Abgestempelt als „Psycho“

Protokoll des PS vom 18.06.2003

Anwesend waren 15 Personen

Thema des Seminars war: Abgestempelt als „Psycho“ Was nun? Was tun?

Nach der Begrüßung des Auditoriums und der Gastärzte Fr. Dr. Knittel und Herr Dr. Galke gehen wir schnell zu dem Thema über.

Was bedeutet das Wort „abgestempelt“?

Dazu wurde bemerkt, dass es auch i. S. von gebranntmarkt übersetzt werden kann. Es kann auch bedeuten, dass jemand ausgegrenzt ist. Sei es ausgegrenzt in der Familie, als Familie, in der Arbeit und in der Gesellschaft.

Gebranntmarkt sein als psychisch erkrankter Mensch, kann auch bedeuten, das Sprechen über seine Krankheit sein zu lassen. Sie zu verschweigen oder über die Krankheit zu schweigen. Im Verlauf des Gespräches setzt man sich mit dem Begriff „Offenheit“ und Umgang mit dem „Stempel“ auseinander und stellt folgendes dazu fest:

  • Offenheit bedeutet mit der Krankheit leben und dazu stehen,
  • Offenheit üben gegenüber der Familie, den Freunden und Arbeitskollegen,
  • Offenheit im vertraulichen Rahmen, aber nicht um jeden Preis ( z. B. ist es nicht immer sinnvoll in der Arbeit gegenüber seinem Arbeitgeber von der psychischen Beeinträchtigung zu sprechen, in Bewerbungen ist man nicht dazu verpflichtet)

Scham- und Schuldgefühle können auftreten und es kann die Schwierigkeit auf-kommen, dass sich von der Branntmarkung Betroffene, Defizite eingestehen müssen.

Es wurde aber auch bemerkt, dass es in der Familie und deren sozialem Umfeld einen positiven Umgang mit der psychischen Erkrankung gibt. Dies geschieht vor allen Dingen durch das Sprechen darüber mit anderen Menschen. Als wichtig erachtet wurde der Blick, wie andere mit „Abgestempelt sein“ umgehen.

Als besonderes Ereignis der Stigmatisierung (Branntmarkung) wurde die Aufnahme-situation in die Klinik dargestellt. Sie wurde teils als entwürdigend empfunden, weil man den Angehörigen abgeben musste und wenig Möglichkeiten hat diesen noch etwas zu begleiten. Seitend der Klinikärzte wurde dazu bemerkt, dass Nötiges mit Möglichem versucht wird zu vereinbaren, aber je nach Arbeitsaufkommen ein Angehörigengespräch nicht mehr statt finden kann.

Insgesamt war es schwierig, den Themenkomplex anhand der Überlegungen der Vorbereitungsgruppe praktisch durch zu strukturieren, da sich die Beiträge in der Gruppe nicht so ganz stringent danach ausrichteten. Dennoch gelang ein Diskurs über die wichtigsten Eckpunkte des Themas besonders was den offenen/ bzw. nicht offenen Umgang mit dem Thema „Stempel“ anging.

Gegen Ende des Seminars fand eine Themensammlung statt, die aus „liegen gebliebenen“ Themen des letzten Halbjahres und neuen Ideen zum 2. Halbjahresprogramm bestand.

Neue Themenideen waren:

  • Nach der Klinik; Was nun?
  • Entwicklung der Rheinischen Landesklinik Düren im Positiven wie im Negativen in den letzten 15 Jahren!
  • Krisenintervention in Düren (Möglichkeiten und Visionen)

Menschen, die mit folgenden Diagnosen leben müssen: Schizophrenie, Paranoia, Borderline, Bipolare Störung, Depression u. ä. mit psychotischen Symptomen tauschen sich mit Angehörigen, Interessierten und in der Psychiatrie Tätigen aus.