Psychose und Seriösität – Ein langer Weg

Psychoseseminar vom 17.04.19

Anwesend: 13 Leute

Moderation: Frau Böhr, Herr Schmidt
Getränke: Frau Dzemailova
Protokoll: Frau Elsässer

Erster Teil:

Vorstellung des Psychoseseminars
Es gibt im deutschsprachigen Raum ca. 100 Psychoseseminare, die strukturell autark sind. Es handelt sich um einen Trialog zwischen Ärzten, Angehörigen und Betroffenen auf Augenhöhe. Ziel ist es zu verdeutlichen, dass es neben der Akutsituation der Betroffenen auch das ganz normale Leben mit der Erkrankung gibt.

Einstieg
Nach einer psychotischen Krise kann ein Weg in die Seriosität ein langer Weg sein. Mit jedem Kontakt muss man sich neu beweisen. Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Ordnung in alltäglichen Dingen sind in Phasen schwer einzuhalten.

Ein anderer Punkt ist, dass es immer wieder vorkommt, dass Menschen, die einen in der psychotischen Krise erlebt haben, dazu neigen, jemanden in der gesunden Phase auch nicht ernst zu nehmen. Beispielsweise werden Zukunftspläne als psychotische Symptome ausgelegt.

Deshalb wollen wir darüber disktutieren.
Seriosität- Was bedeutet das überhaupt in diesem Zusammenhang?
Wie kann ich seriös werden und bleiben

Erfahrungsaustausch:
„Zuverlässigkeit, Ordnung und Pünktlichkeit. Viele Gesunde fallen durch. Ich bin froh, dass kein Bewo-Betreuer mich kontrolliert.“

„Ein anderer Aspekt. Viele Schulden sind möglich, wenn man seriös wirkt. Zum Beispiel auf die ein oder andere Art großkotzig“.

„Vollzeit zu arbeiten, ist für mich unrealistisch. Die Flexirente ermöglicht 450 EUR Zuverdienst auch freiberuflich. Zwei Mal im Jahr auch das Doppelte.“

„Wenn man neu ist, ist der Eindruck mit Vorurteilen behaftet.“

„Ich fühlte mich unterfordert in der Rurtalwerkstätte. Nun bin ich Wegbegleiter und schaffe viel. Ich bekomme viel Lob von meinem Psychiater.

„Manche Ärzte wirken unseriös, mit wuscheligen Haaren und nervös bis aufgekratzt zum Beispiel.“

„Im September ist Tag der offenen Tür in der LVR-Klinik in Düren. Dort hat man Gelegenheit, Vorurteile zu überprüfen.“

„Wenn die Neuroleptika nicht mehr so teuer sind, kann sie auch der Hausarzt verschreiben. Auf der Krankmeldung steht dann nicht die Klinik oder der Psychiater. Das ist weniger auffällig.“

„Das Wort seriös hat einen negativen Beigeschmack im Sinne von unnahbar, glatt, großkotzig. Ich würde einen Menschen eher beschreiben als kompetent, engagiert und professionell.

„Man wird stigmatisiert. Zwei Drittel der Bevölkerung möchte mit Schizophrenen nichts zu tun haben“.

„Schübe hinter sich zu lassen bedeutet auch ein Stück Selbstakzeptanz. Das heißt, es ist nie wieder so wie vorher. Ich muss das akzeptieren. In der Selbsthilfegruppe lernt man den Umgang mit anderen und ein anderes Selbstbewusstsein.“

„Meine Tochter hatte eine Psychose. Sie hat sich unendlich geschämt. Deshalb hat sie nach dem Schub zunächst von Burnout erzählt. Im Schub fehlt die Einsicht. Im Alexianer Krankenhaus in Aachen hat man sie mit viel Vertrauen und Ruhe aufgenommen. Die Psychose hat mit dem Lebensumfeld zu tun. In anderen Kulturen werden solche Menschen als solche, die zu viel sehen bezeichnet. Man kann nicht unterscheiden, filtern. Es ist eine hohe Sensibilität vorhanden. Diese ist auch ein Schatz. Andererseits ist die Psychose eine Stoffwechselstörung im Gehirn. Man kann damit lernen umzugehen. Ich sagte meiner Tochter: Aus der Krise wirst du stark. Die ganze Familie profitierte von der Krise.“

„Ich finde, die Öffentlichkeit gehört aufgeklärt. Es sollten mehr Informationen über die Krankheit fließen. Jeder, der einen Verwandten oder Freund hat, der betroffen ist, kann sich schlau machen.“

„Im Psychoseseminar lernt man gute Leute kennen.“

„Vor wenigen Jahren (30 bis 50 Jahren) war die psychiatrische Versorgung sehr schlecht. Die Familien wurden allein gelassen. Es gab schlechtere Medikamente, keine Familienhelferin oder Betreutes Wohnen.“

„Meine Tochter nimmt an einer klinischen Studie teil, in der die Frage erforscht wird, ob Neuroleptika neurotoxisch oder neuroprotektiv sind. Die Dosierung wird minimiert. Es werden regelmäßig MRT und Blutabnahme gemacht. Meine Tochter hatte seither zwei Panikattacken. Man kann noch nichts sagen. Nach der Tagesklinik möchte sie eine Ausbildung machen.

“Weitere Themen, wurden vorgelesen:

Seriosität bedeutet Verlässlichkeit
Seriosität bedeutet von anderen ernst genommen zu werden.
Seriosität bedeutet, Schübe hinter sich zu lassen.
Auch authentisch sein, kann seriös wirken.
Sich um seine Gesundheit zu kümmern und ein Bewusstsein für seine Symptome zu haben.

Eine medikamentöse Behandlung unterstützt die Seriosität.

Abschlussrunde: Ein Stein wird herumgereicht mit der Frage: „Was hat Ihne diese Veranstaltung gebracht? Was nehmen sie mit? Was lassen Sie hier?

Menschen, die mit folgenden Diagnosen leben müssen: Schizophrenie, Paranoia, Borderline, Bipolare Störung, Depression u. ä. mit psychotischen Symptomen tauschen sich mit Angehörigen, Interessierten und in der Psychiatrie Tätigen aus.