Psychose, eine Krankheit, die alle Beteiligten in ihren Bann zieht

Psychoseseminar am 15. Sep. 1999

Ablauf:

Begrüsung

Was ist ein Psychose—Seminar? Kurze Erklärung (Hr. N.)

Gedanken zum Thema Bann – bannen – verbannen – gebannt (siehe unten)

Frage: Was macht eine Psychose mit mir?

– vorbereiten: Kärtchen – DIN A 6 + 5: Plakat mit Frage —

Bitte an TN: Kärtchen kennzeichnen mit

  • E – Erfahrene/r
  • A – Angehörige/r
  • P – Profi
  • I – interessierte/r

Kärtchen abgeben

P a u s e

(Kärtchen werden vom Vorbereitungsteam sortiert nach Gruppen und auf dem Boden ausgelegt)

vorbereiten: Schnur zum Abteilen: Plakat “Psychose” für die Mitte

Vorlesen der Kärtchen durch die Vorbereitungsgruppe

(entsprechend ihrer Gruppenzugehörigkeit)

Zitate: “Psychose ist ..” (z. B. besser als Femsehn und Kino)

Hinweis auf nächsten Termin und das Thema

Verabschiedung

Material usw.:

  • Schreibunterlagen
  • Stifte
  • Schnur oder Faden
  • Kärtchen
  • Stecknadeln
  • Tesakrepp
  • Plakate: Frage s. o. Psychose

bannen:

Schädliches durch Zwangsrituale sowie durch Fluch- und Segenssprüche fern halten und abwehren. (Brockhaus Enzyklopädie)

Bann:

auf frühen Stufen des Rechtsdenkens das gegen Personen, Orte oder Gegenstände verhängte Gebot des Meidens oft gleichbedeutend mit Acht in milderen Fomten mit sozialer Isolation (Meyers Enzykolpädisches Lexikon)

Verbannung:

Bereits in der Antike, aber auch noch im 20. Jahrhundert (z. B. Rußland/Sowjetunion, Südafrika) praktizierte Verweisung einer Person aus bisweilen auch in ein bestimmtes Gebiet aus rechtlichen oder politischen Gründen (..) auf Dauer, für bestimmte Zeit oder bis auf Widerruf. V. war im Früh—MA nicht selbständige Strafe, sondern Folge der Nichtbefolgung einer gerichtlichen Vorladung (Bann, Acht) oder Ersatz für andere eigentlich verwirkte Strafen (z. B. Todesstrafe) (Meyers Enzykolpädisches Lexikon)

Psychose ist..

  • eine sehr schwere seelische Erkrankung, die nicht aus eigener Kraft bewältigt werden kann.
  • besser als Femsehn und Kino.
  • eine Erkrankung, bei der der Bezug zur Wirklichkeit, die Einsichtsfähigkeit sowie die Fähigkeit, mit den üblichen Lebensanforderungen zurechtzukommen, erheblich gestört ist.
  • zwei Wirklichkeiten zu kennen, eine “reale” und eine “andere”.
  • das Gefühl, daß andere die eigenen Gedanken lesen und sogar abziehen können, was zum leiden unter Gedankenverarmung führen kann.
  • das Gefühl, die Gedanken anderer lesen zu können.
  • das Gefühl, fremde Gedanken in den Kopf hineingeschleust zu bekommen.
  • das Empfinden, daß die eigenen Gedanken während des Denkvorganges hörbar sind.
  • sich von Spionen umgeben, beobachtet und verfolgt zu fühlen.
  • jede winzige Kleinigkeit, jede scheinbar belanglose Begebenheit, jede zufällige Verhaltensweise von Mitmenschen als untrüglichen Beweis für die Richtigkeit längst gehegter Befürchtungen zu erleben.
  • an den als Wirklichkeit empfundenen Wahnvorstellungen zu leiden.
  • sich aufgrund des eigenen Wertlosigkeitsgefühls als berühmte Persönlichkeit oder als göttliches Wesen zu empfinden.
  • sich im Kreis der eigenen Gedanken vollkommen auf sich selbst zu konzentrieren und den Kontakt mit der Umwelt aufzugeben, zu verlieren.
  • sich nicht gut oder gar nicht konzentrieren zu können.
  • dünnhäutiger zu sein als andere Menschen.
  • sich innerlich leer, ausgebrannt und freudlos zu fühlen.
  • mut- und hoffnungslos zu sein.
  • antriebs— und energielos zu sein.
  • sich mißtrauisch vor der Welt zurückziehen zu müssen.
  • durch Halluzinationen = Trugwahmehmungen und Wahnvorstellungen geängstigt und fassungslos zu sein, von starkem Mißtrauen gequält zu sein.
  • von sehr schweren Depressionen, durch massive Angstzustände zu manisch (überschweglichen) Gefühlszuständen geschleudert zu werden.

