Einbeziehung von Angehörigen in die Behandlung – wie geht das?

Protokoll des Psychoseseminars vom 18. Juni 2014 von 19.00 – 21:15 Uhr

Moderation und Protokoll: Frau Dangel

Einstieg:

Wir beginnen mit der Frage: „Welche Erfahrungen haben Sie als Betroffene, Angehörige/r und Fachkraft mit der Einbeziehung in die Behandlung gemacht?“ Was war gut, was war nicht gut?

Die Erfahrungen werden auf Karten geschrieben, vorgestellt und auf dem Boden zugeordnet. (Auf dem Boden liegen eine Pluskarte und eine Minuskarte.)

Positive Nennungen sind:

  • (es gibt heute mehr) Verständnis hinsichtlich der Erkrankung und besseren Umgang mit Betroffenen
  • Wenn es mir als Angehörige gut geht, geht es auch meinem Mann gut (oder zumindest besser), d.h. Hilfe für Angehörige ist sinnvoll
  • Missverständnisse können aufgeklärt werden
  • Mitwirkung an der Therapie und totale Unterstützung des Klienten
  • Paargespräch / Paartherapie
  • Motivation der Betroffenen zur Therapie seitens der Angehörigen kann hilfreich sein
  • Behandlungsvertrag für Angehörige und Betroffene abschließen
  • Angehörigengespräche, Angehörige „ins Boot holen“,
  • Erst im letzten Jahr wird Wert auf mehr Einbeziehung der Angehörigen gelegt. Sehr gut: Gespräche beim Facharzt mit allen Beteiligten
  • Unterstützung seitens der Angehörigen in den Bereichen: Alltagsbewältigung, Arztbesuche, (weitere) stationäre Behandlung
  • Sozialisierung…“(Betroffene) ins normale Leben mitnehmen“
  • Stabilisierung im Leben der Betroffenen (Beziehung Eltern – Kinder Verhältnisse)

Negative Nennungen sind:

  • Mein Gefühl (ganz oft): Wurde ausgequetscht von den Ärzten und dann weggeschickt
  • Beim Besuch in der Klinik wurde nur gefragt: Wer sind Sie, wen möchten sie besuchen?
  • Angehörigen nehmen den Kranken manchmal falsch wahr
  • Fühle mich falsch verstanden, finde Gespräche mit Ärzten schwierig
  • Schwierig, wenn die Betroffenen über 18 Jahre sind. Sie entscheiden dann selber
  • Unverständnis
  • Schuld, Hilflosigkeit, Verbitterung > Angehörige werden selber zu Patienten
  • Vorwürfe, Wut
  • Angehörige sind unsicher, hilflos
  • Angehörige haben große Sorge um ihre Betroffenen
  • Zu meinem erkrankten Neffen finde ich keinen Zugang

Neutral:

  • Es sind seltener Angehörige in der Beratung
  • Therapie auch für Angehörige ist manchmal sinnvoll
  • Angehörige brauchen Informationen (über den Verlauf der Erkrankung)
  • Angehörige brauchen Unterstützung für sich selber
  • Angehörige könnten „Übersetzter“ für ihre Betroffenen sein – sie kennen diese gut
  • Mein Neffe fühlt sich sehr einsam, er kann aber nicht unter Menschen gehen, schon gar nicht in geschlossenen Räumen

Nach der Pause wird an der Flipchard festgehalten: „ Was brauchen Betroffene, Angehörige, Fachleute für eine „gemeinsame“ Behandlung? Welche Methoden helfen? Gibt es noch unbekannte Hilfen?

  • Behandlungsvereinbarung mit Betroffenen und Angehörigen abschließen
  • Selbsthilfe für Angehörige nutzen
  • Psychoseseminar – Austausch auf Augenhöhe mit Erkrankten, Fachleuten und Angehörigen
  • Lebensfreude ist wichtig!
  • Aufklärung (Fachstellen, Bücher)
  • Psychoedukation – an Seminaren teilnehmen, die über Erkrankung aufklären
  • Aufklärung der Kinder (Trampolin Projekt LVR Klinik Düren)
  • Schweigepflichtentbindung von Betroffenen für Angehörige
  • Psychotherapie für Angehörige
  • Alltagstraining für Betroffene und Angehörige (Wie gehe ich mit der Erkrankung um?)
  • Angehörige dürfen sich nicht benutzen lassen, müssen sich abgrenzen und etwas für sich tun.
  • Radikale Akzeptanz (ist das Gegenteil von Wollen > es ist die Bereitschaft sich gegen Schmerz aufzulehnen, ihn zu bekämpfen. Dafür muss der Schmerz; die Erkrankung zunächst einmal akzeptiert werden) > aus der Dialektischen Behavoiralen Therapie > u. a. Vermitteln von Techniken zur besseren Wahrnehmung, Bewusstsein im Alltag zu gewinnen und Gefühle und Verstand in Einklang bringen.
  • Home – Treadment: (Betroffene werden im häuslichen Umfeld behandelt; ein Team aus Ärzten und Helfern unterstützt die Betroffenen und Angehörigen > z. B. In Gangelt, Maria Hilf und Krefeld, Alexianer
  • Soteria – Haus, z.B. in Gangelt, Maria Hilf: Psychose- Erkrankte werden in einem offenen Rahmen begleitet, mit Bezugsbetreuern, Fachärzten und weiteren Helfern, Medikamenteneinnahme wird mit den Erkrankten besprochen.

Abschlussrunde: Ein Stein wird in die Runde gegeben mit der Frage: Was hat Ihnen diese Veranstaltung gebracht (was nehmen Sie mit? Was lassen Sie hier?) Verabschiedung.

Das Psychoseseminar geht in die Sommerpause. Im September geht es weiter. Die neuen Termine werden spätestens im August veröffentlicht.

Menschen, die mit folgenden Diagnosen leben müssen: Schizophrenie, Paranoia, Borderline, Bipolare Störung, Depression u. ä. mit psychotischen Symptomen tauschen sich mit Angehörigen, Interessierten und in der Psychiatrie Tätigen aus.