Medikamente nehmen oder nicht nehmen?

Protokoll des Psychoseseminars vom 20. April 2016 von 19.00 – 21:15 Uhr

Moderation und Protokoll: Frau Dangel

Ablauf:

Begrüßung des Auditoriums und der anwesenden Gäste Frau Dangel

Vorstellung des Psychoseseminars Herr Schmidt

Ablauf des Seminars mit Pausen und Getränken und Protokoll erklären Frau Dangel

Einstieg – Frau Dangel: Wir möchten heute mit den Frage beginnen: Welche Erfahrung haben Sie mit der Einnahme oder Nichteinnahme von Medikamenten gemacht? Wie haben hier zwei Blätter vorbereitet, mit den Überschriften:

  • Medikamente nehmen
  • Medikamente nicht nehmen

Sie erhalten nun Zettel (gelb für JA und grün für NEIN) und können Ihre Erfahrung notieren (pro Erfahrung ein Zettel).

Anschließend kann jede / r, wer möchte, über seine Erfahrungen berichten und die Zettel zuordnen.

Es werden folgende Nennungen aufgeschrieben:

Medikamente nicht nehmen:

  • Sensibilisierung
  • Rückfall
  • Gefühl von Selbstbestimmung
  • Hat manchmal schlimme Einbrüche zur Folge
  • Wird in der Klinik nicht gerne gesehen
  • Nebenwirkungen vermeiden
  • Chronifizierung, Nebenwirkung, Rückfall
  • Gefühlsschwankung
  • Zu viel ist nicht gut
  • Veränderung der Persönlichkeit
  • Dosierung muss stimmen

Medikamente nehmen:

  • Antriebssteigerung
  • Schlaf- und Angststörungen durch Medikamente
  • Nebenwirkungen
  • Heißhungerattacken
  • Abhängigkeit / Gewöhnung
  • Sicherheit
  • Ticks
  • Gefühlsverflachung
  • Ich habe Vertrauen in meinem Arzt und nehme meine Medikamente
  • Medikamente können ein normales Leben ermöglichen, wenn sie gut eingestellt sind
  • Wie lange?
  • Gute Unterstützung bei Depression und Psychosen
  • Neuroleptika helfen, aus dem Schub herauszukommen
  • Weniger Stress mit Schübe
  • Stabilität, Ich, Funktionieren
  • Bedeutet, mit den Nebenwirkungen klar zu kommen
  • Beschwerdefrei zu sein
  • Über längere Zeit stabil zu sein
  • Akute Angst schwindet / diffuse Ohnmacht / Autonomieverlust bleibt

Es werden folgende Erfahrungen beschrieben:

  • Durch die Mirtrazapin höre ich oft den Wecker nicht, habe mehr Hunger und muss dadurch öfter auf die Toilette. Wenn die Kinder bei mir schlafen, habe ich Angst, sie in der Nacht nicht zu hören. Daher lasse ich dann eine Abendeinnahme aus.
  • Die Nebenwirkungen früher waren deutlich stärker als heute.
  • Mitrazipin hilft mir, mich besser zu fühlen, mich besser zu konzentrieren und mir besser Sachen zu merken. Daher nehme ich es, weil es mir hilft. Das betrifft auch andere Medikamente wie Schmerzmittel.
  • Mit 18 Jahren hatte ich eine suizidale Reifekrise. 2002 war mein letzer Schub. Ich hatte die Medikation erbrochen und nach 24 Stunden kam die Psychose. Ich musste nicht lange in der Klinik bleiben, weil ich sofort auf mein Umfeld hörte und in die Klinik ging. 2006 ging ich erneut in die Klinik. Es gab eine neue Dosierung. Die funktioniert sehr gut. Wichtig ist, die Symptome zu erkennen.
  • Nebenwirkungen müssen offen besprochen und dem Arzt mitgeteilt werden.
  • Ich wurde von der Polizei aufgegriffen, bekam in der Aktuphase Haldol. Das hat gut geholfen. Es war sofort Ruhe.
  • Für mögliche Nebenwirkungen gibt es Akineton
  • Heute ist Haldol nur noch Akutmedikation. 10 – 15 mg (und nicht mehr als 100mg).
  • Wenn Medikamente nicht helfen, gibt es auch die Möglichkeiten der EKT in Aachen (Elektroschocktherapie). Das wird unter Narkose gemacht.
  • Wie lange muss man Medikamente nehmen? Bei einer ersten Psychose ½ – 1 Jahr (mit dem Facharzt besprechen). Bei einer zweiten Psychose 5 Jahre.
  • Es wurde über das Medikament Kloxapin gesprochen. Bei Psychose hilft es sehr gut. Es hat auch Nebenwirkungen (Blutbildveränderung, Gewichtszunahme). Es muss über das Blutbild eine regelmäßige Kontrolle erfolgen. Sollte der Patient einen Grippe bekommen, besteht Gefahr bei der Einnahme von Kloxapin.
  • Der Arzt muss die richtige Diagnose stellen.
  • Nach der Gabe von Litiium gibt es eine Blutbildveränderung.
  • Im Bereich Sucht werden Medikamente dauerhaft oder nach Bedarf genommen.
  • Angesprochen wird ein Projekt aus vergangenen Jahren (Gesundheitsamt / Gesundheitskonferenz), in dem ein „Laufzettel“ erstellt werden sollte für Patienten, die dort ihre Medikamente eintragen.
  • Eine Besucherin berichtet, dass ihre Apotheke weiß, welche Medikamente sie nimmt. Diese stehen auf der Kundenkarte.
  • Der Hausarzt sollte auch eine Übersicht der Medikamente haben.
  • Gibt es irgendwo einen Medikamentenpass?
  • Wenn die Nebenwirkungen schlecht sind, soll der ambulante Behandler die Medikamente umstellen.
  • Der Medikamentenspiegel sollte stabil sein. Je stabiler desto besser.
  • Ältere Menschen vertragen häufig Neuroleptika nicht. Es gibt aber neue Medikamente, die mit geringer Dosierung helfen.
  • Am Krankenhaus Düren wird ein gerontopsychiatrisches Zentrum erbaut. In der LVR gibt es eine gerontopsychiatrische Ambulanz .

PAUSE

Nun möchten wir auf der Flipchart sammeln:

WAS HILFT (mir) im Umgang mit Medikamenten und Klink bzw. der Erkrankung

  • Gruppentherapie
  • Psychotherapeutische Angebote
  • Soziales Umfeld / Vernetzung
  • Hobbys / Ehrenamt
  • Psychiater
  • Sport / Disziplin
  • Yoga
  • Musik
  • Qi Gong
  • Ohrakkupunktur
  • Selbstliebe

Ca. 21:00 Uhr

Abschlussrunde: Ein Stein wird in die Runde gegeben: Was hat Ihnen diese Veranstaltung gebracht (was nehmen Sie mit? Was lassen Sie hier?)

Bedanken bei der Seminargruppe (und dem Gast / den Gästen) – Hinweis auf das nächste Seminar am 18. Mai zu dem Thema „Selbstbestimmt durch Behandlungsvereinbarung!“.

Menschen, die mit folgenden Diagnosen leben müssen: Schizophrenie, Paranoia, Borderline, Bipolare Störung, Depression u. ä. mit psychotischen Symptomen tauschen sich mit Angehörigen, Interessierten und in der Psychiatrie Tätigen aus.