Ergebnisse:

Was macht eine Psychose mit mir?

Antworten von Erfahrenen:

  • zerstört die Grenzen zur Realität; gestörtes Ich-Gefühl; macht mich für andere unerreichbar; verstärkt alle Gefühle die in mir sind, allerdings unkontrollierbar
  • hilflos, durcheinander, wahnsinnig, beängstigt
  • Angst; viele Gefühle kreuz und quer durcheinander; ,Phantasie kennt keine Grenzen; innerlich zerrissen werden; überglücklich sein; sich allmächtig und zu allem fähig fühlen; sich allwissend fühlen; im Mittelpunkt stehen; Zuwendung von allen Seiten; sich zu allem trauen, endlich einmal keine Hemmungen mehr; “Freude schöner Götterfunke”; innerliches Hochgefühl
  • Angstanfälle; Selbstmordgedanken, Einengung des Blicks
  • Es macht mir Dauerstress! Meine Umwelt kommt nicht mehr mit mir zurecht, und ich nicht mehr mit ihr!
  • In meinem Kopf geht was vor, was ich nicht verstehe!
  • Psychose: hält mich gefangen; quält mich; demütigt mich; macht mich sensibel und bereichert mein Leben durch die Sicht der wesentlichen und wichtigen Dinge
  • ängstlich; hoffnungslos

Antworten von Angehörigen:

  • Mitleid; traurig; Angst; gefühllos; krank; ohne Zuversicht
  • wütend; hilflos; verzwielfelt
  • hilflos, ratlos, ohnmächtig, unsicher, traurig
  • Eine Psychose entfremdet einem sich selbst und anderen. Man wird hilflos und versteht nicht, was da mit einem passiert.
  • Sie macht mich hilflos, zuweilen auch aggressiv.
  • Wirklichkeitsverzerrungg Lähmung; Gereiztheit; Aggressivität; misstrauisch
  • verändern; Frage – Hoffnung – Heilung; nachdenklich; wie geht’s weiter; Partnerschaft?
  • verändert mein Leben; gibt neue Impulse; setzt neue Entwicklungen in Gang; löst Trauer, Verzweiflung, Wut, aber auch Hoffnung (neue Lebensperspektiven) aus, schränkt manches (vieles) ein; belastet; macht das Leben weniger “planbar”; macht manchmal Angst; verändert die Beziehung zum Partner
  • Eröffnet eine neue Lebensperspektive; Beeinträchtigt mein bisheriges Leben in großem Maße.
  • Ein Grund um bei ihr zu bleiben?
  • Sohn, 33 J., ledig, Dipl Betriebswirt FH Aachen hatte Ende Jan. d. J. eine paranoide, schizophrene Halluzination (hörte Stimmen sich zu opfern). 10 Wochen geschlossenen Psychiatrie, dann offenen und jetzt Tagesklinik bis Ende September, dann versuchsweise 2mal halbtags je Woche Versuch zu arbeiten. Sohn erkannte die Notwendigkeit der geschlossenen Einweisung zunächst nicht an. Fügte sich aber. Wir erkannten starke Konzentrationsschwächen, Verwirrungszustände, starke innere Unruhe und große Müdigkeit, die auch heute noch anhält. Frage: Ist eine Rehabilitation möglich? Wie sollen wir, die Eltern, sich verhalten?

Antworten von Profis:

  • Manchmal macht das Miterleben einer Psychose Angst.
  • Es fordert meine ganze Aufmerksamkeit und Konzentration, um auch nur Teile dessen zu verstehen, was geschieht.
  • Psychose fordert mich heraus, mich einzulassen und gleichzeitig zu schützen.
  • erweckt Neugierde; ist oft nur schwierig zu erklären
  • Psychose fordert mich heraus, eindeutig zu handeln.
  • Psychose konfrontiert mich immer wieder neu mit einer ungewöhnlichen bizarren, fremden Welt

Antworten von Interessierten:

  • Vor einigen Jahren befand ich mich in einer Klinik, wo mir das erste Mal Psychose- Betroffene begegneten. Ich empfand die Krankheit als etwas Unheimliches, was in mir Angst und Unsicherheit verursachte. Es war eine Angst davor, dass ich in den gleichen Zustand von erhöhter Abnormität und Zerrüttung der Persönlichkeit hineinschlittem könnte.
  • hilflos; Verantwortung übemehmen; Teilnahme; bewußter leben
  • traurig / wütend / ohnmächtig / hilflos / verständnislos, —voll

Menschen, die mit folgenden Diagnosen leben müssen: Schizophrenie, Paranoia, Borderline, Bipolare Störung, Depression u. ä. mit psychotischen Symptomen tauschen sich mit Angehörigen, Interessierten und in der Psychiatrie Tätigen aus.