Angebote für psychisch Erkrankte außerhalb der Klinik – welche gibt es?

Protokoll des Psychoseseminars vom 19. Juni 2013 von 19.00 – 20:45 Uhr

Moderation und Protokoll: Frau Dangel

Zunächst werden das Auditorium und die anwesenden Gäste (insbesondere Herr Hannen von den Psychiatriepaten Aachen, Frau Juhle von der Tagesstätte der Kette e. V. Düren, Herr Plum von der LVR Klinik und Frau von den Bos – Nikolai, integrierte Psychiatrieseelsorge Aachen in der LVR Klinik Düren) begrüßt; dann wird das Psychoseseminar vorgestellt und der Ablauf des Seminars mit Pausen und Getränken erklärt.

Es wird zunächst das Psychoseseminar als Angebot für psychisch Erkrankte außerhalb der Klinik benannt.

Das Psychoseseminar in Düren gibt es seit 1995, der Ursprung von Psychoseseminaren ist in Hamburg. Ca. 1989 ging die langejährig psychoseerfahrnen Dorothea Buck auf Menschen in der Universität zu, die Berufe im psychiatrischen Umfeld lernen, um Gesprächsrunden zu gründen, wo nicht akut Betroffene mit diesen Leuten ins Gespräch kommen können. Es geht darum, die verschieden Situationen besser verstehen zu können. Da auch Angehörige und Freunde, sowie Interessierte auch viel zu berichten haben, entstand so der Trialog. Bevorzugt werden neutrale Räumlichkeiten. Es gibt über 100 aktive Psychoseseminare im deutschsprachigen Raum. Sie sind voneinander unabhängig und werden recht unterschiedlich organisiert.

Eingestiegen sind wir mit der Frage: „Welche Angebote kennen Sie?“ Auf Karten werden die Angebote aufgeschrieben und nachfolgend vorgelesen / vorgestellt.

Nachfolgend stellt Herr Hannen von den Psychiatriepaten Aachen sein Angebot vor: Der Verein wurde 1997 von Menschen, die psychisch erkrankten oder von psychischen Problemen betroffen sind, gegründet. Derzeit gibt es 80 Mitglieder. Diese bieten Patenschaften für psychisch Erkrankte an. Dazu gehört auch die Zusammenarbeit mit den Kliniken: Alexianer Aachen, Uniklinik Aachen und dem (Düren) LVR Klinikverbund. Ziel ist es, Wege aus der Isolation aufzuzeigen. Es werden auch Sprechstunden in Krankenhäusern abgehalten. In den Räumen am Adalbertsteinweg in Aachen gibt es Beratungsangebote und Aktivitäten. Alle Informationen sind zu finden unter: www.ppev.de. Herr Hannen benennt für Aachen weitere Stellen, die Hilfen für psychisch Erkrankte anbieten: Aachner Laienhelfer, Aachner Verein, Die Triangel.

Frau von den Bos – Nikolai von der Integrierten Psychiatrieseelsorge Aachen stellt die katholische Krankenhausseelsorge in der LVR Klinik Düren vor. Die seelsorgerische Arbeit umfasst offene Gesprächsangebote über die Erkrankung besonders auch theologische Fragestellungen, Besucherdienste, Angehörigenberatung, Gesprächskreise, Gottesdienst, Begleitung Sterbender, Patientenclub und vieles mehr. Eine therapeutische Arbeit findet nicht statt. Alle Patienten, gleich welcher Glaubensrichtung, können dieses Angebot wahrnehmen, innerhalb und außerhalb der Klinik. Unter: www.psychiatrieseelsorge-dueren.de. sind alle Angebote der katholischen Klinikseelsorge zu finden und in der LVR Klinik Düren in Haus 10, 1. Etage. Weiter verweist Frau von den Bos – Nikolai auf das „Haus der Seelsorge und Begegnung „Paulushaus“ in Köln. Hier werden im kreativen Rahmen Hilfen bei der persönlichen Lebensbewältigung und Sinnsuche gegeben.

