Psycho-Pillen – Fluch oder Segen?

Psychoseseminar am 18. November 1998

Vorbereitung:

Poster an die Wand hängen mit der Frage:

Habe ich Psycho-Pillen als Fluch oder/und Segen erlebt?

-> Stummes Schreibgespräch

Pause

Gespräch unter dem Aspekt: Was hat mich besonders angesprochen?

anwesendes Fachpersonal: Fr. Dr. B. (Rhein. Kliniken), Fr. K. (Mitarbeiterin Die Kette, Kreuzau)

Moderation: Fr. M.

Teilnehmerinnen (insg.): 23 Personen

Infos zum Seminar: v. a. über persönliche Information

Durchführung:

Stummes Schreibgespräch wie oben —> Gespräch zum Thema

Ergebnisse:

Aus meinen persönlichen Erfahrungen kann ich sagen: Psycho-Pillen verursachen schädigende Auswirkungen. Sie sind nicht immer erforderlich!

  • bestimmt richtig —> also sollte man immer abwägen, wann es angebracht ist und wie das Mittel bei einer bestimmten Person wirkt. Und eine ständige Kontrolle.
  • Man muß den Zeitpunkt des Absetzens genau herausfinden.
  • Nur bedingt richtig. Lieber über einen zeitraum hinweg Medikamente nehmen als eine akute Psychose zu bekommen.
  • Ich denke , jeder muß viel lernen selbst gut damit fertig zu werden und umzugehen.
  • Bei Veränderungen muß die Rücksprache mit dem Arzt geschehen.
  • Mit dem Arzt absprechen, welche Mittel wirksam sind und eine angemessenen Dosierung absprechen.

Ich nehme keine Pillen, aber in meinem Umfeld habe ich es mehr als Segen empfunden. Leider auch mit Nebenwirkungen.

  • Das mit den Nebenwirkungen würde ich bestätigen, aber wenn das Mittel hilft, würde ich auch so sehen, wenn sie nicht zu stark sind.
  • Ich würde lieber verzichten, aber das Rückfallrisiko ist zu groß; also muß ich vor allem das Übergewicht tragen.
  • Übergewicht durch vernünftige Diät und Sport ausgleichen
  • Manchmal habe ich Nebenwirkungen fast so schrecklich angesehen, wie die Erkrankung selbst, dennoch ist es manchmal eine wichtige Durchgangszeit.
  • Nebenwirkungen können nicht unterbunden werden.

Am Anfang habe ich die Psycho-Pille als Segen empfunden. Danach als Fluch. Teilweise weil ich zugenommen habe und sie nicht mehr die Wirkung hatte wie am Anfang.

  • Ich bin der gleichen Meinung wie oben. Allerdings muß bei nachlassender Wirkung ein Arzt aufgesucht werden.
  • Gewichtszunahme war auch bei mir die schlimmste Nebenwirkung. ich käme lieber ohne aus und könnte dann leichter abnehmen.
  • Am Anfang habe ich Psycho-Pillen eher als Fluch empfunden, da ich die Notwendigkeit, Tabletten nehmen zu müssen noch nicht eingesehen hatte.
  • Es ist schwer zu sagen, ob die Psycho—Pille Fluch oder Segen ist.
  • Gespräche führen ist erstrebenswert.

Ich habe Psycho-Pillen als Fluch und Segen erlebt. Sie waren beides für mich. Sie gehen extrem auf die Birne.

  • Die Pillen wirken logisch auf den Kopf, weil von dort das Erleben gesteuert wird, sonst gleiche Meinung.
  • Für mich waren sie Segen, weil sie mir einen Halt gaben. Allerdings wurde meine Kreativität eingeschränkt.
  • Besser leichte Dämpfung, als ständige Angst- und Erregungszustände.
  • Womit ist das Leben lebenswert?
  • Ohne Psycho—Pillen kann eine Psychose nicht immer geheilt werden.

Durch zu viele Medikamente starke körperliche und geistige Störungen verursacht.

  • Nebenwirkungen sind bei fast allen Psychopharmaka nicht auszuschließen. Wenn die Behandlung weiter fortgeschritten ist, lassen die Nebenwirkungen nach. Dauerhafte Schädigungen des Gehirns sind glaube ich nur selten der Fall.
  • Was ich für Nebenwirkungen habe, habe ich noch nicht herausgefunden.
  • Ich denke, man muß auch eine Zeit ohne Medikamente ausprobieren und ärztlicher Kontrolle.
  • Wenn man bereit ist, unter ärztlicher Kontrolle die Medikamente zu reduzieren und sich bewußt in die Gefahr einer Krise begibt, kann man lernen mit den Medikamenten selbst umzugehen. Das ist wichtig für die Dosierung. Die Nebenwirkungen bleiben bei richtiger Dosierung sehr gering.

