Mache ich was falsch? Umgang mit Psychoseerkrankten

Protokoll des Psychoseseminars vom 17.11.2004

Begleitende Ärztin: Fr. Dr. Pauels

In der Vorbereitungsgruppe hatte man sich überlegt, dass das Thema nicht ganz einfach sein würde, da es vielleicht um Schuldgefühle gehen könnte. Auch wäre es nicht unbedingt wünschenswert, wenn die TeilnehmerInnen im Negativbereich arbeiten würden.So kam man zu der Überzeugung, das Thema am Veranstaltungsabend anders, positiver, zu benennen. Das Thema wurde dann in: Was mache ich richtig umbetitelt.

Dies rief aber eine ganze Menge Widersprüche am Veranstaltungsabend in der Gruppe hervor. Die eine Gruppe beschwerte sich, man wolle zu dem Thema vom Abend arbeiten, die andere Gruppe konnte sich auch für die Alternative erwärmen. Schließlich gab es eine Abstimmung, in der die Gruppe „Was mache ich richtig“ die Mehrheit bekam. Dies wiederum rief die andere Gruppe nochmals mit Gegenargumenten auf den Plan. Die Moderatorin entschloss sich kurzerhand für die Splittung des Themas, da es ja auch zwei Gruppen gab.

Die Themen wurden folgend benannt:

  • 1.Mache ich was falsch?
  • 2.Was ist mir wichtig?

Diese Titel wurden auf Karten geschrieben, getrennt voneinander und weiter voneinander entfernt in der Raummitte abgelegt. Die neu gestellte Aufgabe war: Punkte, die jedem Einzelnen betrafen auf weißen Karten aufzuschreiben, danach vorzutragen wer mochte und dann entweder dem einen oder dem anderen Thema zuzuordnen.

Unter Punkt 1 Mache ich was falsch kamen nachfolgende Bemerkungen zustande:

  • Umgang mit Aggression
  • Erregung
  • Eigene Grenzen werden überschritten

Unter Punkt 2 Was ist mir wichtig; kamen nachfolgende Bemerkungen zustande:

  • Die eigene Meinung abgrenzen
  • Den eigenen Leidensdruck erkennen
  • Die Meinung stehen lassen
  • Verantwortung für das eigene Tun und Lassen zu übernehmen
  • Die Verletzlichkeit beachten
  • Nicht mehr über Wahnideen zu diskutieren
  • Grenzen setzen und bei mir schauen, wie viel Nähe ich zulassen will
  • Guter Umgang mit sich selbst
  • Verlässliche Absprachen treffen
  • Anerkennung und Liebe geben
  • Die Reizabschirmung, damit ich in der Klinik zur Ruhe komme
  • Denjenigen aus allem heraus nehmen
  • Mit Fernsehen einschlafen (ich habe ein ADS-Kind)
  • Struktur geben7 Struktur nehmen
  • Los lassen seitens der Eltern und des Betroffenen
  • Loslassen mehr Eigenverantwortung übernehmen
  • Setzen und akzeptieren von Grenzen trotzdem Anerkennung und Liebe signalisieren, doch auch Grenzen überschreiten, wenn ich zu sehr unter den Grenzen leide.
  • Nicht verstricken lassen bei Streitgesprächen, in denen Psychose oder andere Wahrnehmung für mich anklingt- nur knapp antworten.
  • Nicht überbehütend sein – zutrauen – der Kraft der Psychose eine Chance geben, für Selbstständigkeit und Veränderungswillendes Psychose-erfahrenden
  • Akzeptanz des Andersseins/ der Wertschätzung der anderen Wahrnehmung
  • Guter Umgang zu mir selbst ohne schlechtes Gewissen

Wichtig für mich selbst:

  • Betroffener bekennt sich zu seiner Krankheit
  • Er selbst trägt dazu bei einen guten Weg – Umgang mit der Krankheit zu erlernen und anzustreben

Aus der Sicht des Erkrankten:

  • Ich biete Hilfe an, versuche den Weg ein Stück mitzugehen – ihn zu begleiten
  • Verständnis für seine Krankheit zu zeigen
  • Erkenntnisse sammeln mit Hilfe der Literatur, damit ich die Krankheit verstehen lerne und den Kranken richtig behandele
  • Auf ihn eingehen
  • Ihn verstehen lernen
  • Mit den Ärzten reden
  • Eine Linie finden, das Einklang herrscht in Harmonie, d. h. Geduld üben
  • Geduld üben
  • Struktur geben/akzeptieren bei manisch-depressiven Phasen
  • Loslassen – Eigenverantwortung übernehmen
  • Man sollte auch mal eine Frau abkriegen trotz Krankheit
  • Über alle Fehler mit mir sprechen
  • Meine Hartnäckigkeit abfedern (verändern)
  • Über alles quatschen
  • Mein Gehirn erweitern – Aggressionen abfedern
  • Andere Denkprozesse akzeptieren
  • Das Leben wieder genießen können
  • Sich als vollwertigen Menschen fühlen können
  • Verständnis zeigen, sich Zeit nehmen, Bereitschaft zum Dialog mitbringen
  • Zuhören können
  • Gegebenenfalls anregen zu Spaziergängen, malen, Musik hören,
  • Einladen zum Essen
  • Wenn nicht erwünscht, nicht über mögliche Ursachen der Krankheit sprechen
  • Ehrlichkeit im Umgang mit den Betroffenen
  • Auf sich selbst aufpassen
  • Wissen was man selbst will
  • Das eigene Leben leben als Angehörige
  • Widerstand bei Bedarf setzen (Grenzen)
  • Geduldig mit dem Menschen umgehen
  • Nie die gute häusliche Atmosphäre zerstören
  • Beobachten, ggf. danach handeln
  • Gute Vertrauensbasis schaffen bzw. erhalten
  • Dem Menschen Zeit zum Nachdenken lassen
  • Rückbesinnung auf schon erlebte Ereignisse, Beobachtungen ggf. Handeln kurz ändern
  • Grenzen setzen
  • Grenzen setzen lernen
  • Klare Absprachen
  • Geduld lernen
  • Eigene Bedürfnisse der Eltern, des Partners dürfen nicht zu kurz kommen
  • Moralpredigten helfen nicht
  • Heute: Ja zur Therapie
  • Übermorgen: Nein, das habe ich nicht zugesagt
  • Umgang mit Aggressionen
  • Umgang mit Hypersensibilität
  • Mir ist wichtig im Gespräch denjenigen/diejenige zu erreichen, ein Verständnis zu entwickeln und eine Nachvollziehbarkeit, worum es jemand geht
  • In der Beratungssituation klarer zu werden und das Gefühl zu haben mit demjenigen eine gute Perspektive erarbeitet zu haben
  • Hart sein
  • Vertrauen aufbauen

Der Begriff „Wahn“ stand wurde benannt.

Anschließend wurde der Prozess bewertet und festgestellt, dass nun doch die große Mehrzahl der Gedanken und Meinungen zu der Karte; Was ist mir wichtig, zugeordnet wurde. Es kam noch eine Diskussion zustande, in der Fragen zu Einstellungen behandelt wurden. Die aufkommenden Fragen wurden mit Fr. Dr. Pauels bearbeitet.

Menschen, die mit folgenden Diagnosen leben müssen: Schizophrenie, Paranoia, Borderline, Bipolare Störung, Depression u. ä. mit psychotischen Symptomen tauschen sich mit Angehörigen, Interessierten und in der Psychiatrie Tätigen aus.