Legale Suchtmittel und Psychose

Protokoll des Psychoseseminars vom 18. März 2015 von 19.00 – 21:30 Uhr

Moderation und Protokoll: Frau Dangel

Ablauf:

Begrüßung des Auditoriums und der anwesenden Gäste, Frau Dr. Pauels, Gesundheitsamt des Kreises Düren, Sozialpsychiatrischer Dienst und Frau Großmann, SPZ Sucht- und Drogenberatung, Düren Frau Dangel

Vorstellung des Psychoseseminars Herr Schmidt

Ablauf des Seminars mit Pausen und Getränken und Protokoll erklären Frau Dangel

Einstieg – Frau Dangel: Wir möchte heute mit der Frage beginnen: Welche legalen Suchtmittel kennen Sie? Herr Schmidt schreibt diese auf die Flipchard.

Bei legalen Suchtmitteln sprechen wir auch von „stoffgebundenen Süchten“, dazu zählen:

  • Alkohol
  • Nikotin
  • Medikamente außer BTMG
  • Koffein / Teein
  • Schnüffelstoffe
  • Engelstrompete
  • Stechapfel
  • Tollkirsche
  • Halluzinogene Pilze

Im Gegensatz dazu gibt es nichtstoffgebundene Süchte, wie z.B.:

  • Esssucht
  • Spielsucht
  • Computersicht
  • Sexsucht

Es entsteht eine Diskussion über legale und illegale Suchtmittel.

Illegale Suchtmittel sind u.a.:

  • Spices (Kräutermischungen)
  • Cristal
  • Extasy
  • Leagal highs
  • Pilze mit halluzinierender Wirkung (können in den Niederlanden käuflich erworben werden. Der Rausch kann 8 – 12 Stunden anhalten und auch zur Psychose führen)

Es wird berichtet, dass in einem Film aufgezeigt wurde, dass Frauen häufiger Tabletten konsumieren und viele Menschen über Privatrezept erworben werden.

Bei Alkohol ist die Co – Abhängigkeit der Angehörigen auch behandlungsbedürftig.

Ziel einer Alkoholerkrankung ist heute nicht immer nur die völlige Abstinenz sondern ein besseres Trinkverhalten. Behandelte Alkoholiker haben eine 50%tige Chance zu genesen. Die meisten Rückfälle finden im ersten Jahr statt.

Es kam die Frage auf, was Co – Abhängigkeit bedeutet:

Das Familiensystem versucht sich selbst zu regulieren. Die gut gemeinten Hilfen unterstützen die Sucht.

Auf kleinen Karten notieren die Seminarteilnehmer ihre Erfahrungen mit Suchtmitteln und Psychose:

Es gibt folgende „Aussagen“

  • Psychisch erkrankte Menschen trinken Alkohol zur Symptonbekämpfung z.B. um Angst abzuwehren, um Stimmen abzuwehren.
  • Legale Suchtmittel sind überall frei zu erwerben; es ist schwer abstinent zu bleiben.
  • Es fehlt den Betroffenen die Einsicht, etwas zu ändern.
  • Nasenspray ist ein legales Suchtmittel.
  • Es besteht bei Abhängigkeit und psychischer Erkrankung eine doppelte Stigmatisierung.
  • Nach dem Entzug wird die Depression sichtbar.
  • Es ist eine Sisiphus Arbeit
  • Suchtmittel <> Psychose
  • Aufforderung
  • Ko – Abhängigkeit

Auf großen Karten finden sich folgende Notizen:

  • Alkoholpsychosen sind:
    • Delir
    • Korsakow
    • Alkohol – Halluzinose
    • Demenz
    • Eifersuchtswahn

Alkohol verursacht keine Schizophrenie, eine Psychose erhöht aber das Risiko einer Suchtentwicklung (Alkohol + Nikotin / Koffein)

  • Anmerkung: Alle Karten konnten nicht vorgetragen werden.

