Von der Droge in die Psychose – Cannabis und Co als Einstieg in den Abstieg?

Protokoll des Psychoseseminars vom 18.05.2005

Von psychotischen Störungen durch „psychotope Substanzen spricht man, wenn Halluzinationen Personenverkennungen, (Verfolgungs-) Wahn,…….während oder unmittelbar nach dem Substanzgebrauch auftreten. Die Störung geht typischerweise innerhalb eines Monats zumindestens teilweise, innerhalb von 6 Monaten vollständig zurück. Doppeldiagnose Psychose und Abhängigkeit „Die sog. „Doppeldiagnosen“ bezeichnen, dass jemand, der an einer Psychose erkrankt ist, außerdem noch Medikamenten- Alkohol oder Drogenabhängig ist. Die so genannte drogeninduzierte Psychose ist vor allem eine Psychose eines Teils der heutigen Jugend. Ausgelöst durch den Konsum psychotroper Substanzen wie: Heroin, Kokain, Amphetamine, LSD, Extasy, Cannabis. Cannabis wird dabei in seiner Wirkung meist unterschätzt. Es handelt sich nicht mehr um den Stoff der „60er mit 2% THC, sondern um hochgezüchtetes mit 20% THC. Von daher ist Cannabis eine sehr komplex wirksame Droge. Man spricht auch immer häufiger von: Cannabis induzierten Psychosen. Es enthält viele Alkaloide und ist zuerst im Blut zu finden, lagert sich aber dann bald in fettreiche Körperregionen ein, da es lipophil (fettlöslich) ist. U.a. in das fettreichste Organ, das Gehirn. Der THC – Wirkspiegel ist abhängig vom Blutspiegel. Extremreize wie mehrnächtlicher Schlafentzug können psychotische Situationen auslösen. Eine schwedische Studie besagt, dass auch lange Jahre zurückliegender Cannabiskonsum in der Gegenwart zur Exazerbation (Ausbruch) einer Psychose oder zu deren Verschlimmerung beitragen kann, da in bestimmten Hirnregionen dafür Voraussetzungen geschaffen wurden. Zudem tritt ein Lungencarzinom mit ungeklärter Ursache gehäuft auf. Die Komorbidität (Psychose und Drogenabhängigkeit) tritt zunehmend gehäuft auf. Literaturhinweis: Dr. Löhrer: Sucht und Psychose AFV – Verlag Dr. Löhrer Spezialklinik am Waldsee, 56745 Rieden (Südeifel), Dort wird Therapie für junge Betroffene bis 35 J. angeboten. Erschwerend tritt der immer häufiger fehlende Versicherungsschutz (u. a. seit Hartz IV) für 15% der Betroffenen. Dr. Löhrer hat guter Erfolge mit atypischen Neuroleptika (ohne Spätdyskinesie). Er berichtet, dass 50% der drogenabhängigen Patienten nach bestimmten Therapiekonzepten wieder in geordnete Wohn- und Arbeitsverhältnisse entlassen werden. Für Psychosefreiheit ist Drogenverzicht unabdingbar. Spezialiesierte Behandlungsstrukturen sind in der Therapie nötig. (z. B. nicht überfordernde Arbeitstherapie, wobei nicht durchgängige Konzentration nötig ist, wie z. B. beim Bedienen eines Baugerätes). Wohnheime sollten sich zunehmend „psychiatrisieren“. Zeitnaher Informationsfluss im multiprofessionellen Team; z. B. ein festgesetzter Psychiater für Patienten, damit kein „Doktorhopping“ Und damit unkontrollierter Medikamentenkonsum möglich ist. Dr. Löhrer arbeitet mit der Methode der „Klassische Motivationsarbeit“ mit dem Ziel der Einsicht des Abhängigen, dass mit dem Drogenkonsum ein Problem besteht. Siehe auch: Kunert: „Cannabis – das unterschätzte Kraut“ Die Komplikationen der Psychose durch die Suchtstoffabhängigkeit kann ein Grund sein, ähnliches wie beim „Drehtürpatienten“ eine längere stationäre Behandlungsphase einzuschalten, um zu einer Stabilisierung beizutragen und die Rückkehr in ein verändertes soziales Milieu einzuleiten. Dr. Löhrer behandelt die Psychose nach der Entgifftungsphase mit atypischen Neuroleptika (z. B. Seroquel, Soliasn, Albilify, Risperdal, Zyprexa) und da anschließend meist eine depressive Phase mit grosser Antriebsschäche einsetzt – 2zügig gekoppelt mit Antidepressiva.

Zu den vielen Informationen gibt es zwischen durch immer wieder Fragen und Erfahrungsberichte. Hr. Dr. Löhrer geht um 20.45 Uhr weil er noch einen wichtigen Termin hat.

Es wird noch auf das nächste Psychoseseminar am 15.06.2005 mit dem Thema: Psychose und Aggression aufmerksam gemacht.

Menschen, die mit folgenden Diagnosen leben müssen: Schizophrenie, Paranoia, Borderline, Bipolare Störung, Depression u. ä. mit psychotischen Symptomen tauschen sich mit Angehörigen, Interessierten und in der Psychiatrie Tätigen aus.