Kreativität und Psychose

Protokoll des Psychoseseminars vom 18. Dezember 2013 von 19.00 – 21:15 Uhr

Moderation Frau Dangel; Protokoll Frau Hamacher

Nach der Begrüßung wird die Frage gestellt:

Haben Sie Erfahrungen mit Kreativität und Psychose gemacht? Waren Sie kreativ trotz der Psychose oder kreativ durch die Psychose? (siehe Ablaufplan)

Antworten:

  • Zu Anfang der Psychose hatte ich sehr viele Ideen und dann wurde es diffus, es war außer Kontrolle und meine Toleranzgrenze sank auf ein Minimum, wenn meine Ideen sich nicht umsetzen ließen. Für mich war es unübersichtlich aber ich kam schnell wieder raus. Künstler erleben so was auch und werden berühmt!
  • Kreativ zu sein ist nicht meine Sache aber in der Ergotherapie fand ich eine positive
  • Ich beschäftigte mich mit Brüning – das heißt auf Holz Bilder einbrennen und dann ausmalen. Es hat mir geholfen mich wieder zu konzentrieren in meiner Depression. Ich habe es gerne gemacht. Leider habe ich es nach dem Aufenthalt der Klinik nicht wieder aufgenommen und in mein Leben intrigiert!
  • Ich habe ein Buch umgeschrieben in „ICH“ Form in der Psychose. Mein Gefühl damals war, dass der Text zu mir und meinem Leben passt. Das war auch ein kreativer Akt der mich heute noch erfreut!
  • In meiner Psychose hat mich ein Satz in einem Buch aus der Fassung gebracht “Gott will mit Dir sprechen“. Damals glaubte ich das wirklich und hatte Angst.
  • Aussage eines Arztes der LVR Klink: Bei schizophrenen Psychosen sind größere Einschränkungen der Kreativität möglich. Durch zerfahrenes Denken sind die Prozessstrukturen gestört. Man muss den Ablauf des Denkens ändern um wieder Kreativ werden zu können. Patienten die länger in der Klinik waren, sprachen davon, dass sie mit ihren Werken im Bereich der Kreativität zufrieden sind. Das ist ein positiver Effekt von Ergotherapie. Mit Kreativität ist es möglich, wieder Kontakte zu knüpfen.

Antworten aus der Runde:

  • Psychosen geben tendenziell Auftrieb in der Kunst, dies kann bei einem akuten Schub auch anders sein.
  • Gerüche werden anders wahr genommen.
  • Kreativität wurde über das Programmieren ausgelebt.
  • Kunst ist das, was gefällt.
  • Kreativität hat jeder in sich, auch Menschen ohne psychische Erkrankung.
  • Erforscht ist, dass es bei Künstlern eine dauerhafte Aktivität im Gehirn gibt die mit Hyperaktivität vergleichbar ist.
  • Genetisch bedingte Strukturen können hemmend oder aktivierend wirken.
  • Frühkindliche Kreativität zu fördern könnte hilfreich sein, um psychische Erkrankungen vorzubeugen, was natürlich nicht bei allen psychischen Erkrankungen möglich ist.
  • Gesellschaftsspiele – Theater – Musiktherapie sind auch Möglichkeiten kreativ zu sein. Jeder psychisch erkrankter Mensch sieht seine Kreativität in dem Bereich der zu ihm passt und ihm gut tut und hilft.
  • Um kreativ zu sein muss man nicht gesund sein.
  • Bilder im Kopf hat jeder.
  • Kreativität ist für viele Menschen wichtig.

Kunst kann helfen sich aus zudrücken, auf sich aufmerksam zu machen, Psychosen zu überwinden, aus Depressionen heraus zu kommen, aktiv zu werden, sich wieder zu finden, sich selber wahr zu nehmen. Jeder hat eine andere Kreativität. Manche lieben die Ruhe dabei, manche haben gerne das schnelle Vorankommen bei Kreativität.

In der Tagesstätte der Kette e. V. gibt es seit circa einem Jahr das Kreativangebot, mit Fotografie seine Gefühle darzustellen. Beispiele: Wie fühlte ich mich unter Einwirkung meiner Medikamente oder was fühle ich, wenn ich eingesperrt bin…..? Dieses Projekt ist sehr gut angenommen worden und es sind schon sehr gute Ergebnisse dabei entstanden. Eventuell wird auch eine Ausstellung über diese Arbeiten stattfinden.

Frau Niedine van den Bos-Nicolai von der Kath.Klinikseelsorge Tel.: 02421/40221 erzählte von dem Projekt für alle Institutionen und Interessierten: Eine Kunstaktion für Menschen mit Behinderung und Ihre Begleiter „Zeigt her Eure Schuhe“ (25.06.2014 – 29.06.2014)

Es ist eine Ausdrucksform, sich Darzustellen im Bildnerischen oder auch im Wort. Wer bin ich? Wo komm ich her? Wo will ich hin? Hier ist der Link zum nachlesen: http://heiligtumsfahrt2014.de Bei Fragen steht Frau Niedine van Bos- Nicolai gerne zu Verfügung. Tel.: 02421/40221

Anschließend wurden Themen für das kommende Jahr gesammelt:

Themen der Seminarbesucher:

  • Pharmakologie/ Begleiterscheinungen
  • Suchterkrankungen und Psychose

Abschlussrunde: Ein Stein wird in die Runde gegeben mit der Frage: Was hat Ihnen diese Veranstaltung gebracht (was nehmen Sie mit? Was lassen Sie hier?) Verabschiedung.

Es folgt der Hinweis auf die Winterpause. Das Seminar startet wieder im März 2014.Die Themen sind auch immer auf der Homepage des Psychoseseminars zu finden und können auch bei der Kette e.V. Kontakt – und Beratungsstelle abgeholt werden.

Menschen, die mit folgenden Diagnosen leben müssen: Schizophrenie, Paranoia, Borderline, Bipolare Störung, Depression u. ä. mit psychotischen Symptomen tauschen sich mit Angehörigen, Interessierten und in der Psychiatrie Tätigen aus.