Soteria – Was ist möglich?

Protokoll der Informationsveranstaltung zum Psychose-seminars vom 13.12.2004

Die Vorbereitungsgruppe fuhr als Informationsveranstaltung zum Thema Soteria am 13.12.2004 in das Alexianer Krankenhaus nach Aachen. Dort wird nach einer Mischkonzeption mit Soteriaelementen therapeutisch behandelt.

Protokoll der Informationsveranstaltung:

Die Station Lukas mit dem Stationsarzt Dr. Hinüber ist eine von 3 Aufnahmestationen. Die Tür ist immer geöffnet. Immer sitzt jemand neben der Tür an einem kleinen Tisch und ist Ansprechpartner. Diese Funktion kann auch eine Raumpflegerin oder Hauswirtschafterin inne- haben. Diese Person ist i. d. R. immer für die Patienten erreichbar.

Zitat Dr. Hinüber:

„Entscheidend ist nicht die offene oder geschlossene Tür auf der Station, sondern der entscheidende Aspekt ist, ob im Kopf Türen auf oder zu sind“.

Eine geschlossene Tür kann auch das Gefühl von Sicherheit vermitteln.

Vor 21/2 Jahren hat Dr. Hinüber die Station Lukas übernommen und diese geöffnet. Die Station war in eine Frauen,- und eine Männerstation geteilt. Die Gruppen wurden aufgelöst und nun besteht eine gemischgeschlechtliche Gruppe. Die Station ist keine geschlossene Station. Personen die nach dem PsychKG untergebracht wurden dürfen jedoch nicht durch die Türe hinausgehen.

Bei der Aufnahme eines Patienten bekommt dieser sofort beim Aufnahmegespräch 2 Bezugspfeger/Bezugsschwestern. Diese sind während des Aufenthaltes jederzeit Ansprechpartner für sie/ihn. Das therapeutische Programm wird grundsätzlich mit dem Patienten verhandelt (Behandlungsvereinbarungen). Die Behandlungsvereinbarungen sind für alle zugänglich in einem bestimmten Ordner aufbewahrt. Welche Medikamente eingenommen werden wollen und in welcher Dosierung bleibt Verhandlungssache. Es kann seitens der Station eine Empfehlung ausgesprochen werden. In der Regel werden atypische Neuroleptika verabreicht (Regel: So wenig wie möglich, soviel wie nötig). Die Aufnahme kann auch nur für 1 Nacht erfolgen. Aufnahme und Entlassung sind die Prozesse, die am meisten Personal binden. Auf der Station können max. 24 Personen aufgenommen werde. Diese bewohnen 1-2 Bett-Zimmer. Auf eine ruhige Atmosphäre und ein hohes Maß an Reizabschirmung wird gesteigerter Wert gelegt. Die Aufnahme findet direkt auf der Station statt und hierfür sind Hr. Braun (Pflegeleiter) und Schwester Kati Ansprechpartner. Dies ist auch bei den anderen beiden Aufnahmestationen im Haus der Fall. Die Anzahl der Fixierungen konnte in den vergangenen 21/2 Jahren um 50% reduziert werden. Im Falle einer Fixierung sitzt zu jeder Zeit Personal am Fixierungsbett damit der Patient Ansprache hat. Geraucht werden darf auf der Station nur in einem bestimmten Zimmer. Das Alexianer Krankenhaus ist in Aachen eine Sektorklinik. Im Südkreis wird Stolberg einbezogen. Es gibt eine Warteliste. Steht jemand darauf, ist er gehalten 1 x wöchentlich an einem Gruppengespräch teilzunehmen. Soteria ist ein Begriff aus dem griechischen und bedeutet Zuflucht und Rettung. Das Soteriakonzept bietet den Patienten insgesamt mehr Freiheiten. Das Soteriakonzept gründete sich in den 70er Jahren in Kalifornien. Nur in sehr kleinen Krankenhäusern wurden sehr wenige Menschen therapiert. Der Schwerpunkt lag auf Begleitung durch die akute Krankheitsphase, Aufklärung über die Erkrankung und hohe Reizabschirmung. Diese Arbeit wurde von Ehrenamtlichen Kräften in 48-Stunden Rhythmen abgedeckt. Es wurden keine Medikamente eingenommen. Es gab sog. „weiche Zimmer“ mit einer reizarmen Ausstattung. Die Ausstattung ist einfarbig gehalten, damit das Auge ruhen kann. Dies ist ein Vorteil Mitten in der Stadt. Ein solches Zimmer ist auf der Station in der Planung.

