Vom Burnout zur Depression und Psychose?

Protokoll des Psychoseseminars vom 21.03.2012 von 19.00 – 20:45 Uhr

Moderation und Protokoll: Frau Dangel

Zunächst erfolgt die Begrüßung des Auditoriums und des Gastes: Herrn Casper – Kiock. Es wurde das Psychoseseminar vorgestellt und Hintergründe dazu erläutert.

1. Ideenesammlung

Zunächst wurden zu den einzelnen Begriffe Ideen und Aussagen gesammelt, die auf verschiedenfarbige Karten aufgeschrieben wurden:

Rot: Burnout

Grün: Depression

Blau: Psychose

Die beschriebenen Karten wurden auf dem Boden ausgebreitet:

Es wurden folgende Aussagen getroffen:

Burnout:

  • Nicht mehr reden wollen
  • Müdigkeit
  • Keine Kraft mehr (3mal)
  • Suizidgedanken
  • Am Ende
  • Schlafstörungen
  • Sinnlosigkeit als Ursache?
  • Angst / Panik
  • Zu viel Arbeit
  • Erschöpft
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Unsortiert
  • Hilflos
  • Erschöpfung (2mal)
  • Überarbeitet
  • Vergesslichkeit
  • Enttäuschung
  • Niedergeschlagen
  • Ausgepowert
  • Verbraucht
  • Antriebslos
  • Als Angehörige stehe ich kurz davor
  • Bekommt man nicht, wenn man ein Teil nach dem anderen macht (hoffe ich)
  • Erkennungsmerkmale

Depression:

  • Antriebshemmend
  • Lustlos
  • Schlafstörungen
  • Am Ende!
  • Keine Kraft mehr!
  • Kraftlos
  • Ängste
  • Schlaflosigkeit
  • Niedergeschlagenheit (3mal)
  • Traurigkeit (3mal)
  • Sinnlosigkeit
  • Weinen
  • Lust für nichts mehr
  • Extreme Traurigkeit
  • Antriebslosigkeit
  • Extreme Müdigkeit
  • Suizidalität
  • Manie „aufdrehen“
  • Tiefe Trauer
  • Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt
  • Medikamente Antidepressiva
  • Selbstmordversuch
  • Kein Antrieb
  • Sozialer Rückzug
  • In sich gekehrt
  • Sehr hoher Schlafbedarf
  • Hat mein Mann als Nebenwirkung der Psychose – Medikamente

Psychose:

  • Ruhe
  • Enge
  • Angstzustände
  • Schlaflosigkeit
  • Realität „ver – rücken“
  • Gedankenkarussell
  • Stimmen
  • Halluzinationen
  • Eine andere Welt
  • Andere Werte
  • Wahnvorstellungen
  • Man muss Medikamente nehmen
  • Aufnahme in die Psychiatrie
  • Depotspritze
  • Schizophrenie
  • Wahrnehmung (eigene)
  • Abtrennung von der Realität
  • CIA Anonymous
  • Angst
  • Wahn
  • Persönlichkeitsstörung
  • Reizüberflutung
  • Hat mein Mann durch Stress bekommen

Sonstiges

  • Wie ist die Beziehung (gibt es eine?) zwischen Psychose, Depression und Burnout?

Herr Casper – Kiock erklärte zu den einzelnen Begriffen:

    • Burnout ist keine Diagnose sondern ein Syndrom.
    • Burnout kann zur Depression führen durch die Reizbarkeit und die Übermüdung.
    • Burnout bezieht sich in erster Linie auf die berufliche Situation
    • Burnout hat in Managementkreisen einen wirtschaftlichen Faktor (dadurch, dass Manger beruflich ausfallen kostet dies den Firmen viel Geld). Daher scheint Burnout auch in der Gesellschaft eine höhere Akzeptanz zu haben.
    • Bei Burnout werden die verschiedenen Symptome behandelt.
    • Depression ist eine Diagnose.
    • Ursachen einer Depression können die persönliche Entwicklung, die Lebensumstände, die persönliche Verarbeitung aber auch Medikamenteneinnahme sein.
    • Psychose geht mit verschiedenen Erkrankungen einher, und zeigt u. a. Wahnideen, Stimmenhören und Halluzinationen auf. Als Folge medikamentöser Behandlung tritt nicht selten eine Depression nach der akuten Phase der Psychose auf. Bei einer manisch – depressiven Erkrankung spricht man von einer bipolaren Störung.

Es gab weitere Meldungen zu diesen Erklärungen:

    • Bei Lehrern kommt Burnout häufig vor. Atemtherapie kann helfen. (Es gibt dazu eine Studie)
    • In einem Bericht des Fernsehsenders ARTE wurde gestern u. a. berichtet, dass Mittagsruhe im beruflichen Alltag gesundheitsfördernd sei.
    • Stress führte bei einem Betroffenen unmittelbar zur Psychose
    • Bei der Psychose hat man Gedankensprünge

Nach der Pause wurden die Karten in einer Grafik (auf dem Boden) zugeordnet, um zu erkennen, wo es bei diesen drei „Begriffen“ Überschneidungen gibt.