PAUSE

2. Teil:

Verschiedene Seminarbesucher berichten ihre Erfahrungen mit Suchtmitteln und Psychose:

  • Ich war als Kind schon in der Psychiatrie, bekam starke Medikamente, nahm 10 Jahre lang Drogen, hatte Psychosen unter Drogeneinfluss, machte Drogentherapie; die Psychosen blieben. Seit 1992 wieder krank, Psychosen kommen und gehen. Seit Herbst 2014 keine Psychosen mehr. Dann, vor kurzem zuhause wieder eine Psychose.
  • Mit 14 Alkohol und Nikotin, mit 16 Cannabis, mit 18 Alkohol, mit 19 Psychose, mit 24 kein Nikotin mehr, keine Suchtmittel mehr.
  • Alkohol beim Ex – Mann und Sohn konsumiert Canabis. Ich selbst habe geraucht. Seit 4 Jahren rauchfrei. Psychotische Symptome sind nur beim Sohn vorhanden. Unsicherheit, ob Cannabis die Psychose ausgelöst hat. Ist sie heilbar, wenn der Konsum eingestellt wird?
  • Alkohol ist eine Systemerkrankung. Im fortgeschrittenen Stadium > alkoholische Psychose > Delir > Suizidgefahr. Menschen mit psychischen Erkrankungen konsumieren Suchtmittel weil sie zunächst erleichtert und enthemmend werden. Zunächst ist die Wirkung angstlösend, dann bringt sie Panik. Zusammen mit den notwendig verordneten Medikamenten ist das schlecht. Die Sucht entwickelt sich als eigenständige Krankheit.
  • Ich habe durch den Konsum verschiedener Substanzen eine Psychose bekommen. Seit 10 Jahren konsumiere ich nicht mehr. 2002 / 2003 hatte ich noch einmal Canabis konsumiert und bekam „schizoide Gedanken“: Ich merkte, wie sich das „Ich“ auflöste.
  • Es gibt ein Buch „Endlich Nichtraucher“ von Ellen Kar, das hat mir geholfen.
  • In der Drogen- und Suchtberatung Düren (Tel.: 02421 / 10001) gibt es eine Eltergruppe, für Kinder, die Drogen konsumieren.
  • In der Selbsthilfekontaktstelle gibt es einen Angehörigengruppe für Eltern psychisch Kranker, Treffen jeden 3ten Donnerstag im Monat um 18 Uhr, Herr Keutgen.
  • Die kette e. V., Kontakt- und Beratungsstelle bietet auch Beratungsgespräche für Angehörige pychisch Erkrankter und einen „Offenen Treff“ für Bertoffene und Angehörige.
  • Konsum von Alkohol hat auch Auswirkung auf die Kinder. Angehörige müssen den richtigen Umgang mit Betroffenen lernen.
  • Bei einer Pschose ist die Verantwortung für die Angehörigen größer.
  • Es wird berichtet, dass das Konzept der „Anonymen Alkoholiker“ vorsieht, dass auch Angehörige nicht nach außen über ihre Probleme reden dürfen.
  • Eine Angehörige berichtet von ihrem alkoholabhängigem Vater und auch Mann. Der Sohn entwickelte eine Drogenproblematik. Die Familie kam ursprünglich als Aussiedler nach Deutschland. Psychische Erkrankungen sind dort nicht akzeptiert. Daher konnte der Mann die Erkrankung des Sohnes auch nicht akzeptieren. Erst als die betroffene Mutter den Sohn los lies, hat ihn das wachgerüttelt. Heute ist der Sohn verheiratet und hat eine eigne Familie. Für die Betroffene führte die Belastung selber zur Depression. Sie will ihren alkoholkranken Mann verlassen, um selber weiterleben zu können.
  • Ein Betroffener berichtet, dass er auf der Entgiftungsstation Gespräche für Patienten anbietet.

Ca. 20:30 Uhr

Abschlussrunde: Ein Stein wird in die Runde gegeben: Was hat Ihnen diese Veranstaltung gebracht (was nehmen Sie mit? Was lassen Sie hier?)

Verabschiedung

Menschen, die mit folgenden Diagnosen leben müssen: Schizophrenie, Paranoia, Borderline, Bipolare Störung, Depression u. ä. mit psychotischen Symptomen tauschen sich mit Angehörigen, Interessierten und in der Psychiatrie Tätigen aus.