Erfahrungen mit der Krise – Wohin in der Krise? Welche Möglichkeiten bietet Düren?

Protokoll des Psychoseseminars vom 15.10.2003

Anwesend 16 Personen, Gastarzt aus der RLK DN Herr Dr. Dereycke, Fr. Dr. Knittel;

Nach der Begrüßung ging es darum zu eruieren, welche Erfahrungen jemand mit „Krise“gemacht hat.

1. Es kam themenbezogen zu lebhaften und interessanten Schilderungen.

Als Stichworte für krisenhaftes Erleben wurde gesagt: viel schlafen, Antriebs- und Lustlosigkeit, nicht schlafen, Verwirrung; ungeordnet sein, Hilflosigkeit, Unsicherheit gegenüber der eigenen Grenzsetzung den Betroffenen gegenüber, Verantwortungsgefühl und die Grenze dazu zuviel bzw. zuwenig Verantwortungsgefühl in einer Situation zu übernehmen. Als Essential kam dabei heraus, dass man eigentlich immer das falsche macht. Alles was man für den/die Betroffenen tut ist eher nachteilig.

Die Angehörigen befänden sich zeitweilig mit der Stimmung von „Mitkrisenschaft“. Das Thema Betreuung kam zur Sprache und die große Hilflosigkeit und Angst, wenn Betreuung aus strukturtechnischen Gründen (gleichzeitiger Urlaub von Betreuer/in und Vertreter/In) nicht mehr stattfinden kann und das der betroffene Angehörige aus Krankheitsuneinsichtigkeit die Medikation absetzt u. ä.; Betreuer/Innen sollten Vertrauenspersonen sein, die vertrauenvolle Beziehung zu ihm/ihr ist bedeutsam. Als Position kam auch heraus, dass viel Druck oftmals das Gegenteil bewirkt und man den Betroffenen den Platz zu eigener Entscheidung zugestehen sollte. Dabei sollte man sich gefühlsmäßig an sich selbst orientieren. Es spiegelten sich Befürchtungen, Sorgen, Ängste Rat- und Hilflosigkeit im Seminar wieder, es könnte erneut zu einer Krise den Betroffenen Angehörigen kommen.

Thematisiert wurde diesbezüglich, ab wann die eigene Angst den Betroffenen verrückt macht. Herr Dr. Dereycke gibt zu bedenken, dass die Angst ein berechtigtes Gefühl ist. Alle aufkommenden Gefühle hätten Berechtigung. Man steht jedoch relativ allein damit dar. Die Angst kann mit unterschiedlichen Methoden beschwichtigt werde. Wo fängt die Verantwortung für das eigene Handeln gegenüber der krisenlnden Person an? Deutlich wurde, welche Schwierigkeiten z. B. Angehörige haben, ihre Grenzen zu erkennen, auszuhalten und die Grenzen des Anderen wahrzunehmen und zu respektieren. Die Problematik stellte sich sehr deutlich auf unterschiedlichen Ebenen dar.

2. Die Kartenabfrage wurde durchgeführt

Auf den grünen Karten sollen die Erfahrungen (Was hat Ihnen schon einmal geholfen?)

Auf den lila Karten sollen die Wünsche ( Was fehlte Ihnen in der Krise?) aufgeschrieben werde

Das Material wird verteilt und es ist genügend Zeit, zum überlegen und schreiben.

Die Karten werden vorgelesen und in die Raummitte um die Schilder „Erfahrungen“ und „Wünsche“ drapiert.


Danach wird eine zehnminütige Pause gemacht.

Nach der Pause in den letzten 25 Min. werden aufkommende Eindrücke und Fragen bearbeitet. Die Moderatorin versucht nochmals das Wichtigste an dem intensiven Seminar darzustellen.

Es wird seitens einiger Teilnehmer/Innen der Wunsch geäußert die Karten nochmals inhaltlich dar zu stellen. Ich sage zu, beim nächsten Psychoseseminar die inhaltliche Auflistung der Karten spiegelstrichmäßig festgehalten, auszulegen (Protokoll Seite 2). Zuletzt wird die Information über die sich neu gründende Selbsthilfegruppe für Angehörige psychisch erkrankter Erwachsener) gegeben und der Stand erörtert.

Verabschiedung und Hinweis auf die nächste Veranstaltung ggf. mit Herrn Dr. Knauer

Lila Karten (Wünsche)

  • Wunsch (Vater) Krankeneinsicht als Vorraussetzung selbst helfen zu können
  • Mehr Anlaufstellen und Unterstützung von Fachleuten
  • Es hätte uns als Eltern geholfen, als die Psychose unseres Sohnes auftrat, dass man nicht von Beamten und Ärzten gesagt bekommt, jeder hätte das Recht darauf krank zu sein, obwohl unser Sohn von Selbstmord sprach und verbal sehr aggressiv wurde.
  • Mehr Hilfe und nicht so viel Absagen
  • Krisenberatung die hilft, die eigenen Wege zu finden.
  • Das ich allein zu Hause sein kann
  • Das ich meine Ruhe habe
  • Das ich ruhig bleibe
  • Das ich meine Gedanken geordnet kriege
  • „ein Freund, einguter Freund“
  • ein anderer Mensch, der zu uns (Eltern) eine vertrauensvolle gute Beziehung hat, um mir das Gefühl zu nehmen, ich wäre die einzige Person, die in der Krise helfen könne
  • Medikamente, die helfen
  • Wenn jemand ganz meiner Meinung ist (Verständnis)
  • Einen Krisendienst für Stadt und Kreis Düren
  • Freunde, die zu einem stehen und Verständnis haben;
  • Freunde
  • Weniger Druck von Außen, die Situation meistern zu müssen
  • (unbeteiligter) Ansprechpartner, rasch erreichbar mit Zeit, der evtl. auch kurzzeitig handelt
  • Die Akzeptanz der Situation von anderen insbesondere von Familie und Therapeut
  • Notruf für psychische Krisensituationen
  • Gespräche
  • Austausch/Information, wie sind andere mit einer ähnlichen Situation umgegangen?!

Grüne Karten (Erfahrungen)

  • gute Freunde, denen man vertrauen kann, sind in der Krise eine große Hilfe
  • in einer „Auszeit“ hört jemand zu und nimmt die Probleme ernst
  • Gespräche über die Situation mit einer Vertrauensperson
  • Telefonat über die Situation
  • Nähe im Respekt
  • Austausch/Informationen: Wie sind andere in einer ähnlichen Situation mit dieser Krise umgegangen!?
  • Eigene Wege gehen und finden
  • Behandlungsvereinbarungen treffen vor der Krise mit Arzt; Klinik usw.
  • Fernsehen gucken hat`s gebracht (Sport-Programme)
  • Tavor hat die Krise abgefedert
  • Ich war jedes Mal auf mich alleine gestellt war überfordert
  • Gute Freunde, denen man vertraut, sind in der Krise eine große Hilfe
  • Notruf für psychische Krisensituationen
  • Gespräche
  • viele Freundschaften gehen in der Krise kaputt und lassen sich danach nicht mehr kitten
  • Ruhe bewahren – Situation genau betrachten – Partner einbeziehen – handeln

Menschen, die mit folgenden Diagnosen leben müssen: Schizophrenie, Paranoia, Borderline, Bipolare Störung, Depression u. ä. mit psychotischen Symptomen tauschen sich mit Angehörigen, Interessierten und in der Psychiatrie Tätigen aus.