Qualitätsmanagement in der Klinik! – Kann man damit die Klinik verbessern?

Protokoll des Psychoseseminars vom 15.12.2010 von 19.00 – 20.45 Uhr

Moderation und Protokoll: Fr. Kinzel

Zunächst erfolgt die Begrüßung des Auditoriums und des Gastes, Frau Dr. Harms (LVR-Rheinische Kliniken, Düren)

Verschiedene Themen, die mit dem Qualitätsmanagement der Klinik in Zusammenhang stehen wurden von den Teilnehmern benannt und im Plenum diskutiert; wie ist die aktuelle Situation der Qualitätsstandards; was wurde bereits verbessert und was wäre noch zu verbessern:

Behandlungsvereinbarung

Gemäß einer Teilnehmerin gab es vor ca. 10 Jahren bzgl. der Behandlungsvereinbarung eine Arbeitsgruppe mit monatlichen Treffen, die sich jedoch schon vor längerer Zeit aufgelöst hat.

Zwischenzeitlich hat es zudem einen Wechsel der Klinikleitung gegeben, mit der seinerzeit die von Patienten gewünschten Behandlungsvereinbarungen individuell besprochen wurden und von der Klinikleitung mit unterschrieben wurden. Die Behandlungsvereinbarung müsste mit der neuen Klinikleitung erneut besprochen werden.

Ein Teilnehmer berichtet, dass es vorkam, dass bei Aufnahme in der Klinik die Behandlungsvereinbarung erst zu einem späteren Zeitpunkt hinzugezogen wurde.

Außerdem müsse das Thema für Betroffene transparenter gemacht werden; es wird gewünscht, dass z.B. im Entlassgespräch von Seiten der Klinik auf die Möglichkeit einer Behandlungsvereinbarung hingewiesen wird.

Die Behandlungsvereinbarung sei eine sehr wichtige Möglichkeit für den Patienten sich selbst zu schützen. Nicht selten komme es vor, dass ein Patient im Aufnahmegespräch die Kommunikation sabotiert, z.B. aufgrund von Verfolgungswahn.

Frau Harms berichtet, dass neben der Behandlungsvereinbarung in Akutaufnahme-Situationen immer schon die Akte des letzten Aufenthalts vorhanden sei – und dies seit Einführung des internen EDV-Systems noch verbessert worden sei; dort finden sich sofort die alten Entlassberichte, aus der Entlassmedikation, Verlaufsmedikation etc. zu ersehen sei. Nach Einführung des Qualitätsmanagements (Zertifizierung) werde das Vernetzungssystem noch konkreter gepflegt.

Eine Angehörige berichtet, dass dies früher nicht so gewesen sei. Im Aufnahmegespräch wurde sie als Angehörige über den Betroffenen befragt und wenn die benötigten Unterlagen da gewesen seien, habe sie sich abgeschoben gefühlt.

Frau Harms wird mit Frau Lemmer, der Qualitätsbeauftragten der Rheinischen Kliniken Düren, die im Seminar angesprochenen Themen bzgl. der Behandlungsvereinbarung besprechen.

Setzen von Medikamenten:

Ein Teilnehmer berichtet, dass bei ihm in der Vergangenheit bereits Medikamente von Seiten des Pflegepersonals falsch gesetzt/verwechselt wurden.

Frau Harms räumt ein, dass eine Änderung hinsichtlich des Stellen und der Austeilung der Medikamente erfolgt ist. Derjenige vom Pflegepersonal, der die Medikation für die Patienten zusammen stellt (alleine in einem Raum, das Telefon sei aus), teile die Medikamente dann auch aus. Früher wurden die Medikamente teils bereits von der Nachtschicht gestellt und morgens von der Frühschicht verteilt.

Gewalt in der Psychiatrie/Fixierungen

Lt. Frau Harms wird über sämtliche Fixierungsmaßnahmen Buch geführt. Statistisch gesehen sind Fixierungen rückläufig. Es gibt ein regelmäßiges Deeskalationstraining für das gesamte Klinikpersonal (Ärzte und Pflegekräfte). Das Deeskalationstraining zielt vor allem auf Gesprächstechniken ab, die bei Ängsten und Panik von Patienten zu einer Entspannung von Krisensituationen führen soll. Die Trainings werden kontinuierlich wiederholt. Ein Teilnehmer wünscht sich mehr Transparenz bzgl. des Fixierraumes, er meint gerade hier „ranken sich Mythen um die Klapsmühle“. Frau Harms weist darauf hin, dass Fixierungen nur bei absoluter Notwendigkeit vorgenommen werden. Für die Fixierung gibt es eine klare Rechtsgrundlage – das PsychKG (Psychisch-Kranken-Gesetz), welches nur bei Fremd- und Eigengefährdung greift. Ein Patient kann nur unter dieser Voraussetzung gegen seinen Willen festgehalten werden und dies auch nur für die Dauer, für die eine Richterliche Zustimmung vorliegt. Mehrfach im Jahr kommt unangemeldet eine PsychKG-Kommission (Fachleute, Patienten, Angehörige, Rechtsvertreter) in die Klinik. Die Stationen werden begangen, es wird geprüft, ob Vorschriften eingehalten werden und alle Einträge gemacht wurden. Frau Harms weist im Bezug auf die angesprochene Mystifizierung auf die Öffnung der Klinik durch Infoveranstaltungen und den Tag der offenen Tür hin, der bis in die Forensik hineinreicht.

