kann. Jedoch macht die virtuelle Welt selbst nicht psychotisch. Mögliche Gründe für den Ausbruch einer psychischen Erkrankung können sein, dass Drogen konsumiert werden, die Menschen vor dem PC vereinsamen, eine genetische Disposition vorliegt und die Menschen sich zu früh im Kindesalter mit virtuellen Welten beschäftigen. Durch die massive PC-Nutzung entsteht ein Schlafmangel, der wiederum den Ausbruch einer psychischen Erkrankung fördern kann. Ein weiterer Punkt ist, dass sich bis dato nicht erkannte Vorerkrankungen verschlimmern oder manifestieren können wenn Menschen zu sehr in virtuelle Welten „abtauchen“.

Es mag sein, dass in der psychotischen Welt mehr Integration vom Internet, Computerchips, Computerspielen etc. vorhanden sind. Es geht dabei aber nur um Wahninhalte. Sogar Navigationssysteme werden psychotisch verarbeitet.

Amokläufer stehen in keiner kausalen Verbindung mit der Internet-Nutzung. Amokläufer sind meistens narzisstisch gekränkte Menschen, die einen erweiterten Suizid planen. Amokläufer sind nicht psychotisch.

Bert Theodor te Wildt (Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Kliniken d. Med. Hochschule Zentrum Psychologische Medizin Klinik f. Psychiatrie, Sozialpsychiatrie u. Psychotherapie Carl-Neuberg-Str. 1 30625 Hannover) zeigte in seiner Arbeit „Elektronische Medien als Vermittler von Erinnerung und Sehsucht“ am Beispiel der Trauer wie wir immer mehr unser Gedächtnis auslagern.
PAUSE ca. 5-7 Min

Kurze Zusammenfassung der Ergebnisse des ersten Teils

3.Wie entwickelt sich die Psychose und woran kann man es erkennen? Gibt es sog. Frühwarnzeichen? Was kann man tun, um zu verhindern, dass man psychotisch wird und/oder sich nicht in einer virtuellen Welt zu verlieren? Was würde jemandem gut tun, wenn er dort rauskommen möchte?

Herr Prof. Löhrer hat kurz eine Epidemiologie der Psychose – Erkrankung erklärt: 1,5 Menschen werden psychotisch rezidiv kulturelle Entwicklung – Cannabis-Konsum in der Mittelstufe (bei Heranwachsenden) ist in den letzten Jahren rapid gestiegen. Australien/Neuseeland sind besser. epidemiologisch „ausgestattet“ als wir. Der Cannabis- Konsum hat nämlich 10-15 Jahre früher in diesen Ländern als bei uns begonnen. Eine epidemiologische Kausalität zur Psychose in Bezug auf die virtuelle Welt besteht zurzeit nicht.

Vielleicht wird sich das aber in Zukunft ändern (spätere Aussage).
4.Vereinsamen die Menschen vor dem PC?

Das Märchenerzählen wird oft im Kindesalter durch die virtuelle Welt ersetzt. In diesem Zusammenhang gibt es kaum direkten Austausch mit Gleichaltrigen.

5.Frühwarnzeichen für Psychosen

Es ist zu beobachten, dass Jugendliche mit 15/16 Jahren psychotisch werden.

Das Prodromalsyndrom als Frühwarnzeichen: psychotische Schübe mit Geschlechtsreife stehen stark in Verbindung mit früher erwachsen werden als in der Generation zuvor. Psychosen werden erst nach der Pubertät diagnostizierbar. In der heutigen Zeit tritt die Pubertät früher ein und deshalb werden Erstpsychosen früher erkannt.

Abschlussrunde – ein Stein wird in die Runde gegeben: Was hat Ihnen diese Veranstaltung gebracht? (Was nehmen Sie mit? Was lassen Sie hier?)

Menschen, die mit folgenden Diagnosen leben müssen: Schizophrenie, Paranoia, Borderline, Bipolare Störung, Depression u. ä. mit psychotischen Symptomen tauschen sich mit Angehörigen, Interessierten und in der Psychiatrie Tätigen aus.