Psychische Erkrankung bei Jugendlichen – Gibt es Früherkennung und Hilfen?

Protokoll des Psychoseseminars vom 20. November 2013 von 19.00 – 21:15 Uhr

Moderation und Protokoll: Frau Dangel

Zunächst wird der anwesende Gast Herr Dr. med. Bodatsch, Früherkennungs- und Therapiezentrum für psychische Krisen Köln, begrüßt.

Da sich zu diesem Seminar keine weiteren Besucher einfinden verläuft das Seminar als Gesprächsrunde. (Würde ich weglassen!)

Das Früherkennungs- und Therapiezentrum (FETZ) Köln existiert seit 1990. Das Angebot wird auch in Schulen vorgestellt – Spezialgebiet ist die Psychose. Es gibt klare Frühwarnsymptome für Psychosen, daher ist die Vorhersagesicherheit für Psychosen am ehesten möglich. Das FETZ richtet sich an Personen ab 18 Jahre bis ca. 40 Jahre. In diesem Zeitraum ist das Auftreten von Psychosen am häufigsten. Eine Depressionsvorhersage ist hingegen schwierig. Eine suizidale Krise muss nicht automatisch in eine Psychose führen.

Negative Faktoren, die eine Psychose begünstigen sind:

1. Personenungebundene Faktoren

  • Leben in der Stadt
  • Leben in sozial schwierigen Situationen (am Beispiel South London: Dort herrscht eine hohe Kriminalität vor, hohe Arbeitslosigkeit und eine hohe Migrationsrate. Psychosen treten dort häufiger auf als in anderen Londoner Stadtteilen)
  • Familienbedingte Einflüsse
  • Das Geschlecht Welches??? Ich glaube das ging nach Alter!?

2. Personengebundene Faktoren

  • Geburtstraumata
  • Frühkindliche Traumata
  • Emotionaler Missbrauch
  • Drogenkonsum vor dem 14. Lebensjahr (besonders Cannabis)
  • Allgemeine Lebenskrisen

Frühwarnsymptome sind:

  • Schlechte Konzentration
  • Im Schulunterricht nicht den Inhalten folgen können
  • Negative kognitive Entwicklung
  • Wortfindungsstörungen
  • Gedankensprünge (Assoziationen werden weiter)
  • Veränderte Wahrnehmung, z. B. Farben intensiver, Konturen verschwimmen
  • Geräusche / Stimmen hören
  • Vertrauensverluste / sich verfolgt fühlen
  • Selbstisolierung von Familie und/oder Gleichaltrigen
  • Rückzug von Hobbys und alterstypische Aktivitäten
  • Weglaufen von zu Hause
  • Alkohol – und Drogenmissbrauch
  • extreme Veränderung in Verhalten und Aussehen

Die Betroffenen bemerken Veränderungen und empfinden diese als störend. Denkprozesse stellen sich verändert dar. Diese Symptome treten nicht täglich auf. Oft gibt es lange „Pausen“. Es kann bis zu 5 Jahre dauern, bis eine Psychose ausbricht. Das FETZ sagt „nur“ für 1,5 Jahre mögliche Verläufe voraus. Die Diagnose „Risikozustand“ ist noch keine „Erkrankungs – Diagnose“. Behandlungsmöglichkeiten gibt es im Rahmen der wissenschaftlichen Programme, z. B. die Teilnahme an einer Studie. Auch werden in der Beratung konkrete Angebote wie Verhaltenstherapie, Medikamenteneinnahme, Vermittlung an weitere Fachstellen gemacht. Das Ziel ist die möglichst frühe Behandlung, damit die Psychose nicht ausbricht.

Im FETZ werden jährlich ca. 250 Personen untersucht, davon haben ca. 10% ein erhöhtes Psychose-Risiko. Im FETZ arbeiten sechs Ärzte einschließlich Leitung. Die Überweisungswege in das FETZ können über die Klinik, den Psychotherapeuten oder den Psychiater erfolgen. Die Terminvergabe ist zeitnah innerhalb von 2 Wochen. Patienten aus ganz Deutschland suchen das FETZ in Köln auf. Es gibt aber auch u.a.in Bonn, Aachen München und Bochum Früherkennungszentren.

Bzgl. der Medikamentengabe bei Psychose wird festgestellt, dass bei längerer Einnahmedauer das Rückfallrisiko geringer ist.

Das Bundesministerium unterstützt die Forschungsarbeit – es gibt das Kompetenznetz Schizophrenie.

Psychische Erkrankungen können einen Einschnitt in das Leben der Betroffenen darstellen. Besonders bei Psychose und bipolaren Störungen ist es wichtig „Lebensregeln“ einzuhalten, um weitere Ausbrüche zu vermeiden. Aber auch „ungesunde“ Lebensweisen müssen in der Psychiatrie Berücksichtigung finden.

Abschlussrunde: Ein Stein wird in die Runde gegeben mit der Frage: Was hat Ihnen diese Veranstaltung gebracht (was nehmen Sie mit? Was lassen Sie hier?) und Verabschiedung.

Menschen, die mit folgenden Diagnosen leben müssen: Schizophrenie, Paranoia, Borderline, Bipolare Störung, Depression u. ä. mit psychotischen Symptomen tauschen sich mit Angehörigen, Interessierten und in der Psychiatrie Tätigen aus.