Reihum werden weitere Angebote außerhalb der Klinik benannt, die im Folgenden aufgeführt werden:

  • Betreutes Wohnen – verschiedene Anbieter Diese Hilfe unterstützt Betroffene durch ambulante Begleitung in der eignen Wohnung oder auch in betreuten Wohngemeinschaften.
  • Selbsthilfegruppen, wie z. B. Emotion Anonymus – gebündelt bei der Selbsthilfekontaktstelle Düren, Paradiesbenden 24, oder: www.selbsthilfenetz.de oder www.selbsthifenetz-dueren.de
  • Telefonseelsorge: 0800111111
  • Freiwilligenzentrum Düren. Hier werden beeinträchtigte Menschen, die ein Ehrenamt ausüben möchten, besonders unterstützt, z. B. durch einen Paten oder eine Patin, die begleitend zur Seite stehen.
  • Vereine aller Art
  • Gemeinden, z. B. Chöre
  • Ambulante Suchthilfezentren, Hier berichtet Herr Plum von der LVR Klinik Düren, dass es ein ambulantes Suchthilfesystem gibt bestehend aus Fachärzten, Therapieplätzen, Halbprofisystemen und Laiensystemen. Besonders bei drogeninduzierten Psychosen ist ein umfassendes Hilfesystem erforderlich.
  • Die Kette e. V., Düren – Jülich. Dieser Verein unterstützt Menschen mit seelischen Beeinträchtigungen in vielerlei Hinsicht: Es gibt in den zwei SPZ (Sozialpsychiatrische Zentren) verschiedene Angebote wie „offener Treff“, Bewegung und Schwimmen, Ausflüge, Beratung für Betroffene und Angehörige, ambulant betreutes Wohnen und Wohngemeinschaften, Tagesstätten, Wohnheime. Weitere Informationen: www.diekettedueren.de Frau Juhle, von der Tagesstätte der Kette e. V. Düren stellt ihr Angebot vor: Die Tagesstätte ist eine teilstationäre Einrichtung die Tages- und Wochenstrukturierung bietet und für Betroffene, die nicht mehr arbeiten (oder keine Werkstatt für Behinderte besuchen). Es gibt Arbeits- und Beschäftigungstherapie, eine Theatergruppe, die Möglichkeit sich im Garten zu betätigen und weitere lebenspraktische Aufgaben. Mit jedem Besucher wird individuell ein Wochenplan erstellt. Wichtig ist herauszufinden, was einem gut tut. Das kann familiärer Kontakt sein, Kontakt in Vereinen, Hobbys. Ein Besucher der Tagesstätte ergänzt: Hier werden Talente freigelegt.
  • Alleinerziehende Gruppe, z. B. in Düren bei der evangelischen Gemeinde Düren oder der katholischen Bildungsstätte „Forum“ Düren.
  • Kirchengemeinden mit allen ehrenamtlichen Diensten
  • Beratungsstellen, wie Mosaik SKF Düren. www.mosaik-dueren.de
  • Betreuungsstellen der Stadt und des Kreises Düren. Hilfen nach dem Betreuungsgesetz für Volljährige. Hier können Betroffene für bestimmte Lebensbereiche (z. B. Finanzen, Gesundheit, Ämter und Behörden) Unterstützung bekommen. Zu finden sind die Stellen im Rathaus und im Kreishaus Düren.
  • Ärzte, Psychotherapeuten, Psychologen
  • Sozialpsychiatrischer Dienst des Gesundheitsamtes, Kreisverwaltung Düren: Hier gibt es fachärztlichen Rat und Hilfe für Erkrankte und Angehörige bei psychischer Erkrankung, Suchterkrankung, AIDS und in Krisensituationen.
  • Deutsches Rotes Kreuz
  • LVR Klinik Düren
  • Integrationsfachdienst (IFD) Düren und Aachen: Hier erhalten Schwerbehinderte und von Schwerbehinderung bedrohte Menschen Hilfen zum Thema Arbeitsplatzsicherung und Wiedereingliederung. Es gibt offene Sprechstunden in Düren jeden 1. und 3. Donnerstag in Düren von 9 – 12 Uhr, Am Pletzerturm 1. www.ifd-dueren.de
  • Sozialberater in Betrieben, am Beispiel des Amtsgerichts Düren: Das Amtsgericht Düren hat eine „Soziale Ansprechpartnerin“ für Mitarbeiter, die sich belastet fühlen. Den Ursprung findet diese kollegiale Beratung in der Polizeiarbeit. Dort richtete der Justizminister eine solche Stelle ein, weil der Alkoholmissbrauch in den Dienststellen zunahm.