Literaturhinweis: Bettina Kroll: Mit Soteria auf Reformkurs

Es gibt auch die Möglichkeit zum snoezelen. In NRW gibt es 10 Kliniken die Soteriaelemente mehr oder weniger in die Konzeption aufgenommen haben. Hr. Dr. Hinüber macht darauf aufmerksam, dass dies Thema am Tag der Sozialpsychiatrie gewesen sei. Auf der Station wird Ergotherapie, Sport als festes und nicht festes Angebot, Musiktherapie (nur Einzel) und Fango angeboten. Die Angebote können auch an Wochenenden wahrgenommen werden. Die Nachsorge findet über nervenärztliche Ambulanz statt. Es gibt ebenso eine integrierte Tagesklinik auf der Station. D. h. in den letzten zwei Wochen des Aufenthaltes kommen die Patienten nur noch tagsüber in die Klinik und abends gehen sie zum Übernachten nach Hause. Die gehört zum Tagesbelastungstraining. Dazu kommt das Wochenendbelastungstraining, wobei der/die Betroffene über das Wochenende nach Hause gehen kann. Die durchschnittliche Verweildauer in den psychiatrischen Abteilungen beträgt 27 – 28 Tage. Auf der Station Lukas beträgt sie 10 Tage. Es wird ebenfalls eine ambulante Arbeitstherapie angeboten. Auf die Frage ob es in Aachen einen Krisendienst gibt, antwortete Dr. Hinüber, dass es 2001 ein fertiges Konzept zum Krisendienst gegeben hat. Dieses belief sich ausschließlich über die Abdeckung der Wochenendversorgung mit professionellen Kräften auf einen Betrag von 150.000 DM. Der Stadtrat lehnte dieses Konzept jedoch aus Kostengründen ab. Abschießend betonte Hr. Dr. Hinüber noch, dass es wichtig ist, dass das gesamte Personal der Station an einem Strang zieht.

Protokoll des Psychoseseminars vom 15.12.2005

Thema: Soteria – Was ist möglich?

Diese Veranstaltung wurde von Fr. Dr. Knittel und Hr. Dr. Gallke begleitet. Es wurde die Informationsveranstaltung vom 13.12.2004,Besuch des Alexianer Krankenhauses Aachen Station Lukas, auszuwerten. Im Rahmen dieser Auswertung wurde dann an den Diskrepanzen gearbeitet, die eine nach Soteriaelementen geführte Station z. B. mit der Rheinischen Landesklinik Düren oder einer anderen nach eher klassischen Konzepten geführte Klinik hat. Der Exkurs ergab, dass es in den Aufnahmekliniken nur 2-3 Bett-Zimmer gibt und eine Nasszelle mit einem anderen Zimmer geteilt werden muss. Ein Umbau war seinerzeit geplant worden, jedoch aus Kostengründen gekänzelt worden. Ebenso sei die Aufnahme für 1 Nacht schwierig. Auch sei eine integrierte Tagesklinik nicht bekannt. Die geschlossenen Stationen seinen nicht abgeschafft. Bezugspflege sei z. T. aus der RKD bekannt. Snoezelen, Musik,- Ergo,- Arbeitstherapie sowie Sportangebote seinen auch aus anderen Kliniken bekannt, jedoch nicht an Wochenenden.

Einen Krisendienst gibt es auch in Düren nicht, dieser wird jedoch von der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft gefordert. Nach der Bearbeitung wurde die Veranstaltung als sehr interessant gewertet.

Dann wurde eine Themensammlung für das nächste Halbjahr gemacht.

Es wurden folgende Themenvorschläge gesammelt:

  • Umgang mit der Diagnose
  • Behandlung einer Psychose am Beispiel der RKD
  • Woran erkenne ich eine Psychose? (Jüngere/ Ältere; Männer/Frauen)
  • Unterschiedliche Formen der Psychose!
  • Sucht und Psychose (Hr. Dr. Löhrer KFH Aachen) (Cannabis, Extasy, Amphetamin, Alkohol)
  • Angst und Psychose Macht mir Psychose Angst?
  • Psychose und Aggression (Medis, Fixierung, PKG)

Zuletzt wurde die Frage gestellt, ob es noch Nachträge, Hinweise, Kritik o. ä. gäbe. Es kam die Anregung, dass es einen Flyer zum Psychoseseminar geben könnte, zum Weiterreichen an Bekannte. Dieser gute Hinweis wird nun bearbeitet und es soll einen Flyer zum Psychoseseminar geben.

Menschen, die mit folgenden Diagnosen leben müssen: Schizophrenie, Paranoia, Borderline, Bipolare Störung, Depression u. ä. mit psychotischen Symptomen tauschen sich mit Angehörigen, Interessierten und in der Psychiatrie Tätigen aus.