Thema: Habe ich Psycho-Pillen als Fluch oder Segen erlebt?

  • eher als minder da ich zur Festlegung (im Krankenhaus) keinen Einfluß auf die Art hatte.
  • es wird begründet (von außen), daß sie wohltun!
  • Daß man keinen Einfluß im Krankenhaus hat, habe ich auch erlebt.
  • Da müßte man den Arzt wohl löchern: was, wie, warum und auch mit anderen Leuten darüber reden, denen man vertraut.
  • lm Krankenhaus wird überwiegend ruhig gestellt durch die Vielzahl der Patienten.
  • Der Patient braucht auch eine eigene Meinung über Medikamente. Nur er selber kann feststellen, ob sie gut oder schlecht sind. Dem Arzt nie blindlings vertrauen.
  • Ohne Zusammenarbeit zwischen Patient und Arzt kann eine optimale Therapie kaum gefunden werden!

Psycho-Pillen waren für mich ein Segen, weil sie mir ein hilfreiches Stützkorsett waren. Sie schränkten allerdings sehr meine geistige Beweglichkeit und meine Kreativität ein. Sie waren ein Fluch für mich , weil mein Körper davon abhängig wurde und ich sie nicht weglassen konnte. Nur um den Preis einer neuen Psychose. Ich habe über 6 Jahrelang vorsichtig reduziert, gelernt mit Krisen und Medikamenten umzugehen und bin heute nach 23 Jahren psychischer Erkrankung ohne Medikamente.

  • ein schwerer Weg, der sich wohl gelohnt hat.
  • Ohne Medikamente kann ich nur befürworten. Es war die richtige Entscheidung.
  • Ein beeindruckender Weg, der offensichtlich eine starke Auseinandersetzung mit der Krankheit vielleicht auch ihre Annahme erforderte.
  • Hier wird die Problematik deutlich und daß es keine pauschale Antwort gibt ob gut oder böse.

Aus Beobachtungen: Der Kranke wirkt müde, manchmal verwirrend; muß viel schlafen!

  • Das stimmt: Es ist erstrebenswert, wenn man bemerkt, daß der Mensch es einsieht, daß eine Verbesserung eintritt.
  • Die Pille ist nach wie vor wichtig, die Nebenwirkungen muß man halt in Kauf nehmen.
  • Man kann die Dosis verringern mit Absprache mit Arzt.

Ich bin froh, daß es diese Pillen gibt. Leider haben sie sehr viele Nebenwirkungen.

  • Nebenwirkungen müssen mit dem behandelnden Nervenarzt besprochen werden. Der kann dann evtl. die Dosis herabsetzen. Blutbild—Kontrollen müssen eingehalten werden.
  • Müssen Nebenwirkungen hingenommen werden? Bis zu welcher Grenze muß man sie aushalten?
  • Ich habe festgestellt, daß die Nebenwirkungen wegbleiben, wenn ich die Medikamente wirklich brauche. Nehme ich jedoch zuviel, treten Nebenwirkungen auf.
  • Die Nebenwirkungen sind schwer zu ertragen, aber immer noch besser als in die Psychose abzugleiten.
  • finde ich auch so

Psycho-Pillen sind für viele Kranke sicherlich eine ganz wichtige Unterstützung. Besonders in akuten Krisen. Wichtig erscheint mir dabei, daß die Medikamente gut dosiert werden. Weitere Unterstützung durch Gespräche usw. sollte nicht fehlen.

  • O. k.
  • Psychopillen machen eine soziale Integration in den Alltag und evtl. Beruf möglich.
  • Pillen plus Gespräche / Beratung wären optimal.
  • Sehe ich auch so.
  • Beratung habe ich selten erfahren. Ich wurde eigentlich immer zu den Pillen abgeschoben, jetzt bin ich erst in die Gesprächstherapie eingestiegen nach 3 Jahren Pillen.

Fluch -> weil zu starke Nebenwirkungen wie Müdigkeit, sehr hohe Gewichtszunahme durch niedrige Verbrennung durch Stoffwechselverlangsamung, großen Hungen Wasseransammlung.