Nach der Pause werden weitere Aspekte der „Hilfsangebote“ erörtert. Bzgl. der beruflichen Integration wird benannt, dass es auch möglich ist, seine durch die Erkrankung entstandene freie Zeit in Vereine und im Ehrenamt einzubringen und / oder Hobbys zu finden. Ein Betroffener berichtet, dass es ein langer Weg für ihn war, er aber mit viel Unterstützung seinen Weg gefunden hat (auch wenn es manchmal immer noch schwer ist).

Es wird die Frage: „Wo bekomme ich Informationen zu Angeboten“ erörtert und die Nennungen auf der Flipchart festgehalten:

  • Internet
  • Gesundheitsamt
  • Branchenbuch
  • Vertrauenswürdige Personen, z. B. Ärzte, Angehörige, Sozialarbeiter in der Klinik. Hierzu erklärt Herr Plum von der LVR Klinik Düren, dass auf den Akutstationen weniger Information und Beratung der Patienten stattfindet, da die Verweildauer dort eher kurz ist. Für Informationen zu weiteren Angeboten ist in der Klinik der Sozialdienst zuständig.
  • Rathaus / Kreishaus / Polizei
  • Tageszeitung
  • Kirchen

Es wird festgestellt, dass Betroffene in ihrem (Wohn-) Umfeld Hilfen bei unterschiedlichen Stellen erfragen können. Problematisch zeigt sich das durch die Medikation teilweise veränderte Verhalten von Erkrankten. Manche Medikamente vermindern den Antrieb derart, dass kaum Eigenaktion möglich ist.

Herr Plum (LVR Klinik) erklärt, dass die Medikation für viele die Basis einer Behandlung ist. Nachfolgend müssen weitere Angebote (wie Therapien) folgen. Besonders Schizophrenien verstärken sich ohne Medikamente. Bei jedem weiteren „Rückfall“ steigt die Gefahr einer chronischen Erkrankung. Herr Hannen von den Psychiatriepaten spricht an, dass es in Gangelt eine Behandlung von an Schizophrenie Ersterkrankten ohne Medikamente gibt (Soteria).

Abschließend wird festgestellt, dass Angehörige auch Hilfen benötigen. Sie können keine Arztgespräche führen, wenn die betroffenen Familienmitglieder dies nicht wünschen. Auch gibt es keine Entlastung im Haushalt wie bei pflegenden Angehörigen. Frau Dangel von der Kette e. V. erklärt, dass im Psychoseseminar vom November 2012 beim Thema „Hilfen für Angehörige“ überlegt wurde, ein Informationsheft für Angehörige zu entwickeln. Hierzu wird es im Juli ein Treffen u. a. mit dem Leiter der Selbsthilfegruppe für Angehörige geben.

Für das 2te Halbjahr werden nun weitere Themen festgehalten

  • Aspekte der Selbststeuerung – Vorbeugung
  • Hilfen für Angehörige

Ca. 20:50 Uhr

Bedanken bei der Seminargruppe den Gästen – Hinweis auf die Sommerpause im Juli / August. Der nächste Termin findet am 18. September statt. Die Themen stehen voraussichtlich ab Juli auf der Homepage des Psychose – Seminars. Sie werden auch bei der Kette e. V. Kontakt- und Beratungsstelle ausgehängt bzw. an alle, die möchten. versendet (bitte in die Protokollliste eintragen).

Abschlussrunde:

Ein Stein wird in die Runde gegeben: Was hat Ihnen diese Veranstaltung gebracht (was nehmen Sie mit? Was lassen Sie hier?) – Verabschiedung.

Menschen, die mit folgenden Diagnosen leben müssen: Schizophrenie, Paranoia, Borderline, Bipolare Störung, Depression u. ä. mit psychotischen Symptomen tauschen sich mit Angehörigen, Interessierten und in der Psychiatrie Tätigen aus.