Einmal psychotisch immer psychotisch? – Wie chronisch kann eine Psychose werden?

Protokoll des Psychoseseminars vom 19.03.2008 von 19.00 – 21.15 Uhr

Protokollantin: Fr. Mischke

Zunächst erfolgt die Begrüßung des Auditoriums. Vorstellung des Psychoseseminars und der Person der neuen Moderatorin/Mitarbeiterin der Kontakt- und Beratungsstelle Fr. Mischke. Begrüßung von Herr Dr. Grassnack (Station 14D) und Fr. Grab.

1.Warm-Up: Welche chronischen Krankheiten kennen Sie?

Es wurden aufgezählt: Diabetes, Hepatitis C, Rheuma, Schuppenflechte, Allergien, Heuschnupfen, Bronchitis, Migräne

2.Als „Provokation“ wurde die Frage in den Raum gestellt, ob eine Psychose zu den chronischen oder nicht chronischen Krankheiten gehört.

Die Meinungen waren geteilt und es kam zum ersten Schluss, dass man keine allgemeingültige Aussage darüber treffen kann. Es kommt auf die jeweilige Person an, deren Umgang mit der Erkrankung und auch darauf, was die Ursache/Auslöser des Krankheitsausbruchs ist.

3.Wie sind die Erfahrungen der Anwesenden?

Als Erfahrungswerte wurden aufgezählt:

  • bei ausreichendem Schlaf ging es Psychose-Erfahrenen besser
  • regelmäßige Medikamenteneinnahme beugt Rückfällen vor
  • eigenständiges Absetzen der Medikamente oder unregelmäßige Medikamenteneinnahme verschlechtern meistens den Gesundheitszustand
  • durch besseres Verstehen der Krankheit wurde ein besserer Umgang damit erlernt
  • es wurde berichtet, dass Erfahrene zu regelmäßigen Zeiten ihre Medikamente einnehmen müssen, da der Körper ihnen das signalisiert

PAUSE

4.Information zum Thema Chronifizierung einer Psychose

Dr. Grassnack informiert über die sogenannte Drittel-Regelung welche besagt, dass 1/3 der von einer Psychose betroffenen Bevölkerung eine vollständige Genesung erfahren, beim zweiten Drittel wird der gesunde Zustand gelegentlich von Rückfällen unterbrochen, und beim letzten Drittel überwiegt der chronische Zustand und die Krankheitssymptome sind mehr oder weniger präsent. Je höher die genetische Vorbelastung eines Menschen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit der Erkrankung. Jedoch spielen auch äußere Faktoren wie z.B. Lebenskrisen und Stress und der individuelle Umgang damit eine große Rolle. Grundsätzlich kann man sagen, dass eine frühzeitige Behandlung die Prognose verbessert. Durch regelmäßige Medikamenteneinnahme kann man erneuten Schüben und einer Chronizität vorbeugen – die Prognosen sind dann deutlich besser. Die Medikamente sollten langsam niedriger dosiert werden bis man sie schließlich ganz absetzen kann und immer in Absprache mit dem zuständigen Arzt. Wenn mehrere Episoden stattgefunden haben sollten die Medikamente erst nach 5 Jahren Symptomfreiheit abgesetzt werden. Cannabiskonsum fördert die Schwelle des Rückfalls – jedoch muss es auch nicht immer einen Auslöser für einen Schub geben. Es zählt immer die individuelle Schwelle die sich zusammensetzt aus genetischen und sozialen Faktoren. Wenn man z.B. weiß, dass bestimmte Reize, Situationen oder Bedingungen einem nicht gut tun wäre eine Möglichkeit zur Rückfallprophylaxe diese Dinge zu meiden oder einen anderen Umgang damit zu erlernen.

5.Was können Erfahrene, Profis und Angehörige tun, um eine dauerhafte Erkrankung zu verhindern?

  • Informieren, Aufklären – sowohl Profis als auch Erfahrene und Angehörige
  • Therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen z.B. Psychoedukation, kognitive Verhaltenstherapie, Familientherapie
  • Regelmäßig Mediamente einnehmen
  • Selbstbeobachtung
  • Stress vermeiden ( z.B. Reize von Licht oder Geräuschen)
  • Soziale Netze aufbauen
  • Cannabiskonsum einstellen
  • Für einen ausreichenden Schlaf sorgen

Menschen, die mit folgenden Diagnosen leben müssen: Schizophrenie, Paranoia, Borderline, Bipolare Störung, Depression u. ä. mit psychotischen Symptomen tauschen sich mit Angehörigen, Interessierten und in der Psychiatrie Tätigen aus.