Segen -> Psychosesymptome z. B. Unruhe, Schlaflosigkeit, Stimmungsschwankungen waren behoben.

  • Der Fluch ist immer da. Weil er der Medizin dient.

Als Segen, aber nicht als Psycho, da nur somatische Wirkung (die Magenschmerzen gingen weg), aber gefühlt habe ich mich wie sonst auch. Bei einer Freundin hatte dasselbe Mittel eine euphorische Mürkung.

  • Es gibt auf die jeweilige Person und Krankheit abgestimmte Medikamente, nicht bei allen ist die Wirkung gleich.
  • Ich habe auch Magenschmerzen gekriegt.
  • Würde Ihnen wünschen, etwas besser wirksames zu finden (oder habe ich Sie falsch verstanden)
  • Eine paradoxe Wirkung im somatischen Bereich!

Als Fluch:

  • wegen der Nebenwirkungen
  • Verlust der Persönlichkeit

Als Segen:

  • Ruhe und Ausgeglichenheit bekommen
  • Möglichkeit bzw. Fähigkeit der Eigenaktivitäten
  • Verhandlungsfähigkeit wieder erlangt
  • habe auch beides
  • habe Persönlichkeitsveränderungen gespürt, vor allem ewig müde; habe 19 Stunden vom Tag geschlafen, kein Persönlichkeitsverlust.
  • Die Pille ist notwendig, aber auch regelmäßige Arztbesuche. Vielleicht können dann Nebenwirkungen teilweise abgestellt werden.
  • Man sollte sich nie aufgeben.
  • Sie müssen bei Zeiten abgesetzt werden.
  • Es geht auch ohne. Dauereinnahme ist nicht notwendig und kann ich nicht gut heißen.

Fluch: Gefahr der Abhängigkeit, unerwünschte Nebenwirkungen wie z. B. Gewichtszunahme.

Segen: ausgeglichenere Stimmungslage

  • Beiden Aussagen kann ich zustimmen. Psycho-Pillen können Fluch und Segen sein.
  • Es ist zu überlegen, welche Alternativen gibt es? Wenn ich keine Psychopillen nehme, bekomme ich einen Rückschlag mit dem Risiko einer erneuten Verschlechterung.
  • Ob Psycho-Pillen erforderlich sind, hängt sicher von der Erkrankung ab. Wenn welche verordnet werden ist zu klären, welches Präparat in welcher Dosierung.
  • Diejenigen, die die Psycho-Pillen verschreiben, sollten wenigstens einmal davon

selber einnehmen, um ihre Wirkung besser übersehen zu können.


Segen bei der Behandlung akut bedrohlicher Situationen und auch in der Rückfallprophylaxe.

Fluch im hinblick auf die vielen unerwünschten Nebenwirkungen, die die Bereitschaft zur Einnahme der Medikamente verständlicherweise senken.

  • Eine Alternative zur medikamentösen Behandlung akuter Krankheiten gibt es sicherlich nicht. Bei dauerhafter Anwendung ist eine Abwägung der Vor- und Nachteile erforderlich.
  • Kann dem 2. zustimmen.
  • Ja. Stimme dem 3. zu.
  • evtl. jahrelanges Ausprobieren ehe das passenden gefunden ist
  • schwierig, wenn Nebenwirkungen in kauf genommen werden müssen
  • Medikamente können ein Stück Freiheit zurückgeben, ermöglichen Teilnahme an gesellschaftl. Leben
  • Medikamente können Krisen, die mit furchtbaren Erlebnissen einhergehen mildern
  • Allen 4 Punkten kann zugestimmt werden, allerdings dauert es nicht immer jahrelang das richtige Medikament zu finden.
  • zu 1) darf nicht solange dauern. zu 2) ja zu 3) möglich zu 4) ja + Therapie

1. Segen: Mit Psycho-Pillen keine akute Psychose mehr

2. Fluch: permanente Einnahme führt zu Abhängigkeit

  • zu 1: schwer festzustellen; zu 2: das kann bei Psycho—Pharmaka der Fall sein.
  • zu 1: daran sieht man, daß eine Einnahme gut überlegt und besprochen werden muß und auf den einzelnen abgestimmt.
  • überhaupt von entscheidender Bedeutung und glücklicherweise heute möglich: die Auseinandersetzung zwischen Patient und Arzt
  • es gibt auch Psycho-Pillen, die nicht abhängig machen

Ich habe beides erlebt.

