Psychose und Psychotherapie – Wann und Wie?

Protokoll des Psychoseseminars vom 17.03.2010 von 19.00 – 20.45 Uhr

Protokollant/in: Fr. Mischke

Zunächst erfolgt die Begrüßung des Auditoriums und von Fr. Dr. Kördel

1.Welche Psychotherapien sind Ihnen bekannt?

(jeder schreibt diese Therapieform auf eine Karte und legt diese in die Mitte des Kreises)

Genannt wurden:

  • Gesprächspsychotherapie
  • Stationäre Behandlung
  • Verhaltentherapie
  • Einzel-u. Gruppentherapie
  • Familientherapie
  • Psychodynamische Psychotherapie
  • Kreativtherapie
  • Entspannungstherapie
  • Analytische/ Tiefenpsychologische Therapie
  • Systemische Therapie
  • NLP (Neurolinguistisches Programmieren)
  • Tageklinikaufenthalt mit Gesprächstherapie
  • Selbsttherapie
  • Eigentherapie mit Alkohol wegen dämpfender Wirkung der psychotischen Symptome

2.Sind alle genannten Therapieformen bekannt?

(für alle Anwesenden werden die einzelnen Therapieformen erklärt)

Gesprächspsychotherapie:

Der Begriff Gesprächstherapie ist mehrdeutig. Verwendet wird er für: jede Form der Psychotherapie, bei der das Gespräch im Vordergrund steht, aber auch als Synonym oder ungenaue Kurzbezeichnung für die Klientenzentrierte Psychotherapie nach Rogers: Bei dieser Therapieform steht der hilfesuchende Mensch mit seinen jeweiligen Gefühlen, Wünschen, Wertvorstellungen und Zielen im Mittelpunkt der therapeutischen Interaktion. Die Sichtweise des Therapeuten sollte dabei in den Hintergrund treten, Ratschläge und Bewertungen sind zu vermeiden (nicht-direktives Verhalten). Eine der Besonderheiten der Methode liegt in der Rückmeldung des vom Klienten ausgedrückten emotionalen Inhaltes seiner Aussagen ohne jede Verfälschung mit anderen Worten (aktives Zuhören; Empathie). Dadurch wird der Klient immer weiter in seine eigene Wahrnehmung geführt, oft bis an die Antworten, die er im Alltag nicht auszusprechen wagt oder derer er sich nicht bewusst werden konnte.

Verhaltenstherapie:

Mit Verhaltenstherapie (VT) wird ein ganzes Spektrum von Formen der Psychotherapie benannt. Alle Therapieformen haben den gleichen Grundsatz, dass die Hilfe zur Selbsthilfe für den Patienten im Mittelpunkt stehen soll, ihm nach Einsicht in Ursachen und Entstehungsgeschichte seiner Probleme Methoden (z.B. Denk – u. Handlungsmuster) an die Hand gegeben werden sollen, mit denen er zukünftig besser zurecht kommt.

Einzel -u. Gruppentherapie:

Gruppenpsychotherapie nutzt die in einer Gruppe auftretenden speziellen Gruppenphänomene (Gruppendynamik, Übertragung, Gegenübertragung) mit, die aufkommen, indem mehrere Patienten in der Gruppe behandelt werden. In einer Einzeltherapie findet die Therapie allein zwischen Therapeut und Klient statt.

Familientherapie:

Familientherapie ist ein Verfahren der Psychotherapie und der psychologischen Beratung für Paare und Familien. In der Familientherapie werden positive Veränderungen und Entwicklungen der Beziehungen zwischen den Mitgliedern von Familien angestrebt. Somit können krankheitsauslösende Faktoren minimiert werden. Dabei wird betont, dass die Qualität der Kommunikation zwischen den Familienmitgliedern ein wesentlicher Faktor für die psychische Gesundheit der einzelnen Mitglieder ist.

Psychodynamische Psychotherapie:

Der Begriff der psychodynamischen Therapien fasst alle Methoden zusammen, die auf einem analytischen Wege funktionieren. Dazu gehören die Anfang des 20. Jahrhunderts von Sigmund Freud entwickelte Psychoanalyse sowie die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Analytische Therapie:

Analytische Psychotherapie ist eine tiefenpsychologische Therapieform, die davon ausgeht, dass traumatische Erfahrungen, Entwicklungshemmungen und unverarbeitete Konflikte zu seelischen und körperlichen Erkrankungen führen können. Die Ursache unverarbeiteter seelischer Konflikte und Störungen des Selbstwertgefühls liegen meist in prägenden Lernerfahrungen aus der Vergangenheit, auch wenn dies in einer aktuell belastenden Situation nicht immer bewusst wahrgenommen werden kann. Aufgabe der analytischen Psychotherapie ist es deshalb, die alten nicht mehr angemessenen Einstellungen, Gewohnheiten und Verhaltensweisen bewusst zu machen, emotional aufzuarbeiten und zu verändern, um dadurch Freiheit zu neuem Erleben zu gewinnen. Es kann für den Klienten enttäuschend sein zu erfahren, dass eine analytische  Psychotherapie keine schnell wirksame Hilfe zur Linderung der Symptome bietet, ja, dass die rasche Beseitigung der Symptome auch zunächst nicht angestrebt wird, wie z.B. in der Verhaltenstherapie.

