Psychose – ein anderes Universum- Erkennungsmerkmale

Protokoll des Psychoseseminars vom 16.03.2005

Begrüßung des Auditoriums und der begleitenden Ärzte Fr. Dr. Knittel und Herr Dr. Galke tätig in den Rheinischen Kliniken Düren

Zu Beginn des Seminars wird ein großer Gymnastikball beschriftet (Psychose – ein eigenes Universum). Gedacht als Warm up zum Thema wird der Ball ins rollen gebracht. Dazu wird die Frage gestellt: Wer möchte über sein Universum erzählen? Wir wollen einmal ergründen wie es in so einem Universum aussieht? Diejenigen die sich nicht äußern wollen rollen den Ball einfach weiter. Einige Schilderungen werden von den Anwesenden gegeben. Diese vermitteln einen Eindruck über die Gefühle und Befindlichkeiten, wenn eine psychotische Episode eintritt.

Es wird mit der Frage gearbeitet: Woran erkenne ich, dass ein Betroffener in seinem Universum angekommen ist oder woran erkennt er es selbst und die individuellen Erkennungsmerkmale

Nach der Pause wird eine Kartenabfrage durchgeführt.

Arbeitsergebisse waren:

  • wenig Schlaf bzw. Schlaflosigkeit
  • ziel- und pausenlos
  • Unendschlossenheit
  • Nicht in der Lage sich klar zu formulieren
  • Gespräche nur an der Oberfläche
  • In sich verschlossen sein
  • Nicht in der Lage sein einer geregelten arbeit nachzugehen.
  • Schwindendes Zeitgefühl
  • Immer größer werdende Unsicherheit bzgl. Außenwelt („ur nicht auffallen“
  • „nur keine Entscheidungen fällen!“
  • ständige Ungewissheit

Antworten dazu bei mir selbst:

  • starke Rückzugstendenzen
  • ich bin in ständiger Ungewissheit
  • die Gedanken sind frei, ich denke nicht und habe trotzdem die volle Kontrolle
  • ich lege die Worte auf die Goldwaage
  • habe Angst
  • Einbruch ins Selbstbewusstsein
  • Ausweglosigkeit
  • Bedrohliches Gefühl und Ängste
  • Gedanken gehen immer in eine Negativrichtung
  • Beim ersten Mal würde ich wahrscheinlich die Psychose nicht erkennen
  • Die anderen reden komisch
  • Stimmen hören
  • Gefühl von Bedrohung
  • Verfolgungsängste
  • Leicht reizbar sein
  • Starker Rededrang
  • Kommunizieren mit Stimmen die gehört werden, jedoch von niemand anderem
  • Sehen von Dingen/Menschen, die nicht real sind
  • Gedankenabrisse
  • Starker Bewegungsdrang
  • Sich durch TV, Steckdosen, Videoanlagen(imaginäre) bedroht fühlen
  • Nervosität
  • Magenprobleme
  • Suizidgedanken
  • Keine Anteilnahme an der Umgebung
  • Starke Wirkung auf das Kurzzeitgedächtnis
  • Starke innere Unruhe
  • Viele Wünsche
  • Selbstbewältigung durch Medikamente und Drogen
  • Leichte Verletzbarkeit
  • Hört aggressive Musik
  • Kaufneurose
  • Grübeln ohne das es ein Ergebnis gibt
  • Albträume
  • Immer in der Mitte stehen
  • Alle gucken mich an
  • Alle hören was ich denke
  • Alle sind mir feindlich gesinnt
  • Es gibt einen Plan für mich (Nachrichten und Botschaften, Geheimnisse)
  • Angst essen Seelen auf
  • Ich kann mich nicht mehr freuen
  • Es beginnt in mir zu sprechen, musizieren und rauschen
  • Das bin gar nicht ich!
  • Das ist alles nicht wahr
  • Extreme religiöse Vorstellungen

Antworten bei anderen:

  • Mein Mann erzählt von Gegebenheiten die so nicht sein können
  • Wenn mein Mann nur noch Sprudel trinkt, aufhört zu rauchen und abnehmen will, dann wird es ernst.
  • Bei Schlafmangel kreist mein Mann in seinen eigenen Gedanken und kommt dann nicht mehr alleine raus.
  • Im Gespräch kommt es mir so vor, als ob ein Betroffener in sich gefangen ist und es ihm schwer fällt Kontakt zu halten.
  • Das Gesagte und z. T. die Handlungen erscheinen mir fremd.
  • Die Handlungen brechen ab.
  • Verabschiedung aus dem gemeinsamen Universum
  • Findet Verbindungen die sicher abwegig sind
  • Zeigt sich ratlos, ängstlich oder gereizt oder sehr abwesen.
  • Antwortet jemandem den ich nicht sehe
  • Schaut sich suchend um, um Quellen von Geräuschen zu finden, die ich nicht höre
  • Berichtet über Stimmen, Sender o. ä.

Extrem: völlig erstarrt, spricht nicht mehr oder tobt, versucht sich gegen Bedrohung zu wehren.

Es erfolgt ein Blitzlicht mir kleinem Stein unter der Option: Was war heute wichtig für mich, was nehme ich mit? Hinweis auf das nächste Seminar am 20.04.2005 unter dem Thema: In welcher Schublade stecke ich? – Umgang mit der Diagnose –

Literaturhinweis: P. Mannsdorff (Psychiatrie-erfahrener Autor) Jugendbuchtitel: Robbi und sein ungezähmter Vater

Menschen, die mit folgenden Diagnosen leben müssen: Schizophrenie, Paranoia, Borderline, Bipolare Störung, Depression u. ä. mit psychotischen Symptomen tauschen sich mit Angehörigen, Interessierten und in der Psychiatrie Tätigen aus.