Müdigkeit, Kraftlosigkeit, Schlafstörungen, sozialer Rückzug, Suizidgedanken sind Überschneidungen bei allen dieser Erkrankungen.

Übersicht der Grafik:

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Festgestellt wurde weiterhin:

  • Bei Psychosen folgt die Depression oftmals nach dem akuten Schub (als Negativthematik)
  • Cannabiskonsum kann zur Psychose führen, schon nach dem ersten / zweiten Gebrauch
  • Bei Burnout kann es eine Veranlagung zur Sucht geben. Die „Entwicklung Burnout – Cannabis – Psychose“ ist denkbar
  • Es gibt ein Buch „Maňania – Kompetenz“, (von Maja Storch und Gunter Frank) das u. a. Erholungsphasen und Ruhe nach der Arbeit an Beispielen beschreibt. —
  • Als Methode, sich vor Stress zu schützen, wurde genannt sich eine Glocke vorzustellen, die sich wie ein Glas über einen stülpt. Dadurch würde auch alles leise.
  • Prioritäten sollten gesetzt werden, um Anforderungen zu filtern.

Es kam die Frage auf, ob Depression und Psychose Hirnstoffwechselerkrankungen sind und wenn ja, ob der Hirnstoffwechsel wieder „auf Trapp“ gebracht werden kann?

  • Herr Casper – Kiock stellte heraus, dass eine Serotoninstörung vorliegen kann – oder eine Dopaminstörung, und dass eine bestimmte Lebensführung, die zum Beispiel Stabilität sichert, unterstützend sein kann. Auch Sport ist positiv unterstützend. Auch das Erlernen neuer Beziehungsmuster kann unterstützen.

Abschlussrunde – ein Stein wird in die Runde gegeben: Was hat Ihnen diese Veranstaltung gebracht? (Was nehmen Sie mit? Was lassen Sie hier?) Verabschiedung und Bedanken bei den Gästen.

FAZIT:

Gewünscht wurde von einer Teilnehmerin, dass dieses Thema im nächsten Jahr noch einmal im Psychoseseminar besprochen wird. Es gab viele neue Erkenntnisse. Durch die Grafik wurde deutlich, dass es Überschneidungen dieser Erkrankungen gibt, aber auch eindeutige Symptome, die nur einer Erkrankung zuzuordnen sind, z. B. Stimmen hören und Wahnvorstellungen treten häufig bei Psychosen auf.

Ein Burnout kann, aber muss nicht in jedem Fall in eine Depression führen; eine Depression führt nicht zwangsläufig in eine Psychose. 1-2% der bundesdeutschen Bevölkerung erkranken an Psychose, 10 – 15 % an Depression, beim Burnout Syndrom gibt es noch keine Angabe.

Literatur:

Das Burnout – Syndrom. Theorie einer inneren Erschöpfung

Matthias Burisch, Springer Verlag 2006, ISBN: 3 540-23718-9 / 4 überarb. Aufl. 2010, ISBN: 978 – 3642123283

Burnout bei Frauen

Herbert Freudenberger / Gail North, Fischer TB, 11. Auflge 2005, ISBN: 3-596-12272-4

Bevor der Job krank macht: Wie uns die heutige Arbeitswelt in die seelische Erschöpfung treibt – und was man dagegen tun kann, 2007

Hans – Peter Unger, Carola Kleinschmidt, ISBN: 978-3-466-30733-3

Burnout – Erkennen und verhindern

Chrsitian Stock, Haufe, Freiburg 2010, ISBN: 978-3-448-10145-4

Seelenfinsternis von Piet C. Kuiper

Die Depression eines Psychiaters, Fischer Verlag

Das heimatlose Ich von Holger Reiners

Aus der Depression zurück ins Leben, Piper Verlag

Nie mehr deprimiert von Rolf Merkel

Selbsthilfeprogramm zur Überwindung negativer Gefühle, Weltbild Verlag

Eigensinn und Psychose

Thomas Bock, Paranus Verlag, 2006, ISBN: 3-926200-90-1

Stimmenreich Mitteilungen über den Wahnsinn

Thomas Bock, j.E. Deranders, Ingeborg Esterer, DTV 1992, ISBN: 3-88414-138-4

Psychosen Aus dem Schizophrenen Formenkreis

Springer Verlag, 1994, ISBN 3-540-57916-8

Schattendasein – Das unverstandene Leiden Depresion

Springer Verlag, 2007, ISBN: 978-3-540-71623-5

Maňiana-Kompetenz

Gunter Frank, Maja Storch

Menschen, die mit folgenden Diagnosen leben müssen: Schizophrenie, Paranoia, Borderline, Bipolare Störung, Depression u. ä. mit psychotischen Symptomen tauschen sich mit Angehörigen, Interessierten und in der Psychiatrie Tätigen aus.