Systemische Therapie:

Nach systemischer Ideologie ist der Mensch immer zugleich als biologisches und als soziales Wesen zu betrachten. Die systemische Betrachtungsweise rückt deshalb die Dynamik zwischen den biologischen und psychischen Eigenschaften einerseits und den sozialen Bedingungen des Lebens andererseits ins Zentrum der Betrachtung, um das Individuum und seine psychischen Störungen angemessen verstehen zu können. Die systemische Therapie und Familientherapie verfügen über eine klinische Theorie und Methodologie zur Erklärung und Behandlung psychischer Störungen. Psychische Krankheiten werden als Störung der Systemumweltpassung definiert. Individuelle Symptome werden als Ergebnis von krankheitserzeugenden und -aufrechterhaltenden Beziehungsmustern im Kontext der wichtigen Bezugspersonen gesehen.

NLP Neuro-Linguistisches Programmieren:

Das Neuro-Linguistische Programmieren (NLP) gilt als Konzept für Kommunikation und Veränderung, das heute ganz besonders von den Menschen nachgefragt und genutzt wird, die beruflich mit Kommunikation zu tun haben. NLP wird definiert als die Struktur der subjektiven Erfahrung. NLP untersucht die Muster oder die »Programmierung«, die durch die Interaktion zwischen dem Gehirn (Neuro), der Sprache (linguistic) und dem Körper kreiert wird, und die sowohl effektives als auch ineffektives Verhalten produzieren können. Die Fertigkeiten und Techniken des NLP entstanden durch Beobachtung der Muster im Tun von Experten aus diversen Bereichen professioneller Kommunikation, unter anderem aus dem Bereich der Psychotherapie, der Wirtschaft, der Hypnose, des Rechtswesens und der Erziehung.”

3.Welche Therapieformen sind bei der Behandlung einer Psychose geeignet und welche nicht? Und warum?

(Fr. Dr. Kördel und Hr. Schmidt berichteten aus der Praxis)

Verhaltenstherapie ist zur Behandlung von Psychose geeignet da sie auf Verhaltensänderung abzielt und deshalb schnelle Erfolge erreichen kann. Sie beschäftigt sich weniger mit der Biographie des Klienten und wird deshalb als entlastend empfunden. Hr. Schmidt stellt in Vertretung für Fr. Sieburg die Hypnotherapie nach Erickson vor, die auch für Psychotiker geeignet ist. Sowohl Einzel- als auch Gruppentherapien können je nach Krankheitsgrad eingesetzt werden. Vorausgesetzt wird, dass man in der Lage ist die Rückmeldungen, die man aus der Gruppe erhält, verkraften zu können.

Die Familientherapie kann sehr hilfreich sein um auch Änderungen im familiären Umfeld zu erzielen, die u. a. auch zur Erkrankung beigeführt haben können. Kreativtherapie und Entspannungstherapie können Erfolge erzielen wen man sich darauf einlassen kann. Jeder sollte für sich selbst ausprobieren, ob es etwas für ihn/sie gibt.

4.Worauf sollte man achten bei der Auswahl der Therapieform? Woran erkenne ich eine guten Therapeuten/eine gute Therapie?

  • Die „Chemie“ muss stimmen
  • Der Therapeut muss auf den Klient eingehen können
  • Angebot und Nachfrage sollten übereinstimmen (momentan ist es so, dass Fachärzte für Psychiatrie und Therapeuten überlastet sind
  • Die 5 Probesitzungen nutzen um sich kennenzulernen

Abschlussrunde – ein Stein wird in die Runde gegeben: Was hat Ihnen diese Veranstaltung gebracht? (Was nehmen Sie mit? Was lassen Sie hier?)

Verabschiedung und Bedanken bei den Gästen.

Menschen, die mit folgenden Diagnosen leben müssen: Schizophrenie, Paranoia, Borderline, Bipolare Störung, Depression u. ä. mit psychotischen Symptomen tauschen sich mit Angehörigen, Interessierten und in der Psychiatrie Tätigen aus.