Es wird darüber diskutiert, wie menschenunwürdig die Klinik in früheren Zeiten war und dass sich durch Einführung von Qualitätssicherungen und Kontrollen die Klinik von einer reinen Verwahranstalt wegentwickelt hat. Menschenunwürdige Behandlungsmethoden wie Heißwasser- und Insulinbehandlungen, Elektroschocks bis hin zu Zwangssterilisationen in der Nazizeit sind heute überwunden.

Die Stationen wurden lt. Frau Harms im Laufe der Jahre immer weiter verkleinert, so dass die Anzahl der Patienten pro Station verringert wurde. Gerade in der Akutaufnahmestation spiele es eine große Rolle, die Menschen vor Reizüberflutung zu schützen, allerdings muss man auch einräumen, dass die Klinik die Versorgungspflicht für das Einzugsgebiet hat, so dass zeitweise doch mehr Patienten aufgenommen werden müssen.

Beschwerdemöglichkeiten in der Klinik

Ombudsstelle in der Klinik

Die Ombudsstelle in den Rheinischen Kliniken Düren ist seit 12 Jahren durch Frau Helga Quednau besetzt. Frau Quednau ist als Ombudsfrau eine unabhängige Anlaufstelle für Beschwerden und Anregungen. Sie ist vom Klinikträger, dem LVR in Köln vor 12 Jahren gewählt worden und ist seitdem ehrenamtlich tätig – und somit unabhängig.

Zu erreichen ist Frau Quednau zu unterschiedlichen Zeiten in Haus 10, unter der folgenden Telefonnr.: 02421-402455.

Anregungs- und Beschwerdemanagement in der Klinik

Lt. E-Mail von Frau Lemmer (Qualitätsbeauftragte der Rheinischen Kliniken, Düren) können noch folgende Punkte für das Protokoll bzgl. des Anregungs- und Beschwerdemanagement der Klinik ergänzt werden:

  • Auf allen Stationen des Krankenhausbereichs liegt das Formular “Ihre Meinung ist uns wichtig” aus. Hiermit können Patienten, Angehörige und Kooperationspartner Beschwerden, Lob und Anregungen äußern. Zudem haben alle Stationen blaue Briefkästen zur Abgabe. Patienten werden bei Aufnahme über diese Möglichkeit der Meinungsäußerung informiert.

Die Briefkästen werden wöchentlich geleert und durch die ärztliche und pflegerische Abteilungsleitung bearbeitet. Häufig wird direkt mit den Meldenden Kontakt aufgenommen und – ggf. in Zusammenarbeit mit der technischen oder Wirtschaftsabteilung – Maßnahmen abgeleitet. Der bearbeitete Bogen wird dann Frau Lemmer (QM) zugeleitet und statistisch erfasst. Monatlich legt sie dann die eingegangenen Hinweise dem Klinikvorstand vor, der aus Ärztlicher und Pflegedirektorin sowie dem kaufmännischen Direktor besteht. Diese prüfen nochmals, ob eine angemessene Bearbeitung erfolgt ist und ggf. noch weitere Maßnahmen eingeleitet werden müssen. Erst nach vollständiger Bearbeitung wird der Fall abgeschlossen. Dieses Anregungs- und Beschwerdemanagement ist seit Jahren in der Klinik eingeführt und wurde mehrfach verbessert. Die Bearbeitung wird von allen beteiligten Mitarbeitern sehr ernst genommen. In vielen Fällen äußern die Beschwerenden eine hohe Zufriedenheit mit der schnellen Bearbeitung.

  • Halbjährlich wertet die Klinik die eingegangenen Meldungen statistisch aus, um zu untersuchen, ob es bei bestimmten Themen Häufungen gibt und weitere Maßnahmen eingeleitet werden müssen.
  • Kommen Beschwerden über die Beschwerdestelle des LVR, wird die Bearbeitung durch die kaufmännische Direktion veranlasst. Innerhalb von 2 Wochen wird der Fall bearbeitet.
  • Über das zentrale Beschwerdemanagement des LVR erhält die Klinik eine Auswertung über die bei der Beschwerdestelle eingegangenen Meldungen. Zudem wird die Statistik des eigenen Anregungs- und Beschwerdemanagement zum Träger nach Köln geschickt.
  • Für die forensisch untergebrachten Patienten gibt es ein eigenes Verfahren in Zusammenarbeit mit dem Träger.

Abschlussrunde – ein Stein wird in die Runde gegeben: Was hat Ihnen diese Veranstaltung gebracht? (Was nehmen Sie mit? Was lassen Sie hier?) Verabschiedung und Bedanken bei den Gästen.

Menschen, die mit folgenden Diagnosen leben müssen: Schizophrenie, Paranoia, Borderline, Bipolare Störung, Depression u. ä. mit psychotischen Symptomen tauschen sich mit Angehörigen, Interessierten und in der Psychiatrie Tätigen aus.