Trauma und Psychose

Protokoll des Psychoseseminars vom 14. April 2015 von 19.00 – 21:30 Uhr

Moderation und Protokoll: Frau Dangel

Ablauf:

Begrüßung des Auditoriums und der anwesenden Gäste, Frau Dr. Knittel, Psychiaterin der LVR Klinik Düren in der AP I und II, Haus 11 und Haus 14 und der Tagesklinik Frau Dangel

Vorstellung des Psychoseseminars Herr Schmidt

Ablauf des Seminars mit Pausen und Getränken und Protokoll erklären Frau Dangel

Einstieg – Frau Dangel

Einsteigen wollen wir mit der Frage: „Was ist ein Trauma?“ Kennen Sie Bespiele für Traumata? Wie beschreiben Sie Traumata? Es wird in einer Runde über diese Frage gesprochen. Frau Sieburg schreibt die Nennungen an die Flipchart. Genannt werden folgende Begriffe:

Ein Trauma

  • ist ein schlimmes Erlebnis
  • holt einen immer wieder ein (z. B. Flash Back)
  • hat einen Auslöser
  • beeinträchtigt im Alltag
  • verfolgt einen im Traum
  • kann im Verborgenen sein (ohne Erinnerung daran)
  • hält einen gefangen
  • kann psychisch und körperlich sein
  • wird durch Menschen oder andere ausgelöst
  • tritt plötzlich ein
  • macht hilflos

Aus ärztlicher Sicht ist das wichtigste Merkmal für ein Trauma die Unvorhersehbarkeit und die Hilflosigkeit des Betroffenen, wie z. B. bei einer Gewalterfahrung, aber auch bei plötzlich auftretenden Naturgewalten (Tsunami) oder einem plötzlichen Unglück (Zugunglück). Mit dem Begriff Trauma wird das Erlebnis beschrieben.

Anschließend errötet die Gruppe welchen Bezug Traumata und Psychosen zueinander haben.

Dazu werden Karten ausgegeben, auf denen die Ideen aufgeschrieben werden..

Danach erfolgt eine Pause. Nach der Pause werden die Ideen vorgestellt:

  • Ich bin seit der Kindheit psychiatrisch erkrankt. Habe viele Traumata erlebt und habe immer wieder Flash Backs. In der Psychose erlebe ich manches Trauma als Bedrohung. Außerdem habe ich dann Verfolgungswahn und höre Stimmen.
  • Ist die Psychose eventuell neben der posttraumatischen Belastungsstörung eine andere Folge des Traumas?
  • Bei Schizophrenie ist der Verlust des „Ichs“ traumatisch
  • Für meinen Mann war der Klinikaufenthalt traumatisch. In einem Schub erinnert er sich immer voller Panik daran („Die wollten mich umbringen.“ „ Ach hätten die mich doch umgebracht.“).
  • Ein Trauma kann eine Psychose auslösen!?
  • Besonders bei sexuellem Missbrauch können später im Leben Psychosen auftreten.
  • Zwangsmaßnahen in der Psychiatrie können traumatisch sein.
  • Als Kind im Alter von 2 bis 5 Jahre hatte ich traumatische Erlebnisse. Ich bin Jahrgang 1947. Ich wurde nie behandelt. Mit 37 Jahren bekam ich eine Psychose. Heute bin ich gut genesen. Ich habe mich mit meiner Vergangenheit auseinandergesetzt.
  • Verfolgende Erziehungsmethoden > Trigger bei späteren Erlebnissen
  • Wenn Bewältigungsmechanismen nicht mehr ausreichen kann es zur Psychose kommen.
  • Das Trauma gerät bei Akutsymptomen einer Psychose in den Hintergrund. Diese müssen zuerst behandelt werden.
  • Trauma macht den Umgang mit Psychose anstrengender.
  • Ich vermute ein Trauma als Auslöser meiner Psychose. Wie aber sieht es danach mit Trauma – Therapie aus?
  • Kann die Psychose das schlimme Erlebnis sein, wodurch man ein Trauma bekommt?

Eine Betroffene berichtet, dass sie angehalten wurde, Kontakte zur Familie abzubrechen. Nur so könne sie eine Trauma – Therapie erfolgreich machen. Das möchte sie aber nicht.

Es wird hierzu erklärt, dass eine Trauma – Therapie im Sinne einer Konfrontation extrem belastend ist. Erneuter Täterkontakt sei oft nicht zu bewältigen. Daher ist der Kontaktabbruch gefordert.

Früher gab es keine Psychotraumatologie. Heute wartet man zunächst ab, wie die Symptome sich entwickeln. Es wird stabilisierend gearbeitet (Frau Reddemann), besonders bei Psychosen. Es ist manchmal besser aktiv „zuzudecken“ als immer mehr Problemfelder zu öffnen. Das behandeln von Traumen geht nur, wenn die Psychose behandelt ist.

Es kam die Frage auf was der Begriff „Zwangsmaßnahmen“ bedeutet:

  • Fixierung
  • Zwangsweise Gabe von Medikamenten
  • Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie

Eine weitere Behandlungsmethode bei Trauma ist die EMDR – Methode. Voraussetzung ist eine große Stabilität des Patienten. Sie wird bei akuten Traumen angewandt und soll Blockierungen lösen. Dieses Verfahren wird u. a. in der LVR Tagesklinik in Bedburg angewandt.


Ca. 20:15 Uhr

Abschlussrunde: Ein Stein wird in die Runde gegeben: Was hat Ihnen diese Veranstaltung gebracht (Was nehmen Sie mit? Was lassen Sie hier?)

Verabschiedung

Bedanken bei der Seminargruppe (und dem Gast / den Gästen) – Hinweis auf das nächste Seminar am 20. Mai zu dem Thema „Migration und psychische Erkrankung“. Alle weiteren Themen stehen auch auf der homepage des Psychose – Seminars: www.psychose-seminar.info

Nach Ende des Seminars werden noch Fragebögen zur Unterstützung einer Masterarbeit von Studenten aus Hamburg zum Thema „Psychoseseminare“ durchgeführt.

Menschen, die mit folgenden Diagnosen leben müssen: Schizophrenie, Paranoia, Borderline, Bipolare Störung, Depression u. ä. mit psychotischen Symptomen tauschen sich mit Angehörigen, Interessierten und in der Psychiatrie Tätigen aus.