Psychose, Familie und Erziehung

Protokoll des Psychoseseminars vom 19.05.2010 von 19.00 – 20.45 Uhr

Protokollant/in: Fr. Mischke

Zunächst erfolgt die Begrüßung des Auditoriums und von Fr. Gaitzsch und Fr. Imming-Carl

1.Was brauchen Kinder?

Genannt wurden:

  • Schutz gegen Krankheit, Kälte, Gefahren
  • Geborgenheit, ein Zuhause
  • Eine Familie, Freunde
  • Freiraum zum Spielen
  • Bildung
  • Zuneigung, Aufmerksamkeit, Gespräche
  • Gesundes Essen
  • Verlässlichkeit, Struktur, geregelter Tagesablauf
  • Anerkennung, Lob
  • Vorbilder
  • Raum für Auseinandersetzung
  • Liebe und Grenzen (vor allem innere Abgegrenztheit der Eltern)
  • Aufgaben, Herausforderung + Schutz
  • Empathie und Aufrichtigkeit
  • Sinnliche, soziale, motorische Erlebnismöglichkeiten (in der Natur, mit Tieren, Menschen)
  • Ein waches Gegenüber
  • Ein offenes Ohr
  • Konstruktive Kritik
  • Spielen, Vorlesen, Schmusen

2.Welche Probleme können entstehen, wenn ein Elternteil an einer Psychose erkrankt?

Für alle Beteiligten ist es ein heftiger Einschnitt im Leben, wenn ein Elterteil psychisch erkrankt. Gerade den Kindern fehlt die halt- und strukturgebende Verlässlichkeit des erkrankten Elternteils. Da der erkrankte Elternteil selbst in der Akutphase verunsichert und verwirrt ist überträgt sich dies auf das gesamte Familienleben und die Kinder. Die Interaktion zwischen Eltern und Kind ist gestört. Wichtig wäre in so einer Situation, dass das soziale Netz um die Familie herum die fehlende Struktur in der Familie ausgleichen kann (z.B. in dem die Oma oder Tante eine Weile die Elternpflichten übernimmt). Älteren Kindern ist das „auffällige“ Verhalten des erkrankten Elternteils peinlich. Für den “gesunden” Elternteil ist es wichtig, dass er für sich sorgt um selbst stabil bleiben zu können. Für den erkrankten Elternteil kann es in der Akutphase schwierig sein den Kindern die nötige Anerkennung zu schenken, wenn sie sich gerade selbst nicht mögen. Manche Medikamente können eine sedierende Wirkung haben, so dass die Eltern zeitweise auch nicht in der Lage sind adäquat auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen. In Akutphasen ist es wichtig, dass auf die Bedürfnisse aller Beteiligte eingegangen und die Hilfe auch angenommen werden kann.

3.Welche Bedürfnisse können gefährdet sein und wie geht man damit um?

Die Bedürfnisse der Kinder können gefährdet sein, wenn der Elternteil in einer Akutphase ist und kein Gefühl mehr für die Wünsche der Kinder hat. Diese Vernachlässigung der Kinder kann ggf. dazu führen, dass das Kind (die Kinder) zeitweise in einer Einrichtung oder Pflegefamilie untergebracht wird (werden). Es können auch nähere Familienangehörige diese Aufgabe übernehmen. Ob und wann die Kinder wieder in die Familie zurückkehren können, hängt vom individuellen Krankheitsverlauf ab und deren Ausprägungen und Auswirkungen auf das Familienleben.

Grundsätzlich kann man sagen, dass man in einer Akutsituation eine schnelle Lösung benötigt die wie folgt aussehen kann:

  • Gespräche mit dem Facharzt und den Eltern
  • Ggf. Notruf tätigen und /oder den Sozialpsychiatrischer Dienst, Polizei und das Ordnungsamt verständigen
  • Einen „Notfallplan“ mit Kindern erstellen mit Telefonnummern für Ansprechpartner

In einer stabilen Situation können folgende Lösungen gefunden werden:

  • Kontakt zum Jugendamt und Installation von Hilfen zur Förderung der Interaktion von Eltern und Kindern z.B. Annäherung durch begleitete Besuchskontakte, SPFH (sozialpädagogische Familienhilfe), Tagespflege, Patenfamilien, Hauswirtschaftshilfe usw.
  • Eine gesetzliche Betreuung für den erkrankten Elternteil
  • Ambulant betreutes Wohnen
  • Freiräume schaffen und eigene Bedürfnisse ausleben (gilt auch für Angehörige)
  • Kinderbetreuung
  • Die Paarebene stabilisieren
  • Soziale Kontakte
  • Prof. Hilfe suchen und annehmen wo es nötig ist
  • Kur

All diese Maßnahmen können helfen wieder einen Einstieg in die Normalität und den Familienalltag zu finden.

Menschen, die mit folgenden Diagnosen leben müssen: Schizophrenie, Paranoia, Borderline, Bipolare Störung, Depression u. ä. mit psychotischen Symptomen tauschen sich mit Angehörigen, Interessierten und in der Psychiatrie Tätigen aus.