  • Es ist in der Tat richtig, man kann mit der Einnahme beides erleben. In den meisten Fällen geht es meiner Ansicht nach ohne.
  • es scheint nicht, als habe der Segen gesiegt
  • Ich weiß nicht, ob man unbedingt Psycho-Pillen nehmen muß
  • Wenn von ärztlicher Seite aus gesagt wird, daß Psycho-Pillen genommen wedenen sollen, dann ist es wohl besser, auch nicht eigenmächtig abzusetzen, kommt meistens wieder zum rückfall (24—jähriger Krankheitsverlauf).
  • das trifft das Problem, es gibt keine richtige Einschätzung zu diesen Medikamenten.

1) Segen!

Nebenwirkungen müssen besprochen und beachtet werden.

  • 2) Nach einer gewissen Zeit muß mehr auf die Nebenwirkungen geachtet werden. Der Patient muß protestieren oder die Angehörigen.
  • zu 1) Ja, das stimmt, wenn die Nebenwirkungen gering sind oder geringere Veränderungen vorgenommen werden können. zu 2) Mitspracherecht beim Arzt, Einfluß bei Besprochenem.
  • Nebenwirkungen sind meist ausgeschlossen.
  • Man muß lernen mit den Nebenwirkungen zu leben. (Medikament gegen Nebenwirkungen — z. B. Akineton)
  • Muß man auf jeden Fall mit allen Nebenwirkungen sich abfinden und leben lernen?
  • Für mich sind Medikamente heute nicht mehr nötig, weil ich gelernt habe in Krisenzeiten mit meiner Krankheit und meinen Medikamenten (die ich dann wieder nehme) umzugehen.

Psycho-Pillen als Fluch — während des 1. Klinikaufenthaltes — weil noch unbekannt (1974) — inzwischen als notwendig erachtet und für notwendig empfunden. (Nebenwirkungen inzwischen in Kauf genommen).

  • Wurde die Suche nach einem Nebenwirkungspräparat aufgegeben? Welche Nebenwirkungen sind eigentlich erträglich? Ist dies immer in Relevanz zur Symptomatik zu sehen.
  • Dauereinnahme der Medikamente sind nicht notwendig. Es gibt alternative Methoden, die zu wenig beachtet werden. Nebenwirkungen sind nicht einfach hinzunehmen.
  • Falls Medikamente dauernd erforderlich, sollte gemeinsam mit dem Arzt die niedrigste Dosierung ausprobiert werden um die Nebenwirkungen zu minimieren.

Als Fluch habe ich Medikamente nur immer am Anfang der Behandlung empfunden. Die ersten wochen bei stationärem Aufenthalt waren oft schlimm, da die Medikamente in hoher Überdosierung verabreicht wurden. Das Medikament Akineton, welches mir oft (aus welchen Gründen auch immer) nicht von Anfang an verabreicht wurde, lindert sehr stark die Nebenwirkungen der anderen Psychopharmaka.

  • Ich habe auch bei sehr starken Medikamenten (Gianimon, Neurocil etc.) bei einem Klinikaufenthalt auch kein Akineton — trotz Wunsch — bekommen, um die Steife des Körpers etwas zu lockern; ich wurde immer weggeschickt.
  • Gut eingestellt können Psychopharmaka hilfreich sein. Das zu erreichen braucht offensichtlich eine Weile. Für mehrfache Behandlungen wäre eine Behandlungsvereinbarung hilfreich. Darin sind bewährte Medikamente festzuschreiben, so daß Überdosierungen weniger nötig werden.
  • Es muß vielmehr auf den Patienten eingegangen werden, wenn viele Nebenwirkungen angesagt sind: oft sind die Angehörigen bessere Vermittler.

Psycho Pillen habe ich als Segen erlebt. Medikamentöse Therapieunterstützung ist meines Erachtens hilfreich zur Behandlung von Krankheiten und zur Linderung von Schmerzen.

  • Psychopillen sind nicht nur Segen. Sie brauchen die Unterstützung durch eine Therapie.
  • Es dauert eine lange Zeit, vielleicht Jahre, bis sich was ändert.
  • Psychopillen wirken nicht sofort, manchmal gar nicht. In Geduld muß herausgefunden werden, die für einen richtig sind. Dann ist regelmäßige Einnahme wichtig.

Menschen, die mit folgenden Diagnosen leben müssen: Schizophrenie, Paranoia, Borderline, Bipolare Störung, Depression u. ä. mit psychotischen Symptomen tauschen sich mit Angehörigen, Interessierten und in der Psychiatrie Tätigen aus.