Stimmen hören – auf Stimmen hören?

Protokoll des Psychoseseminars vom 20.Oktober 2004

Zu Beginn des Seminars wurde eine Aufstellung mit Freiwilligen gemacht ein sog. „inneres Parlament“.

Jemand bekommt die Karten zum vorlesen: Immer wenn ich einkaufen gehe, habe ich das Gefühl alle Leute gucken mich an. Die anderen 4 freiwilligen MitspielerInnen geben nacheinander ihre Meinung zu dem Vorgelesenen heraus.

Es wird die Frage gestellt wann Stimmen hören krankhaft sei und wann unnormal? Wann normal und gesund.

Jeder hört schon mal Stimmen. Es kann eine innere Stimme sein, die sich regt, die zu etwas rät, abrät, die freundlich, nett ist.

Eine Angehörige meint, sie höre wenn ihr Garten schreit aber auch der Mann würde schreien.

Es könnte das innere Gewissen reden, ohne das man kaum auskommen könnte. Wenn das Gewissen nicht redet würde man mental stillstehen.

Aber was ist normal?

Zu schnelles Denken sei unnormal meint ein Arzt. Sich wiederholende Sequenzen und kreisende Gedanken können krankhaft sein.

  • Es könnte durch Stimmen hören ein persönliche Unsicherheit deutlich werden. Z. B. würde man dann auch denken, die anderen Menschen könnten die Psychose am Gesicht ablesen (Jeder weiß, dass ich eine Psychose habe).

Inneres Parlament kann sein:

  • die eigene Stimme hören
  • Mutters/ Eltern Stimme hören
  • Fremde Stimmen hören, böse unterdrückende Stimmen

Die Moderatorin erwägt, dass sich die Stimmen für nicht zur Geltung kommende innere Anteil erheben.

Das Thema kommt auf Tinnitus. Ob es nicht auch Tinnitus sein könnte, fragt eine Angehörige. Mit Tinnitus habe das Stimmen hören nichts zu tun. Tinnitus würde sich als diffuse Geräusche, dumpfes stampfen u. ä. bemerkbar machen.

Beim Stimmen hören kann keine Trennung von Phantasie und Realität vorgenommen werde. Die Grenzen verschwimmen. Manchmal wird ein Ruf vernommen, ein Chor erhebt sich oder eine leise Stimme macht sich Platz. Diese Symptome müssen nicht zwangläufig der Psychose zugeordnet werden. Bei der Schizophrenie heißt das Stimmen hören „akustische Halluzination“. Auch Nicht-PsychotikerInnen können Stimmen hören.

Frage: Können die Frequenzen im Gehirnstrom nachgewiesen werden?

Die Frequenzen fehlen ganz meint der Arzt. Man weiß jedoch nicht hat man`s geträumt oder hat man tatsächlich etwas gehört. Es macht noch mal einen Unterschied aus, ob sich hinter den gehörten Stimmen ein Wahngebäude verbirgt. D. h. die Stimmen den Weg weisen zu anderen Betrachtungen. Die Stimmen verknüpfen Dinge miteinander, die nicht real zusammenhängen.

Bei der Tagträumerei eines Kindes kommt es dazu, dass es nicht zur Schule geht. Ist dies schon psychotisch? Wenn man trotz Termin (hier: Schule) nicht in die Gänge kommt, hat man seine Grenze schon überschritten. In der Psychose kann man Realität nicht von Traum unterscheiden.

Es ist peinlich die Stimmen zu hören. Die Leute halten ziemlich vor dem Berg. Es ist außerhalb der Norm Stimmen zu hören. Man traut es sich nicht zu sagen, weil die Stimmen so grausam sein können. Die Psychose ist keine schnell heilbare Erkrankung, man muss lernen mit der Erkrankung zu leben und medikamentös eingestellt zu sein. Es besteht eine höhere Hemmschwelle, die die Stimmen verschweigen lässt. Man hat Angst vor Brandmarkung, möchte nicht als Psycho abgestempelt werde. Die anderen könnten sagen, geh in den Jeckes, ab zu den 7 Morgen.

Ein Angehöriger erzählt, das er nur durch sprechen von den schrecklichen Erlebnis seiner Geiselnahme in einer Bank wegkommen konnte. Zuerst habe er sich auch nicht getraut, dann jedoch konnte er Stück für Stück von der Psychosomatischen Kur erzählen und war überrascht, wie verständnisvoll und interessiert die anderen Menschen mit seinen Informationen umgegangen sind.

Man hat große Angst davor von den Stimmen zu erzählen, weil man vor einer Zwangseinweisung und der Gabe von schweren Medikamenten Angst hat.

Es gibt eine längere Einzelfallschilderung, bei der zum Ende hin heraus kommt, das die Betroffene von den inneren Stimmen dazu aufgefordert worden ist unter die Bahn zu springen und seit dieser Zeit beide Beine amputiert hat.

Gehen von den Medikamenten die Stimmen weg?

Durch eine Medikamentenumstellung kann dies der Fall sein.

Nach der Pause beschäftigt die Frage:

Was kann getan werden, um die Stimmen abzumildern?

  • mit lauter Musik übertönen
  • die Stimmen ernst nehmen und Kontakt zu ihnen herstellen
  • die Stimmen ignorieren
  • prüfen ob die Stimmen innerhalb oder außerhalb der Realität liegen
  • Stress wegnehmen
  • Ablenkung spazieren gehen
  • Klinikaufenthalt
  • Medikation

Menschen, die mit folgenden Diagnosen leben müssen: Schizophrenie, Paranoia, Borderline, Bipolare Störung, Depression u. ä. mit psychotischen Symptomen tauschen sich mit Angehörigen, Interessierten und in der Psychiatrie Tätigen aus.